Herbrechtingen / Elena Kretschmer Seit Mai bringt eine selbst gebastelte Badenixe Passanten regelmäßig zum Schmunzeln. Die Pappmaché-Figur steht am Ufer gegenüber des Spielplatzes im Herbrechtinger Stadtpark.

Allein das genüssliche Lächeln, mit dem Berta sich auf den Sprung in die kühle Brenz vorbereitet, spricht Bände. Schade nur, dass Berta niemals springen wird. Denn die 1,60 Meter große Dame besteht aus Pappmaché. Ihre Macherin, die Hobby-Künstlerin Anna Anneo-Rabus, erklärt: „Immer, wenn die Bootlesfahrer vorbeigefahren sind, habe ich mir gedacht, da muss jemand stehen, der reinspringt.“ Und so war die Idee geboren.

Vorbild für die Badenixe waren die Nanas der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle – knallbunte Frauenfiguren mit ausladenden Rundungen. „Die kann man auch kaufen, kosten allerdings 400 Euro. Also habe ich beschlossen, es einfach selber zu machen“, so die 54-Jährige.

Ab Freitag sind im kleinen Wechselausstellungssaal Radierungen aus der Sammlung zu sehen – mit Klassikern und Künstlern aus der Region.

Bertas Entstehung

Kurzerhand wurde die Terrasse zum Atelier umfunktioniert. Ein Schirmständer diente als Basis, damit Berta auch einen festen Stand hat. „Da habe ich ein Wasserrohr draufgesetzt und mit drei Meter Kaninchendraht und Kabelbindern das Grundgerüst gebaut“, erläutert die Herbrechtingerin. „Der Rest waren Unmengen an HZ und Kleister.“

Weil sie selbst irgendwann keine Lust mehr hatte, war es ihr Mann Gerhard Rabus, der Berta liebevoll mit Acrylfarben und Klarlack bemalte. Besonders stolz ist er auf die Schmetterlings-Badekappe. „Es ist wirklich toll zu sehen, wie so etwas wächst. Insgesamt haben wir gut zwei Wochen an ihr gebaut. Zirka 40 Stunden“, so die Künstlerin. Am 18. Mai wurde Berta feierlich mit Sekt eingeweiht. Seither steht sie an ihrem jetzigen Standort vor dem neuen Sechsfamilienhaus gegenüber dem Spielplatz im Herbrechtinger Stadtpark.

Bildergalerie Bertas Entstehungsgeschichte

Positive Reaktionen

„Die Reaktionen der Leute sind super. Die einen bleiben stehen und winken, die anderen zücken heimlich ihr Handy und fotografieren sie ganz unauffällig. Und manche Bootsfahrer fallen fast aus ihrem Boot.“ Das Feedback sei durchweg positiv. „Doch, die ist mir gelungen“, sagt Anneo-Rabus stolz. Sie ist eigentlich Industriekauffrau und hat das künstlerische Schaffen für sich entdeckt, als sie aufgehört hat zu rauchen. „Heute kann ich nicht mehr ohne. Ich komme heim, erledige den Haushalt und werkle.“

Aber warum eigentlich Berta? Ganz genau weiß die Künstlerin das selbst nicht. Jedenfalls waren in der engeren Auswahl noch Klara und Käthe. „Aber ich kenne eine Käthe und dachte mir dann, vielleicht sollte ich jemanden nehmen, den ich nicht kenne. Also Berta.“ Schließlich wurde der Name mit einem Filzstift auf einem Holzbrett verewigt.

Und wenn es kalt wird – Berta ist nämlich nicht winterfest – werden an ihrer Stelle Rentiere mit Lichterketten stehen.

Welchen Eindruck macht der Brenz-Abschnitt, der der Natur ein Stück weit zurück gegeben wurde, auf einen Ortsfremden?