Energie Windkraft fordert Ausgleich für den Naturschutz

Windkraftanlagen greifen in die Natur und ins Landschaftsbild ein. Zum Ausgleich zahlen Betreiber in einen Fonds ein.
Windkraftanlagen greifen in die Natur und ins Landschaftsbild ein. Zum Ausgleich zahlen Betreiber in einen Fonds ein. © Foto: Markus Brandhuber
Kreis Heidenheim / Jens Eber 18.02.2017
Die Eingriffe in die Natur, die durch Windkraftanlagen entstehen, werden finanziell ausgeglichen: Die Betreiber zahlen in einen Fonds ein.

Dass Windkraftanlagen oder gar ganze Windparks einen Eingriff ins Landschaftsbild darstellen, wird niemand ernsthaft bezweifeln. Daher hat der Gesetzgeber im Bundesnaturschutzgesetz das so genannte Ersatzgeld verankert. Pro Windrad muss der Betreiber mehrere Zehntausend Euro bezahlen, die in den Natur- und Landschaftsschutz fließen. In Baden-Württemberg bemisst sich die Summe laut Windenergieerlass von 2012 nach den Baukosten für Fundament, Turm und Rotorblätter. Im Falle der jüngst im Landkreis errichteten Anlagen kommen so zwischen 50 000 und 60 000 Euro pro Windrad zusammen.

Dieser „Ablasshandel“ stellt nach den Worten von Jens-Olaf Weiher die letzte Stufe des Versuchs dar, die Auswirkungen der Windkraftnutzung auf Landschaft und Natur zu mildern.

Jedem Bau, so der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Heidenheim, gehe eine umfangreiche Bewertung voraus. Zunächst liege der Fokus auf der Vermeidung von Eingriffen in sensible Bereiche. Gelingt dies etwa über die Wahl anderer Standorte nicht, muss der Investor Ausgleich schaffen, idealerweise direkt vor Ort. Zudem muss bei Rodungen im Wald zugunsten von Windrädern mindestens die gleiche Flächen neu aufgeforstet werden.

„Der Eingriff ins Landschaftsbild kann nicht ausgeglichen werden“, stellt Weiher klar. Daher soll über die Zahlung von Ersatzgeldern zumindest in regionaler Nähe ein positiver Effekt für die Natur möglich werden.

Fast 300 000 Euro für den Kreis

In Baden-Württemberg sammelt und verteilt die beim Umweltministerium angesiedelte Stiftung Naturschutzfonds die Ersatzgelder und stellt sie anschließend wieder für betroffene Kommunen und Kreise zur Verfügung.

Im aktuellen Haushalt der Stiftung finden sich für den Landkreis Heidenheim gut 287 000 Euro, der kommende Haushalt 2018 wird knapp 235 000 Euro bereithalten.

Aktuell planen die Fachleute der Naturschutzbehörde mit Ersatzgeldern aus dem Windpark Ohrberg zwischen Dischingen und Fleinheim, wo seit Mitte 2016 fünf Windkraftanlagen in Betrieb sind. Mit einer Teilsumme der 287 000 Euro Ersatzgeld aus diesem Park soll eine Biotopvernetzungskonzeption für Dischingen, Nattheim und Heidenheim erstellt und umgesetzt werden. Das Konzept beinhaltet für die Artenvielfalt relevante Bereiche entlang der Egau beispielsweise ebenso wie zugewachsene Heiden zwischen Dischingen und Nattheim oder Flächen im Bereich Moldenberg und Täsch auf Heidenheimer Gemarkung.

Ein Planungsbüro wurde bereits damit beauftragt, in den kommenden Monaten umsetzungsreife Maßnahmen zu erarbeiten. Das könne beispielsweise bedeuten, Waldflächen wieder für den Durchtrieb von Schafen zu öffnen, erklärt Naturschutzfachkraft Anna Pfahler. Ziel sei dabei, die Artenvielfalt zu stärken, sei es in Form von Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen oder auch als Korridore für Wildtiere. Voraussetzung sei dabei aus Naturschutzsicht eine Aufwertung der überplanten Gebiete.

Viele kleine Projekte

Auf Basis der Konzeption können anschließend Verbände, Gemeinden oder auch Privatwaldbesitzer Mittel für geplante Naturschutzmaßnahmen bei der Stiftung beantragen.

„Wir wollen das Geld nicht in wenige große Projekte stecken“, fügt Weiher hinzu. Man wolle sich vielmehr „dem Klein-Klein stellen“ und mit einer Vielzahl kleiner Maßnahmen eine breite Wirkung erzielen. Die praktische Umsetzung der ersten Konzeption ist bis Mitte 2018 vorgesehen.

Der jüngst in Betrieb genommene Windpark Ebnat-Ochsenberg, der mit vier Windkraftanlagen auch auf Großkuchener Gemarkung liegt, wird für den Förderzeitraum 2018 mit fast 235 000 Euro an Ersatzgeldern zu Buche schlagen. Für die Verwendung dieser Summe wird ein vergleichbares Konzept erstellt, das für Flächen auf den Gemarkungen Heidenheim, Gerstetten, Steinheim und Königsbronn ausgelegt sein wird.

Bis zur Jahresmitte muss der Landkreis das Geld für diese Konzeption bei der Stiftung Naturschutzfonds beantragen, die Umsetzung wird hier voraussichtlich 2019 anstehen.

Auch die südlicheren Bereiche des Landkreises sollen nicht leer ausgehen: Angesichts weiterer geplanter Windräder oder Erweiterungen bestehender Parks sei mit weiterem „warmen Regen“ für den Naturschutz zu rechnen, sagt Weiher.

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