Kreis Heidenheim Hilfe für die Brenz: Wasserkraut und Totholz für die Fische

Wie wichtig die Renaturierung von Flüssen ist, wurde bei der Fahrradtour entlang der Brenz klar. Hier ist der bereits umgestalteten Bereich zwischen Bolheim und Anhausen zu sehen.
Wie wichtig die Renaturierung von Flüssen ist, wurde bei der Fahrradtour entlang der Brenz klar. Hier ist der bereits umgestalteten Bereich zwischen Bolheim und Anhausen zu sehen. © Foto: Geyer-Luftbild
Kreis Heidenheim / Von Manuela Wolf 27.06.2018
Melchior Rettenmeier vom Regierungspräsidium Stuttgart erklärte bei einer Radtour von Heidenheim nach Eselsburg, warum die Brenz Hilfe braucht.

Lassen statt machen, das ist das oberste Gebot beim Naturschutz. Für die Brenz gilt dieser Grundsatz nicht. Flussmeister Melchior Rettennmeier ist sich sicher: Man könnte den Fluss für 150 Jahre sich selbst überlassen und würde trotzdem nur kleine Veränderungen bemerken. „Durch den massiven Ausbau in den 50iger und 60iger Jahren hat man der Brenz die Chance genommen, an sich selbst zu arbeiten. Durch die Renaturierung wurde ihr diese Chance nun zurückgegeben“, sagt Melchior Rettenmeier.

An welchen Stellen Mäander angelegt, wo Kies aufgeschüttet, Tiefstellen geschaffen und Wehre abgebaut worden sind in den letzten Jahren, zeigte der Flussmeister des Landesbetriebs Gewässer bei einer Radtour von Heidenheim nach Eselsburg. Erste Station war das Brenzufer am Rewe-Markt. Das Plouquet-Wehr wurde vor zehn Jahren fast komplett zurückgebaut. Seitdem plätschert das Wasser trotz hoher Mauern rechts und links ganz idyllisch vor sich hin. Dort eine kleine Stromschnelle, hier ein kleiner Damm aus Steinen, die Gewässerstruktur wurde verändert, die Durchgängigkeit für Fische wiederhergestellt.

Mehr stehend als fließend

Ebendiese Durchgängigkeit sei langfristig das Ziel für die gesamte Brenz, erklärte Rettenmeier: „Wir haben auf 52 Kilometern Länge gerade mal 78 Meter Gefälle, 49 davon sind der Wasserkraftgewinnung geschuldet. Die Brenz ist dadurch mehr ein stehendes denn ein fließendes Gewässer. Aus ökologischer Sicht ist das nicht so gut.“

Über Umgehungsrinnen soll ein Teil des Wassers um die Wehre herumgeleitet werden, diese könnten gleichzeitig als Fischtreppe genutzt werden. Den Betreibern der kleinen Wasserkraftanlagen wolle man nichts Unmenschliches abverlangen. Finanzielle Unterstützung bei der Modernisierung oder dem Rückbau von Wehren seitens der Kommunen sei nicht unüblich. Die Ausgaben könnten als Ausgleichsmaßnahmen für künftige Bebauungen einem Ökokonto geschrieben werden, „das lohnt sich für Städte und Gemeinden eigentlich immer.“

Um den Fluss wieder mit der Landschaft zu verzahnen, sollen noch ufernahe Grundstücke erworben werden. Die Preise, die das Land anbietet, scheinen den Grundbesitzern aber nicht ausreichend zu sein. Die Folgen werden beim Wassertretbecken hinter Anhausen deutlich. Nur ein kleines Stück vor und hinter der Brücke konnte renaturiert werden.

Kleine Maßnahme, große Wirkung: Die Fischerei meldet wachsende Bestände. Offenbar fühlen sich die Fische hier wohl. Übrigens wurden auch Kiesbänke angelegt, man hofft auf die Ansiedlung von Eisvögeln in einigen Jahren. „Sowas dauert gut und gerne fünf Jahre und mehr“, sagt der Experte vom Regierungspräsidium Stuttgart.

2011 war der Abschnitt Bindsteinmühle an der Reihe, mit 1,5 Millionen Euro einer der aufwendigsten und damit teuersten entlang der Brenz. Alte Fluss-Schlingen wurden wieder angeschlossen, Buhnen aus Kies oder Steinen angelegt, es gibt Flachwasserbereiche und Stellen, an denen Totholz im Flussbett liegt. Richtig wild ist es hier im Vergleich zu den begradigten Abschnitten entlang der Straße zwischen Schnaitheim und Königsbronn, fast so, als wäre der Fluss hier seit eh und je ungestört. Gewollte Unordnung auch hier. Steine, Totholz, Wasserkraut, an solchen Stellen fühlen sich verschiedenste Wasserbewohner wohl, finden dort Schutz und Nahrung.

Seit 2010 wurden beinahe neun Millionen Euro für die Brenz-Renaturierung ausgegeben. Lohnt sich das? Rettenmeier: „Bei einer bundesweiten Erhebung wurde auch die Gewässerstruktur der Brenz mit Noten von eins bis sieben bewertet. Sie lag weit hinten, keine Note war besser als fünf. In einigen Jahren eine drei oder vielleicht sogar eine zwei zu erreichen, ist aber jetzt wieder möglich geworden.“

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