Landkreis Bus, Rad oder Auto: Wer kommt am schnellsten durch Heidenheim?

Landkreis / Klaus Dammann, Sandra Gallbronner, Patrick Vetter 25.07.2018
Drei Redaktionsmitglieder testeten im Selbstversuch auf drei Strecken das verkehrsmäßige Durchkommen mit Pkw, Bus und Fahrrad.

Die Grundlagen sind klar: drei Fahrzeuge, drei Strecken, drei Tester. An einem gemeinsamen Startpunkt – fairerweise eine Bushaltestelle, in diesem Fall Heidenheims Zentraler Omnibusbahnhof ZOB – soll es jeweils zur Abfahrtszeit der entsprechenden Linie losgehen.

Drei verschieden lange Strecken sind vorgegeben

Vorgegeben sind für die den Selbstversuch wagenden Redaktionsmitglieder neben den Transportmitteln Pkw (Klaus Dammann), Linienbus (Sandra Gallbronner) und Fahrrad (Patrick Vetter) auch die ungefähren Luftlinie-Entfernungen mit einer Kurzstrecke von etwa zwei Kilometer, einer mittleren Strecke von etwa fünf Kilometer und einer Langstrecke von etwa zehn Kilometer. Wie bei „Top Gear“ soll es bei den Tests nicht zugehen, aber Ehrgeiz ist gefragt: Wer ist wo und womit der Schnellste durch Stadt und Landkreis Heidenheim?

Erste Strecke

Dienstagnachmittag, ZOB 16.12 Uhr, Kurzstreckentest. Der Bus macht sich bei zweiminütiger Verspätung mit seinem redaktionellen Fahrgast auf die Tour durch die Stadt zum 2,6 Kilometer entfernten Ziel Waldfreibad. Und auch die beiden anderen Testfahrer geben Gas.

Auf zwei Rädern gelingt der Start am schnellsten. Über den Fahrradweg geht es Richtung Schnaitheimer Straße. An der Einmündung in die Wilhelmstraße überholt ein Auto mit einer halben Armlänge Abstand in der Kurve. Rücksicht auf Radler? Fehlanzeige. Also geht es auf kleineren Straßen Richtung Freibad. Das hat einen großen Vorteil: Ohne Ampeln kommt man in gleichmäßigem Tempo vorwärts. Da sich auch die Steigungen in Grenzen halten, klickt das Fahrradschloss nach acht Minuten vor dem Waldbad: Erster.

Nur zwei Minuten später, 16.22 Uhr, trifft auch der Auto-Tester ein. Insgesamt lief der Verkehr flüssig über Marien-, Olga- und Wilhelmstraße. Auch der etwas dichtere Verkehr in der Weststadt stellte kein Problem dar. Auf dem letzten Abschnitt in der Jahnstraße reduzierte sich die erlaubte Geschwindigkeit von 50 auf 30 Kilometer. Auf der Kurzstrecke keine Chance gegen das Rad.

Der Bus steckt im Berufsverkehr

Am ZOB ist es noch leer im Bus (Linie 30 Richtung Steinheim). Doch der Zustand der Ruhe währt nicht lange. Schon eine Haltestelle weiter, am ZOH, füllt sich der Fahrgastraum mit Schülern. Gerade als der Bus wieder anrollt, springt noch ein Jugendlicher herbei. Weiter geht's. Berufsverkehr, rote Ampeln, sechs Haltestellen – schnell geht anders. Um 16.23 Uhr – zwei Minuten später als erwartet – kommt der Bus am Jahnhaus an. Freibad? Fehlanzeige. Gut sechs Minuten Fußweg müssen noch absolviert werden bis man am Waldfreibad steht – als Letzter.

Zweite Strecke

Neuer Tag, neues Glück. Rund 5,5 Kilometer sind es Luftlinie vom ZOB zum Mittelstreckenziel Rathaus Bolheim. Mittwochmorgen, 10.03 Uhr, beginnt die Busfahrt, nur eine Minute hinter dem Fahrplan. Hier sollte der Pkw doch klare Vorteile gegenüber seinen Mitbewerbern haben. Durch die Stadt nach Süden und mit einem Stück grüne Welle in Mergelstetten kann sich der Autofahrer bei 50, dann 70 und schließlich wieder 50 Stundenkilometer locker absetzen. Zwölf Minuten reichen zum Ziel.

Auf der Mittelstrecke reicht es dem Fahrrad auf Platz zwei

Der Weg nach Bolheim ist mit dem Fahrrad unbeschwerlich. Bei Rückenwind geht es durch die erste Abkürzung, die Grabenstraße. Mit leichtem Vorsprung kann der Radler Richtung Hartmann auf breiten Radwegen neben oder auf der Straße bis Mergelstetten und ohne Steigung weiter nach Bolheim gelangen. Doch der Vorsprung war unterwegs nicht zu halten. Am Rathaus sind auf der Stoppuhr 17 Minuten Fahrzeit abzulesen. Und dennoch eine Überraschung: zweiter Platz fürs Rad, noch vor dem Bus.

Wer nicht regelmäßig Bus fährt, muss sich erst einmal im Dschungel der Linien zurechtfinden. Buslinie 60 fährt über Bolheim, heißt es im Fahrplan. Doch auf dem Fahrzeug selbst steht natürlich nur die Endhaltestelle: „Herbrechtingen, Stangenh.“. Verunsicherung – fährt die Linie nun wirklich über Bolheim? Doch der Fahrer bestätigt auf Nachfrage, dass es sich um den richtigen Bus handelt. Zwölf Haltestellen später fährt er „Rathaus Bolheim“ an. Ein Blick auf die Uhr verrät: Es ist 10.22 Uhr – eine Minute Verspätung, das ist verkraftbar. Wieder zuletzt anzukommen, ist es hingegen weniger.

Dritte Strecke

Derselbe Tag, mittags 13.15 Uhr am ZOB, Schülerverkehr für die Buslinie nach Fleinheim. Das dortige Gasthaus Ochsen – Luftlinie 10,9 Kilometer entfernt – ist Etappenende für den Langstreckentest. Ein deutlicher Vorsprung für das Auto wird erwartet, doch den schnellsten Start hat der pünktlich Richtung Norden abfahrende Bus.

Als Pkw-Fahrer muss man zuerst einen kleinen Schlenker um den ZOB machen, ehe es Richtung Seewiesenbrücke geht. An der Haltestelle beim Festplatz dann wird der Bus passiert. Auf der B 466 führt die bequeme und ruhige Überlandfahrt Richtung Dischingen. 13.26 Uhr ist das Nattheimer Rathaus erreicht, sechs Minuten später Fleinheims „Ochsen“. Die Erwartungen sind erfüllt.

Über Land kann der Bus Gas geben

Buslinie 7694 (Endstation Trugenhofen) fährt nach Fleinheim. Genug Zeit, um abzuschalten. Das denken wohl einige Schüler. Doch an Schlafen ist nicht zu denken. Ehe man sich versieht, sind die 19 Minuten Fahrtzeit schon vorbei, denn auf der Landstraße kann der Busfahrer ordentlich Gas geben. Zudem werden nicht alle acht Zwischenhaltestellen angefahren. Und schnell merkt man: Auch Busfahren erfordert Aufmerksamkeit. So wäre der Bus beinahe durch Fleinheim durchgefahren. Wieso? Niemand hatte vor, an der dortigen Haltestelle aus- oder einzusteigen. Gerade noch rechtzeitig drückt die Testerin die Stopptaste und der Bus hält um 13.34 Uhr am „Ochsen“ – nur zwei Minuten nach dem Auto.

Auf langen Strecken verliert das Rad

Was Richtung Bolheim Rückenwind war, pustet dem Fahrradfahrer Richtung Fleinheim ins Gesicht. Mühsam geht es am Brenzpark entlang, aus Heidenheim raus und auf den Radweg nach Nattheim. Ab der Abzweigung nach Schnaitheim geht es bis kurz vor Fleinheim stetig bergauf – zumindest laut der Oberschenkel. Wenigstens die letzten Meter ins Dorf kann man sich verschwitzt und ermattet bergab rollen lassen. Am „Ochsen“ in Fleinheim bleibt die Stoppuhr bei 35 Minuten stehen.

Das Fazit

Der Selbstversuch ist abgeschlossen. Auch wenn keine Allgemeingültigkeit aus dem Test abzuleiten ist, bleiben doch ein paar Erkenntnisse. Und die hängen mit der jeweiligen Streckenlänge zusammen.

Generell bleibt festzuhalten, dass das Auto nicht unbedingt das schnellste Fahrzeug ist. Vor allem im Stadtverkehr auf kürzeren Strecken bietet das Fahrrad deutlich Paroli und die Chance, flotter sein Ziel zu erreichen. Der Bus ist bequem, hat hier zeitmäßig aber aufgrund der Haltestellen Nachteile. Und ein Fußweg von der Haltestelle zum eigentlichen Ziel kann sich anschließen.

Auf lange Strecken sind Bus und Auto fast gleichschnell

Auch über mittlere Strecken bleibt das Bild im Wesentlichen so bestehen. Mit dem Pkw erreicht man das Ziel nur wenig vor dem Radfahrer – keine oder nur geringe Steigungen vorausgesetzt. Und der Bus hält seinen Abstand.

Anders dann bei einer echten Überlandstrecke. Hier gelangt der Busfahrgast fast genauso schnell an seine Zielstation wie der Autofahrer. Mit dem Rad dagegen sind mehr Zeit und Ausdauer vonnöten.

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