Sturm VI Wetten, dass . . . das eine Riesengaudi war?

Dischingen / KLAUS DAMMANN 28.02.2014
Die Zeiten von alkoholschwerem Kampftrinken, von geritzten Zwiebel- und Knoblauchkronen als Pein für den Schultes sind vorbei. Der Faschingsverein (FVD) setzt bei seinem traditionellen Rathaussturm mittlerweile ganz auf originellen Spaß und Witz. Am Freitag hieß das Motto "Wetten, dass . . .? - und geboten wurde eine Riesengaudi.

Eine große Menge vielfach auch närrisch gewandeter Zuschauer hatte am Freitag vor dem Rathaus viel zu lachen und erlebte ein buntes Spektakel der Extraklasse, das sich hinter der Top-Show des Vorjahrs nicht zu verstecken brauchte. Angelehnt an das Showblock-Thema des FVD „Härtsfelder Filmstudio“ produzierten die aktiven Narren des Vereins auf rotem Teppich und rotem Sofa ihre Version der beliebten TV-Unterhaltungssendung um gewonnene und verlorene Wetten. Es gelang sogar, Top-Moderator Thomas Gottschalk erneut als Gastgeber zu mobilisieren.

Grunzte Johannes Ganzenmüller im Vorjahr noch als durchs Programm führender Horst Schlämmer, so faszinierte er heuer im Schottenrock (mit was drunter), mit blonder Mähne, verlängerter Nase und flottem Mundwerk als Verkörperung des Gummibärenkenners. Von properen Assistentinnen zweifelhaften Geschlechts ließ er – nach einleitendem Auftritt des Fanfarenzugs und der in den Elferrat verwandelten Eisbühlgoischdr – den Schornsteinfeger und Rathaus-Chef Alfons Jakl zu sich aufs Sitzmöbel geleiten. Johannes alias Thomas stellte eines auch gleich in seiner Begrüßung des Schultes klar: „Er verschleißt mehr Hauptamtsleiterinnen als Lothar Matthäus Frauen!“

Fußball-Trainer Jürgen Flopp nahm neben dem Bürgermeister Platz

Und mit viel Prominenz ging es zur Original-TV-Musik Schlag auf Schlag im knackigen und kurzweiligen 45-Minuten-Programm. Fußball-Trainer Jürgen Flopp nahm neben dem Bürgermeister Platz. Er wettete, dass das kleine Prinzenpaar Denise I. und Hendrik I. es schafft, binnen 19 Sekunden 18 Schaumküsse zu verdrücken. Da die jungen Kandidaten es mit dem Verdrücken allzu wörtlich nahmen, blieb Flopp die von ihm als Wetteinsatz angebotene Trainingsstunde im Bayern-Dress erspart.

Zu „Wetten, dass“ gehört selbstverständlich auch der Auftritt eines musikalischen Superstars. Hier hatte der FVD weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Lieblingssängerin des großen Prinzen Stefan in die närrische Härtsfeldmetropole zu holen: Schlagerstar Helene Fischer gab ihren Hit „Atemlos durch die Nacht“ zum Besten. Tanzmariechen Tatjana Popp, familienbedingt sangesgeübt, schmetterte den Song live mit blonder Perücke und im selbstgeschneiderten starwürdigen roten Hosenanzug. Das sachkundige Publikum honorierte Ersatz-Helenes professionelle Darbietung mit viel Applaus.

Die beiden „besten Bürokraten“ gegen das Prinzenpaar

Dann aber wurde es ernst für den Bürgermeister – immerhin ging es in der folgenden Wette um die Herrschaft im Rathaus. Moderator Gottschalk erläuterte die „Marktplatzwette“: Die beiden „besten Bürokraten“ der Verwaltung mussten im Duell mit dem großen Prinzenpaar Aktenordner alphabetisch geordnet in ein Regal stellen. Falls die Narren gewinnen sollten, wurde vom radeltrainierten Schultes gefordert, kräftig in die Pedale zu treten – gegen alle widrigen Umstände. Thomas-Johannes: „Top – die Wette gilt.“

Die Ausgangssituation war nicht ganz gleichwertig bei den Kontrahenten, denn bei den Verwaltungsexperten Evi Saur und Friedrich Kilacsko gab es eigenartigerweise immer wieder ein Durcheinander der zuvor geordneten Ordner. Der Sieg des Prinzenpaars war damit nur noch eine Formsache und für Alfons Jakl hieß es: ab auf den Fahrradsattel.

Regenschutz angezogen und Fahrradhelm auf den Kopf gesetzt gab sich der Schultes alle Mühe, dem aufgebockten und nicht ganz durchgestylten Drahtesel Tempo abzuringen. Unermüdlich kämpfte er sich bergauf und bergab voran, dem von einer Windmaschine ins Gesicht geblasenen Konfettiregen trotzend. Narro-Heil-Rufe, Jubel und Beifall belohnten Jakl für seinen schnellen Antritt, doch die Regentschaft in Dischingen war verloren.

Das letzte Wort ließ der entmachtete Bürgermeister sich aber nicht nehmen. So ging er mit dem Elferrat schwer ins Gericht, der mangelnden Einsatz beim Besuch von Umzügen gezeigt habe. Und dem bekennenden VfB-Fan Prinz Stefan zollte er Mitleid: „Was siegen heißt, weiß der VfB längst nicht mehr, die Abstiegsangst wiegt deshalb schwer. Wenn man den Schlendrian nicht erstickt im Keim, spielen die im nächsten Jahr in Heidenheim.“

Damit räumte Jakl die Rathausstuben und der FVD lud zu Umtrunk und Imbiss ein. Die Zuschauer dankten mit großem Beifall fürs närrische Spektakel auf dem Marktplatz. Ein Wiedersehen ist schon für den morgigen Sonntag zu erwarten, denn dann zieht um 13.33 Uhr beim Faschingsumzug ein bunter Gaudiwurm durch Dischingens Straßen.

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