Bissingen Bissinger Leonhardskapelle wegen Baufälligkeit gesperrt

Bissingen / Klaus-Dieter Kirschner 05.06.2018
Wasser hat an dem Kirchengebäude großen Schaden angerichtet. Dekan Sven van Meegen befürchtet hohe Sanierungskosten. Ein Benefiz-Fußballturnier am Samstag soll einen kleinen finanziellen Beitrag bringen.

Eine Goldene Hochzeit war vorläufig der letzte Gottesdienst in der Bissinger Leonhardskapelle. Diese ist bis auf weiteres wegen großer Baumängel gesperrt. Unbemerkt hatte Oberflächenwasser das Mauerwerk zersetzt. Nun waren erste kleine Teile der Stuckdecke ins Kirchenschiff gestürzt. Zudem sackt die Empore ab, der Dachstuhl über dem Kirchenschiff muss dringend erneuert werden.

Für die 300 Katholiken, die in Bissingen wohnen, hätte es kaum schlimmer kommen können. Die Baukasse der Gemeinde ist leer. Gerade hat man die aufwendige Dachsanierung an der Heilig-Kreuz-Kirche und dem Gemeindezentrum vollendet. Und nun macht die ursprüngliche Pfarrkirche, die Leonhardskapelle, an der Landesstraße zwischen Bissingen und Stetten ob Lontal gelegen, Riesenkummer.

Sachverständige schon vor Ort

Der Putz rieselt von der Decke, es zeigen sich massive Risse und flächige Flecken. „Experten haben sich das schon angeschaut“, sagt der Gemeindepfarrer und Dekan Sven van Meegen. Die Empore, auf der ein Harmonium steht, mit dem der Gemeindegesang begleitet wurde, darf nicht mehr betreten werden. Die Statik ist so marode, dass sich der Boden leicht wölbt und der Unterputz nicht mehr lange an seinem Platz bleiben wird. Während die Kirchbauexperten noch die Rechenstifte spitzen, gibt sich van Meegen keinen Illusionen hin: „Das wird teuer. Das kostet wohl einen hohen sechsstelligen Betrag“.

Und zu allem Übel kommt noch dazu, dass der bestuhlte Vorraum des Kirchleins durch eindringendes Wasser massiv beschädigt, vom Schimmel befallen ist. Außerdem müssen die Bilder abgenommen und aufgearbeitet werden, die unter der latenten Nässe leiden. Auch die angebaute Wohnung ist nach dem Auszug der letzten Mieter im Jahre 2005 in keinem guten Zustand mehr.

Nächste Sanierung nach der Heilig-Kreuz-Kirche

Dieses Kirchlein mit Wohnhaus ist eine typische Eremitage. Derartige Einsiedeleien sind in der Diözese Rottenburg-Stuttgart äußerst selten. „Es sind keine drei“, schätzt van Meegen und weiß, dass in so einem Falle die Kirchenleitung „den Löwenanteil der Baukosten übernimmt“. Allerdings müssen die Katholiken ihrerseits kräftig spenden, sicher auch Eigenleistungen erbringen. Im Falle Bissingen seien das wirklich große Opfer, nachdem wegen der Heilig-Kreuz-Kirche finanziell schon geblutet werden musste.

Dekan van Meegen baut hier auf die Solidarität der verschiedenen Kirchengemeinden in der Seelsorge-Einheit. Und in Bissingen wird es nun auch das geben, was in den letzten Jahren in Oberstotzingen ein probates Mittel zur Geldsammlung war: Benefiz-Fußball vom Feinsten. Auf dem Sportplatz Bissingen, den der fußballspielende Kirchenmann in Lonetalstadion umtaufte, wird es am kommenden Samstag hoch hergehen.

Ursprünge im 15. Jahrhundert

Bereits um 1400 dürfte schon eine Vorgängerkirche an dieser Straße gestanden haben. 1588 wird dann erstmals in einer Urkunde Sanct Lienhards Oesch als Kirchenpatron genannt. Lienhard steht für Leonhard und Oesch war die Gebietsbezeichnung. Um 1700 wurde diese Kapelle samt Wohnraum durch einen Neubau ersetzt und um 1790 ein Wohngebäude angefügt. 1827 steht eine Innen- und 1828 eine große Außen-Renovierung in der Chronik. 1850 schenkte Luise von Speth, geborene von Tänzel, das malerische Gotteshaus der Kapellenstiftung. Der Bargauer Maler Anfinger errichtete 1863 den heute noch genutzten Hochaltar im byzantinischen Stil. 1954 wurde eine Innenrenovation vorgenommen, 1972 wurden Dach und Turm erneuert. 2006 wurde noch einmal eine Außenrenovation vorgenommen und große Anstrengungen beim Trockenlegen der Fundamente unternommen.

Marlene und Günther Frischling kümmern sich seit vielen Jahren um die Kapelle, in der sei einst geheiratet haben und die von vielen Jakobspilgern oder anderen Pilgern gerne besucht wurde. Die Familie Frischling feierte dort noch Goldene Hochzeit. Es wird für lange Zeit die letzte Messe in der Leonhardskapelle gewesen sein.

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