Studie Wie sicher ist Gundremmingen im Notfall?

Das Atomkraftwerk Gundremmingen
Das Atomkraftwerk Gundremmingen © Foto: Arthur Penk
Gundremmingen / Arthur Penk 13.11.2013
Eine von Kernkraftgegnern in Auftrag gegebene Studie deckt angeblich gravierende Sicherheitsmängel im Atomkraftwerk Gundremmingen auf. Der Betreiber sieht darin einen Versuch, die Bevölkerung zu verunsichern.
Professor Wolfgang Renneberg, ehemaliger Leiter der Atomaufsicht im Bundesumweltministerium, hat in seiner Studie Sicherheitsmängel am Atomkraftwerk Gundremmingen aufgezeigt. Demnach könne eine beantragte Leistungserhöhung nicht genehmigt werden. Schon der jetzige Betrieb verstoße gegen kerntechnische Sicherheitsvorschriften.

Seine Studie erstellte Renneberg im Auftrag von Kernkraftgegnern - gegen das am Dienstagabend in Augsburg vorgestellte Papier wehrt sich nun der Betreiber: Dem Sprecher des Atomkraftwerks, Tobias Schmidt, zufolge sei die Vorgehensweise des Professors am Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften in der Universität für Bodenkultur Wien „irritierend“. Dieser greife Themen auf, die ihm auch schon zu seiner Zeit als Leiter der Atomaufsicht im Bundesumweltministerium bekannt gewesen seien. Dem Kraftwerk Gundremmingen gegenüber habe er damals „keine sicherheitstechnischen Bedenken“ gegen eine Leistungserhöhung vorgetragen, so Schmidt.

Mit der vom Verein „FORUM, Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik“ kritisierten Leistungserhöhung soll jeder Block nach Betreiberangaben etwa zwei Prozent mehr Strom liefern. Laut dem Verein stimme das nicht: Dem Sprecher des Forums, Raimund Kamm, zufolge soll die Leistung tatsächlich um 160 Megawatt gesteigert werden, was etwa sieben Prozent entsprechen würde. „Dass es keine sicherheitstechnisch relevanten Auswirkungen auf die Anlage gibt, ist gutachterlich bestätigt“, beteuert Schmidt. Mit der Leistungserhöhung seien keine Änderungen an der Anlagentechnik vorgesehen. Das bedeutet: Reaktorbetriebsdruck und -temperatur sollen unverändert bleiben.
 
Rennebergs Studie zufolge besonders bedenklich sei, dass das AKW nicht über die von den Sicherheitsregeln geforderten ausreichenden Notkühlsysteme verfüge. Kritisch werde die Situation bereits beim Absturz eines Verkehrsflugzeugs, ganz zu schweigen von Erdbeben und Hochwasser. Unverständlich für Tobias Schmidt, da eine Sicherheitsprüfung und ein EU-Stresstest ergeben hätten, dass das Kraftwerk über ein „anerkannt hohes Sicherheitsniveau“ verfüge. „Vor diesem Hintergrund sind wir erstaunt, was bislang über die Ausführungen von Herrn Renneberg zu lesen war“, ergänzt Schmidt. Von der jetzt veröffentlichten Studie wisse der Betreiber lediglich aus Medienberichten, der Professor habe im Vorfeld keinen Kontakt zum Kraftwerk gesucht.

Professor Wolfgang Renneberg kritisiert den Stresstest:



Der Teufel steckt im Detail: Professor Renneberg weist als erfahrener Experte auf viele angebliche Lücken im Sicherheitssystem hin. Lücken, die Laien kaum nachvollziehen können. Seitens des Betreibers hingegen wird immer wieder auf geltende Vorschriften verwiesen, und dass diese erfüllt würden. Dass die beiden Blöcke Sicherheitsreserven aufwiesen, hätten Experten der European Nuclear Safety Regulators Group (ENSREG) im September 2012 bestätigt. Auf deren Einschätzung stützt sich nämlich der Betreiber. Dennoch: Im Kernkraftwerk will man die Studie Rennebergs jetzt erstmal sorgfältig auswerten.

Welche Auswirkungen die Studie auf das Genehmigungsverfahren zur Leistungserhöhung haben wird, hängt nun von den Umweltministerien in Berlin und München ab.
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