Herbrechtingen In der Hinteren Straße ist die Unsicherheit Zuhause

Großes Schild, klare Botschaft: In diesem Garten an der Hinteren Straße haben die Anwohner ein Auge auf Einbrecher.
Großes Schild, klare Botschaft: In diesem Garten an der Hinteren Straße haben die Anwohner ein Auge auf Einbrecher. © Foto: Manuela Wolf
Herbrechtingen / Manuela Wolf 27.08.2018
Ein Loch im Zaun und andere zwielichtige Vorfälle werfen für die Anwohner der Hinteren Straße in Herbrechtingen eine Frage auf: Wie sicher sind die eigenen vier Wände noch?

Viele Tage blieb der Schaden unbemerkt im Hause Mayer-Ullmann. Dann fragte eine Nachbarin nach: Wozu soll das Loch im Zaun gut sein? Wart ihr das? Fein säuberlich waren die kleinen Drähte durchgezwickt worden, und zwar in solch einem Ausmaß, dass sich ein Mensch hindurchzwängen könnte. Die Betonung liegt auf könnte. Was wirklich war, weiß niemand. Augenscheinlich fehlt nichts, Augenzeugen gibt es nicht, der Tatzeitpunkt ist unklar. Und ob der sogenannte Gauner-Zinken am Stromkasten vor dem Haus wirklich einer ist oder vielleicht doch nur eine hirnlose Schmiererei pubertierender Halbstarker, das vermag selbst die Polizei nicht zu sagen; aktuell sind keine Fälle bekannt. Die Unsicherheit nagt trotzdem an den vier Bewohnern, nagt auch an den Nachbarn.

Nachricht an Unbekannt

Ist doch aber nichts passiert, könnte man nun sagen, die paar Euro Schaden sind doch nicht der Rede wert! Ein Stück weit kann das Melchior Mayer-Ullmann tatsächlich auch so sehen. Am Tatort hat er deshalb ein großes Schild aufgestellt mit einer Nachricht an Unbekannt. Es ist eine nicht ganz ernst gemeinte Mischung aus Einladung und Drohung, das Smiley nimmt die Schärfe etwas raus. Aber eigentlich ist dem jungen Herbrechtinger nicht nach Lachen zumute. Die Grundsicherheit, die Schutzfunktion, die den eigenen vier Wänden per se innewohnt, ist ihm in diesen Tagen endgültig verloren gegangen.

Das Loch im Zaun ist nicht der erste Vorfall dieser Art. „Vor einiger Zeit wurde mein Fahrrad geklaut. Zwei Wochen vorher waren Bettler bei uns auf dem Grundstück. Ich vermute, dass es da einen Zusammenhang gibt“, sagt Melchior Mayer-Ullmann. Einmal sei hier ein Mann in ein Zimmer im Erdgeschoss eingestiegen und habe etwas geklaut, erzählt dessen Mutter, der Fall konnte nicht aufgeklärt werden. In einem unbewohnten Haus nur ein paar Meter weiter traten Randalierer am hellichten Tag eine Haustüre ein.

Zwielichtige Gestalten

Beim Bauernhof Bosch gegenüber fehlte in letzter Zeit häufig Geld im Kässle beim Eier-Kühlschrank. Die Kunden müssen den Betrag nun abgezählt in den Briefkasten werfen. Den Diebstahl von Eiern, der ebenfalls im Anstieg begriffen ist, verhindert dieses neue Bezahlsystem natürlich nicht. Und dann sind da noch die zwielichtigen Gestalten, die immer wieder in den weitläufigen und von der Straße aus nicht einsehbaren Grundstücken und Hinterhöfen auftauchen. Eine ältere Frau von nebenan achtet nach sorglosen Jahrzehnten nun immer darauf, die Haustüre verschlossen zu halten. „Die Zeiten haben sich geändert“, sagt sie. „Wir werden uns anpassen an diese Zeiten“, sagt Familie Mayer-Ullmann. Das Tor an der Einfahrt zum Hof wurde kürzlich erneuert. Derzeit informiert sich der Junior über die Installation einer Alarmanlage plus Bewegungsmelder für die Beleuchtung: „Es ist jetzt nicht so, dass ich nachts nicht mehr schlafen kann. Aber ich halte eine Alarmanlage für sinnvoll.“

Judith Wolf vom Polizeipräsidium Ulm gibt Melchior Mayer-Ullmann recht. Zwar seien Einbruchsopfer in den allermeisten Fällen Zufallsopfer, und ein Loch im Gartenzaun lasse sich nicht verhindern. „Es macht trotzdem Sinn, sich gegen Einbruch zu schützen. Täter werden dort aktiv, wo sie einfach und schnell ins Haus gelangen.“ Alles, was Lärm macht, schrecke dagegen ab, alles, was lange dauere, auch. Wolf empfiehlt, die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle zu kontaktieren und einen kostenlosen Beratungstermin in den eigenen vier Wänden zu vereinbaren, Tel. 0731.1881444.

Sicherheitsexperten auf dem Münsterplatz

Gekippte Fenster, alte Türrahmen, unbeleuchtete Hinterhöfe: Die Ulmer Polizei informiert beim zwölften Sicherheitstag auf dem Münsterplatz auch über den Schutz vor Einbrechern. Vor Ort sein werden nicht nur Experten von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, sondern beispielsweise auch Hersteller von einbruchsicheren Fenstern oder Alarmanlagen, die wertvolle Tipps geben, wie man sich gegen Einbrüche schützen kann.

Sicherheitstipps gibt es auch für die Bereiche Verkehr, Zivilcourage oder Trickbetrug. Kindern stehen einige Mitmachtstationen zur Verfügung, das Ulmer Kasperletheater gibt zwei Vorstellungen und mit etwas Glück können die Besucher einen Flug mit dem Polizeihubschrauber gewinnen. Die ganztägige Veranstaltung findet am Samstag, 16. September statt.

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