Dischingen Was sind die Ursachen für den Wasserverlust in der oberen Egau?

Hier hatte die Egau sogar genug Wasser zum Paddeln. Der Pegelstand hängt von der Niederschlagsmenge ab.
Hier hatte die Egau sogar genug Wasser zum Paddeln. Der Pegelstand hängt von der Niederschlagsmenge ab. © Foto: Archiv
Dischingen / hz 30.06.2018
Bei einem Vortrag während der Verbandsversammlung in Dischingen stand dieses Thema im Mittelpunkt.

In den vergangenen Jahren war die Egau im oberen Bereich bis herunter zum Härtsfeldsee oft über Monate hinweg trocken gefallen. Hierüber hatte es in der Bevölkerung und insbesondere auch im Fischerei-Verein viele Spekulationen und Mutmaßungen zu Grundwasserentnahmen als mögliche Ursachen gegeben. Bei einer Versammlung des Wasserverbands Egau im Dischinger Sportheim referierte jetzt Oliver Huber, Geschäftsbereichsleiters Wasserwirtschaft beim Landratsamt Ostalbkreis, über die Situation.

Huber gab zunächst einen Überblick über die Untergrundverhältnisse und die Hydrogeologie im Raum Neresheim. Durch den Karstuntergrund ergäben sich einige Besonderheiten. Der Karst werde eingeteilt in einen seichten und einen tiefen Karst. Die Basis des Grundwasserleiters liegt im seichten Karst über den Quellaustritten. Der Raum Neresheim sei jedoch dem tiefen Karst zuzurechnen. Die Basis des Grundwasserleiters liege hier tiefer als die Austrittstellen wie etwa die Egauquelle. Insgesamt müsse man sich zusätzlich vorstellen, dass auch im Karst keine einheitlichen Untergründe vorhanden sind und deshalb auch unterschiedliche Strömungsrichtungen und Strömungsgeschwindigkeiten auftreten.

Anhand verschiedener Karten zeigte Huber die durch Fließrichtungsmessungen festgestellten Strömungen im Bereich des Härtsfelds. Die Hauptströmung laufe von Nordwest nach Südost auf die Buchbrunnenquelle bei Dischingen zu.

LW-Entnahme ohne Einfluss

In Bezug auf Grundwasserentnahmen stellte Huber dar, dass die Landeswasserversorgung (LW) aus der Buchbrunnenquelle bei Ballmertshofen nur eine bestimmte Menge an Wasser entnehmen dürfe. Dadurch sei gesichert, dass der Egau stets eine bestimmte Menge an Wasser verbleibt. So betrage die Entnahmemenge bei mehr als 2000 Liter pro Sekunde am Pegel Ballmertshofen maximal 800 Liter pro Sekunde. Bei geringerem Abfluss reduziere sich die Wasserentnahme. Die Entnahme der LW habe daher oberhalb der Buchbrunnenquelle keinen Einfluss auf die Wasserführung der Egau.

Vermutet worden war oft, dass durch verschiedene Grundwasserentnahmen im Bereich Neresheim der Grundwasserspiegel abgesenkt wird und dadurch die Egau trocken fällt. Die Hauptentnahme entfalle auf die beiden Tiefbrunnen Pfaffentäle der Härtsfeld-Albuch-Wasserversorgung (HAW). Die beiden Brunnen haben eine Tiefe von 86 bzw.104 Metern und erschließen zwei Grundwasserstockwerke, die unterschiedliche Fließrichtungen haben. Die Entnahmen würden der regionalen Wasserversorgung, also insbesondere der Stadt Neresheim und ihrer Ortsteile dienen. Laut Huber hat die HAW ein Entnahmerecht von einer Million Kubikmeter im Jahr, tatsächlich entnommen wurden im Mittel der letzten sieben Jahre aber nur 605000. Aufgrund der Entnahmetiefe und der Entfernung zur Egauquelle könne man nicht von Auswirkungen auf die Wasserführung der Egau durch diese Entnahmen ausgehen.

Kloster entnimmt wenig Wasser

Weiterhin hat das Kloster Neresheim einen Brunnen im Egautal und mehrere Brunnen im oder um das Kloster herum, wobei die Entnahmen hier in den vergangenen Jahren sehr gering waren und in Summe nie mehr als 5000 Kubikmeter im Jahr betrugen. Zudem sei hierbei zu beachten, dass mit Ausnahme des Brunnens im Egautal alle weiteren Brunnen nicht im Zustrombereich der Egau liegen. Auch hier seien aufgrund der sehr geringen Wassermengen keine Auswirkungen anzunehmen.

Huber zeigte dann an Schaubildern die Grundwasserstände an verschiedenen Quellen und Messstellen in Neresheim auf. Anhand einer Darstellung der mittleren und gemessenen Monatsniederschläge sowie der Grundwasserstände mehrerer Messstellen in Neresheim ließen sich die „trockenen“ Phasen, in denen die Egauquelle versiegte, ablesen. Daraus sei zu erkennen, dass niedrige Grundwasserstände bzw.das Trockenfallen der Egau sehr stark vom jeweiligen Niederschlagsgeschehen abhängen.

Weiteren Einfluss auf die Grundwassermenge habe die Vegetation. Besonders die Niederschläge im Winterhalbjahr würden zur Grundwasserneubildung beitragen. Nur starke und lang anhaltende Landregen würden auch über das Sommerhalbjahr zu einem Anstieg der Grundwasserstände führen, da in dieser Zeit große Wassermengen von den Pflanzen aufgenommen würden, so Huber. Tendenzielle Veränderungen des Grundwasserstands seien nicht zu beobachten. Ein Schaubild zur Schüttung der Buchbrunnenquelle über den Zeitraum von 1959 bis heute zeige zwar große Schwankungen zwischen etwa 650 und 1450 Liter pro Sekunde, doch lasse sich auch aus diesen langjährigen Messungen kein Trend ableiten.

Zusammenfassend sei festzustellen, dass die Wasserführung der Egau unmittelbar von der Witterung und der Vegetation abhängt, schloss Huber seinen Vortrag.

Kleiner Steckbrief: die Egau

Die Egau ist rund 44 Kilometer lang und ist ein linker Zufluss der Donau. Sie entspringt Südrand von Neresheim.

Kurz vor der Landesgrenze nach Bayern passiert der kleine Fluss die Buchbrunnenquelle. Nach der Grenze läuft dem Fluss von links bei Dattenhausen der Lohgraben zu. Dort teilt sich der Fluss in die Egau und in die künstlich angelegte Riedegau. Die beiden Flüsse fließen zunächst parallel zueinander, vereinen sich dann aber wieder auf Höhe der östlichen Ortsgrenze Ziertheims.

Kurz vor Dillingen-Donaualtheim mündet von rechts der Breitlegraben. Nach Steinheim erreicht die Egau das linke Ufer der Donau, in die sie schließlich unterhalb der Staustufe Höchstädt mündet.

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