Simulation Windpark: Ballon machte schlapp

Nattheim / Holger Scheerer 24.02.2014
Entlang der Autobahn zwischen Nattheim und Kleinkuchen soll ein zwölf Anlagen umfassender Windkraftpark entstehen. Aus diesem Grund fand auf dem Nattheimer Zitterberg nun eine Windrad-Höhen-Simulation statt. Der Versuch scheiterte - ein Erfolg war die Aktion trotzdem.
Sehr entgegen kam den Akteuren der Bürgerinitiative das sonnige Winterwetter, das etliche Spaziergänger auf den Zitterberg lockte, die dann sogleich Station am Infostand machten. Dort erläuterten die beiden Sprecher der Interessengemeinschaft, Tobias Weber und Armin Kast, ihr Anliegen. Da immer wieder neue Besucher zuströmten, arbeiteten die beiden im Akkord und mussten ihre Vorträge ständig wiederholen, Glühwein und Tee waren  dabei eine unentbehrliche Hilfe.

Die geplante Hauptattraktion der Aktion indes, das Steigenlassen eines mit Helium gefüllten Ballons, scheiterte an den widrigen Windverhältnissen. Der Ballon sollte bis auf eine Höhe von 200 Metern aufgelassen werden, um so die Höhe eines Windrades mit senkrecht ausgestrecktem Flügel zu simulieren. Allerdings machte das rote Fluggerät bereits nach der Hälfte der Strecke schlapp, wurde vom Wind abgetrieben, sodass die Seile rissen. Ärger machte sich unter den Aktivisten der IG breit, denn das Unternehmen Höhensimulation war akkurat geplant, einmal bereits verschoben worden und mit nicht unerblichem finanziellen Aufwand verbunden, der sich nun im Wind auflöste.

Ballon hatte keine Lust

Unter den Besuchern des Infostandes auf dem Zitterberg indes überwog das Gefühl der Dankbarkeit dasjenige des Frustes über die technische Panne. Immer wieder war bei den Dutzenden von Gesprächen, die Weber und Kast an diesem Nachmittag mit Nattheimer Bürgern führten, der Dank herauszuhören, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die sich mit dieser Informationskampagne an die Öffentlichkeit wendet. Man bedankte sich offen und herzlich bei den Machern für dieses Engagement, selbst wenn man nicht zu den Mitgliedern oder Unterstützern der IG zählte. Eigentlich, so war auch immer wieder zu hören, wäre es die Aufgabe der Gemeindeverwaltung gewesen und nicht die einzelner Bürger, diese Informationen der Öffentlichkeit vorzustellen.

Für großes Aufsehen sorgte wie schon bei ihrer ersten Vorstellung im Januar in der Gemeindehalle eine Panoramaaufnahme von Nattheim mit den einmontierten Windrädern. Dass dabei die gesetzlichen Mindestabstände von 850 Metern zur Wohnbebauung mehr als eingehalten worden sind, konnten viele nicht glauben, erschienen ihnen die Anlagen doch durch die Bank als zu nah am Ort. Immer wieder wurden internationale Empfehlungen zum Mindestabstand der Windkraftanlagen diskutiert, so beispielsweise diejenige der Weltgesundheitsorganisation WHO, die einen Mindestabstand von zwei Kilometern fordert, also das Zehnfache der Windanlagenhöhe.

Was die Akteure der IG Windkraft wollen, lässt sich relativ einfach auf den Punkt bringen. „Ja“ sagt man zu den zwölf geplanten Windkraftanlagen entlang der Autobahn zwischen Nattheim und Kleinkuchen. „Nein“ sagt man zu den von der Verwaltungsgemeinschaft Heidenheim-Nattheim zusätzlich geforderten, d.h. über die vom Regionalverband Ostwürttemberg beschlossenen Flächen an der Autobahn hinausgehenden Windkraftanlagen. Dabei handelt es sich um vier Anlagen auf dem Kohleichert und sechs Anlagen im Gebiet Zitterberg/Schnepfenberg.

Dialog: offen, intensiv und sachlich

Die konkrete Forderung der IG: „Wir wollen, dass der momentan auf Eis gelegte Teilflächennutzungsplan schnellstmöglich diskutiert und verabschiedet wird“, so Weber. Mit den offiziellen Stellen, also den Rathäusern von Nattheim und Heidenheim, befinde man sich inzwischen in einem gleichermaßen offenen wie intensiven und sachlichen Dialog.

Aus Sicht der Nattheimer „Windmacher“ ist die möglichst schnelle Behandlung des Problems Teilflächennutzungsplan ein verständlicher Wunsch. Allerdings mahlen die bürokratischen Mühlen im Land bekanntlich langsam. Was allen Beteiligten an der Diskussion noch nicht so richtig zu schmecken scheint, sind die anstehenden Kommunalwahlen im Mai. Anders ausgedrückt: die Volksvertreter, die im Rathaus über den Teilflächennutzungsplan zu befinden haben, könnten möglicherweise nach der Wahl andere sein als zuvor.
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