Erpfenhausen Waschechter Schwabe: Memoiren des Herrn Hämmerle

Bernd Kohlhepp alias Herr Hämmerle plaudert aus dem Nähkästchen und liest aus seinem Tagebuch.
Bernd Kohlhepp alias Herr Hämmerle plaudert aus dem Nähkästchen und liest aus seinem Tagebuch. © Foto: Christian Thumm
Erpfenhausen / Joelle Reimer 17.08.2018
Bernd Kohlhepp machte mit seinen ganz privaten Erzählungen aus dem Leben des Herrn Hämmerle den Auftakt zum Kultursommer in Erfpenhausen.

Der erste Kuss, Streitereien, der schönste Urlaub oder das erste eigene Auto: Wenn Tagebücher erzählen könnten, würde sich sicher manch einer gut überlegen, welche Erinnerungen tatsächlich zu Papier gebracht werden sollten. Nicht so Bernd Kohlhepp alias Herr Hämmerle. Der nämlich nimmt sein goldenes Tagebuch sogar mit auf die Bühne, liest ganz ungeniert daraus vor und schwelgt gemeinsam mit dem Publikum in seinen eigenen Erinnerungen – und ganz ehrlich: Allein damit hätte er die Besucher des ersten Abends am Erpfenhausener Kultursommer locker nochmal zwei Stunden länger unterhalten können. Zwar wartet Herr Hämmerle mit einem ganz eigenen Humor auf, doch genau diese schräg-schrullige Art war es, die die Gäste erwartet hatten und von der sie sich begeistern ließen.

Die Hämmerleschen Geheimnisse, wie er sein Programm „Hämmerle privat“ zu nennen pflegte, waren ein buntes Potpourri, zusammengestellt aus Kindheitserinnerungen, Details aus seinem Liebesleben und leicht verqueren schwäbischen Eigenheiten. Wobei nicht allein sein Tagebuch zur Unterhaltung der rund 180 Besucher beitrug, sondern in erster Linie das Publikum selbst – beziehungsweise die Gäste in der ersten Reihe, die Hämmerle in gewohnter Manier auf die Schippe nahm und ins Programm mit einbezog. Es zeigte sich mal wieder: Über andere lacht es sich leicht – über sich selbst zu lachen, ist aber auch nicht so schwierig.

Viele Geheimnisse des Herrn Hämmerle wurden dank des goldenen Buches im Laufe des Abends gelöst. So klärte er auf, wie er Frau Hämmerle kennen gelernt hat – sie stand an der Bushaltestelle und hatte ihre Brille vergessen, weshalb sie mit ihm nach Hause gegangen ist –, erzählte von früheren Weihnachtsfesten mit seinem Vater „Jack the Feinripper“ und der Märklin-Eisenbahn, die er und sein Bruder fünf Jahre lang geschenkt immer wieder geschenkt bekamen und die ihnen jedes Mal wieder genommen wurde mit den Worten: „Jetzt habt ihr sie gesehen, ihr seid aber noch zu jung“. Er sinnierte über Plätzle und Gutzle und steinharte Springerle („die Fallschirm-Springerle, die nicht mal kaputt gingen, wenn man sie auf den Boden warf“) und erzählte von den Problemen, die Männer mit Umkleidekabinen haben.

Der Abend entpuppte sich als Mischung aus Kabarett, satirischen Anspielungen und Musik – und bei alledem wurde niemals das Publikum vergessen, im Gegenteil: Einer jungen Zuschauerin namens Tabea widmete Herr Hämmerle sogar einen eigenen Song. Überhaupt schien es, als packe er bei seinen Lieder nochmal eine Schippe Leidenschaft obendrauf – da stimmte der Groove, da spielte er mit seiner Mimik und da zauberte er auch das ein oder andere Tänzchen auf die Bühne.

Im Vergleich dazu fielen andere Programmpunkte jedoch ganz schön flach aus. Die Postkarten, auf denen die Gäste in der Pause Fragen schreiben sollten, die er dann später auf der Bühne beantwortete, waren allenfalls unterhaltsam – mehr aber auch nicht. Und auch manch schwäbische Vorurteile klangen dann doch schon etwas angestaubt.

Manchmal ist weniger eben mehr, und das gilt auch für Hämmerles privates Bühnenprogramm: Allein sein Tagebuch, umrahmt von dem ein oder anderen schwäbischen Lied, hätte für einen vergnügten Abend voll und ganz ausgereicht.

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