Gerstetten / Christine Weinschenk  Uhr
Nach internem Streit startet die Lokalbahn-Saison Gerstetten-Amstetten mehrere Wochen später. Anvisiert ist nun der 9. Juni.

Statt den beliebten Nostalgiezügen verkehrt derzeit nur ein historischer Omnibus zwischen Amstetten und Gerstetten. „Bis auf Weiteres“ ersetzt der Bus den Zugverkehr und bedient alle Bahnhöfe der Lokalbahn – so heißt es auf der Homepage der Ulmer Eisenbahnfreunde (UEF) Lokalbahn Amstetten-Gerstetten. Der neue Vereinsvorsitzende Korbinian Fleischer: „Schienenersatzverkehr ist gut und schön, aber für uns ist das insgesamt natürlich eine unbefriedigende Situation.“ Grund für die Verzögerung: Die Strecke zwischen Amstetten und Gerstetten ist nach wie vor gesperrt. Damit sie freigegeben werden könne, müsse der Eisenbahnbetriebsleiter zunächst noch die Strecke zwischen Benzwang und Gerstetten überprüfen und in Augenschein nehmen, so Fleischer. Zudem müsse das neue Personal noch eingearbeitet werden.

Damit bestätigt Fleischer zumindest teilweise die Vorwürfe von Gerold Nagel. Er war Mitglied des Vereinsvorstands bis zum Rücktritt mehrerer Personen im März 2019 (wir berichteten). Laut Nagel sind die Hintergründe für die Sperrung der Strecke nicht etwaige Mängel an der Strecke, die beseitigt werden müssen, sondern die Amtsniederlegung von gleich mehreren wichtigen Funktionsträgern. Die Sicherheit des Eisenbahnbetriebs sei personalbedingt daher nicht mehr gewährleistet. Zudem bezeichnet Gerold Nagel das neue Personal im Verein als inhaltlich ahnungslos.

Dazu Korbinian Fleischer: „Natürlich sind wir nach dem Wechsel des Vorstands weniger Leute geworden und natürlich haben auch die Verzögerungen damit zu tun.“ Es sei ein ganz normaler Vorgang, dass neue Funktionsträger sich zunächst in sämtliche Sachverhalte einarbeiten müssen. Aber die Strecke sei bereits Anfang Februar gesperrt und er erst Mitte März zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Zudem habe man sehr versierte Leute an Bord. Namentlich nennt er Manfred Berka, der den Verein fast 20 Jahre lang quasi im Alleingang geführt habe. Fleischer widerspricht auch dem Vorwurf aus den Reihen des ehemaligen Vorstands, dass für den Museumstriebwagen T06 im Verein kein Lokführer mehr zur Verfügung stünde. „Wir haben mehrere ausgebildete Lokführer“, so Fleischer. „Einer davon ist eben Manfred Berka.“

„Wir haben mehrere Lokführer“

Wie beurteilt Manfred Berka die Querelen im Verein? „Ich sehe das alles mit Wehmut, weil wir nach meinem Rückzug aus dem Vorstand im Jahr 2013 einen gut funktionierenden Verein übergeben haben.“ Jetzt sei irgendwie das Chaos ausgebrochen. In Bezug auf die gegenseitigen Vorwürfe des neuen und des alten Vereinsvorstands spricht er von Spielchen, die im persönlichen Bereich ablaufen. „Ein Vorstandswechsel müsste eigentlich möglich sein, ohne dass die Sache darunter leidet.“ Er wolle nun behilflich sein, damit die Züge bald wieder über die Alb tuckern können. Und wann wird das sein? Korbinian Fleischer geht davon aus, dass der Museumstriebwagen T06 am Sonntag, 9. Juni, zum ersten Mal zum Einsatz kommen wird, der Dampfzug dann am 23. Juni.

Bei den Eisenbahnfreunden gab es ordentlich Stunk. Fast der komplette Vorstand wurde ausgetauscht. Der Start der Lokalbahn-Saison muss wohl verschoben werden.

Historischer Omnibus als Ersatz

Am 1. Mai hätte die erste Fahrt mit dem Museumstriebwagen T06 (Baujahr 1956) auf der Strecke Amstetten-Gerstetten stattfinden sollen. Der erste Einsatz für die Dampflok (Baujahr 1921) war für 30. Mai geplant. Bis Ende Oktober tuckern die Nostalgiezüge der Ulmer Eisenbahnfreunde (UEF) Lokalbahn Amstetten-Gerstetten dann eigentlich an jedem Sonn- und Feiertag über die Alb. Vorerst gibt es nur einen Schienenersatzverkehr. Den Fahrplan für den historischen Omnibus gibt es auf uef-lokalbahn.de. Derzeit sieht es so aus, als könnte am Sonntag, 9. Juni, in die Saison gestartet werden.