Kreis Heidenheim Was passiert mit den Gelben Säcken?

Kreis Heidenheim / Patrick Vetter 02.06.2018
Aus der Küche oder dem Keller kommt der Gelbe Sack an die Straße und wird von den Fahrzeugen der Firma Hörger abgeholt. Aber was passiert dann?

Langsam füllt sich der Gelbe Sack mit Verpackungsmüll. Alle zwei Wochen wandert er aus dem Keller an die Straße und wird dort von großen, orangefarbenen Fahrzeugen abgeholt. Soweit die persönlichen Erfahrungen. Aber wo werden unsere Gelben Säcke dann hingebracht? Wie viel wird tatsächlich recycelt und was kommt in die Müllverbrennungsanlage?

Die Firma Hörger sortiert mehr als die Hälfte des Verpackungsabfalls.

Zuerst einmal kommen alle Säcke nach Sontheim/Brenz auf das Gelände der Firma WRZ Hörger. Dort wird mehr als die Hälfte der Verpackungsabfälle und alles was sonst fälschlicherweise im Gelben Sack landet sortiert. Die andere Hälfte wird von anderen Firmen abgeholt und auch sortiert. Der Grund: Die Dualen Systeme, private Unternehmen wie der grüne Punkt, sind für die Gelben Säcke zuständig. Sie schreiben die Sammlung der Säcke für den Landkreis alle drei Jahre zentral aus, die Sortierung vergibt aber jeder Betrieb der Dualen Systeme anteilig selbst, also nicht automatisch an Hörger.

Jeden Monat 100 000 Gelbe Säcke

350 bis 360 Tonnen Gelber Säcke werden im Landkreis jeden Monat gesammelt, das entspricht zirka 100 000 Säcken. Wie viel Müll in den Säcken steckt, der eigentlich nicht dort hineingehört, hängt von der Region ab. Manchmal besteht der Inhalt aus bis zu 50 Prozent sogenannter Fehlwürfe. Im Durchschnitt liege man aber darunter: „Hier im ländlichen Raum sortieren die Menschen meist besser, als in größeren Städten“, sagt Martin Siekiera, Kaufmännischer Leiter bei Hörger.

In Sontheim kommen die Säcke in einer großen Halle an. Schon im Frühjahr wimmelt es hier von Fliegen – angelockt durch zum Beispiel angetrocknete Reste in Jogurtbechern. In einem ersten Arbeitsschritt werden die Säcke in einer Art riesigem Fleischwolf geöffnet. Danach wird der Inhalt nach Größe und Gewicht sortiert, auf einer Rüttelplatte, einer Rolle, die große Folien trennt, und in einer Trommel mit unterschiedlichen Öffnungen.

Für die Weiterverarbeitung will man es aber genau wissen: Der Müll auf den Fließbändern wird mit Infrarotlicht gescannt. An der Reflektion erkennt ein Computer das Material und sortiert mit Hilfe eines Luftdruckstrahls aus. Während einige Stücke vom Band fallen, werden andere einfach ein Band weiter gepustet. Der effizienteste Weg für Metalle bleibt ein großer Magnet. Wie von Geisterhand fliegen magnetische Teile aus der Abfallmasse nach oben. Zu guter Letzt wird noch per Hand sortiert. Drei Arbeiter sortieren um, was die Maschine übersehen hat.

Ein Ballen Aluminium wiegt 900 Kilogramm.

Am Ende sind Folien, PET-Flaschen, größere Plastikbehälter, Aluminium und andere Metalle, Styropor und Restmüll voneinander getrennt und werden in Ballen gepresst. Ein Ballen Aluminium wiegt dabei bis zu 900 Kilogramm, Kunststoffballen nur bis zu 450 Kilogramm.

Insgesamt werden nach dem Sortieren 40 bis 50 Prozent der Verpackungsabfälle, bei Folien und PET-Flaschen sind es 100 Prozent, werkstofflich verwertet: Sie werden recycelt und kommen zum Beispiel in Spritzgussverfahren wieder zum Einsatz. Weitere 20 bis 30 Prozent werden als Ersatzbrennstoffe energetisch verwertet: Einige nicht recycelbare Kunststoffe werden in der Industrie verarbeitet, zum Beispiel im Zementwerk in Mergelstetten, wo sie anstatt fossiler Brennstoffe verbrannt werden, um die nötige Hitze zu erreichen.

„Es können nie 100 Prozent des Gelben Sacks wiederverwertet werden.“

Alles andere, also unverwertbare Fehlwürfe und nicht entleerte Verpackungen, transportiert Hörger in die Müllverbrennungsanlage. „Es können nie 100 Prozent des Gelben Sacks wiederverwertet werden“, sagt Siekiera. Wenn alle richtig sortieren würden, käme man dem aber schon näher.

Es gibt aber auch sogenannte positive Fehlwürfe. Das sind Stoffe, die zwar keine Verpackung sind, aber trotzdem recycelt werden können. Für Hörger macht das keinen Unterschied, für die Dualen Systeme aber schon. Denn: Hersteller sind gesetzlich dazu verpflichtet, für die Verpackungen, die sie in Umlauf bringen, Geld an die Betriebe der Dualen Systeme zu bezahlen. So finanziert sich die private Industrie hinter dem Verpackungsmüll. Die Dualen Systeme bezahlen die Firma Hörger für das Abholen der Säcke, in denen oft auch Restmüll steckt. Sie werden aber selbst nur für den Verpackungsmüll und nicht die Fehlwürfe bezahlt.

Um es der privaten Müllwirtschaft einfach zu machen, kann jeder Einzelne etwas tun. „Es wäre natürlich gut, wenn nur leere Verpackungen im Gelben Sack landen würden“, so Siekiera. Essensreste erschweren das Sortieren und sind keine Verpackung. „Kleine, zugeknotete Müllsäcke gehen in der Anlage nicht auf und laufen unsortiert durch“, erklärt der Experte weiter. Ein großer Kritikpunkt der Verbraucher sind die unstabilen Säcke. Reißfester dürften sie aber gar nicht sein, da sie sonst nicht zu öffnen sind. Außerdem könne jeder bei der Sammlung Rücksicht nehmen und bedenken, dass der Müll von allen gemacht wird.

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