Niederstotzingen / Philipp Hruschka Unter dem großem Interesse der Bürger wurde im Erdgeschoss des Niederstotzinger Rathauses eine Ausstellung mit Produkten des früheren Büromaschinen-Herstellers Walther eröffnet.

Im Erdgeschoss des Niederstotzinger Rathauses sind nun zahlreiche Sammlerstücke aus dem Sortiment von Walther Büromaschinen zu sehen. Die Firma, zugehörig dem gleichnamigen Waffenhersteller aus Ulm, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang Rechenmaschinen in Niederstotzingen produziert.

Bei einem Vortrag zur Eröffnung der kleinen Ausstellung zeigte sich die noch immer große Bedeutung der Firma für die Bürger der Stadt: Die Menschen drängten sich bis vor die Tür des Sitzungssaals des Rathauses, darunter viele ehemalige Mitarbeiter von Walther.

Auch Bürgermeister Marcus Bremer sprach eingangs von der „tragenden Rolle“ der Firma für die Stadt. So spreche er oft bei seinen Geburtstagsbesuchen mit Menschen, deren Lebensweg eng mit Walther verbunden sei.

Im Lauf der Jahre habe sich die Firma zudem bei zahlreichen baulichen Projekten oder etwa bei der Gründung der Schützengesellschaft Niederstotzingen eingebracht. Doch wollte der Schultes auch nicht die schweren Zeiten vergessen, die mit dem ersten Konkurs im Jahr 1974 für viele Mitarbeiter angebrochen waren.

Bewegte Firmengeschichte

Erich Weih, seinerzeit selbst rund 30 Jahre lang für Walther im Außendienst tätig, sowie Dr. Günter Schmeisky, der Walther-Fabrikate sammelt, sind zwei Initiatoren der Ausstellung. Schmeisky gab in seinem Vortrag zunächst einen Überblick über die bewegte Geschichte der Firma.

Begonnen hatte diese bereits Ende des 19. Jahrhunderts im thüringischen Zella-Mehlis. Mit dem Ersten Weltkrieg wuchs die Firma rasch auf etwa 500 Mitarbeiter an, und auch im Zweiten Weltkrieg kamen Walther-Waffen zahlreich zum Einsatz. 1945 musste die Familie Walther vor der Roten Armee nach Württemberg fliehen.

Daraufhin entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in Ulm sowie an mehreren Standorten auf der Ostalb Walther-Werke.

Neben Königsbronn und Gerstetten auch in Niederstotzingen, wo man im großen Stil Rechenmaschinen für den Bürobedarf produzierte. Diese Geräte hatte die Firma bereits 1924, auch aufgrund des Versailler Vertrags, als zweites Standbein in ihr Sortiment aufgenommen.

Blick auf die Technik

Die Referenten beließen es jedoch nicht bei einer reinen Geschichtsstunde. Schmeisky und Weih gingen auch detailreich auf die Technik der früheren mechanischen sowie der späteren elektronischen Modelle ein. Dazu waren auf den Tischen im Sitzungssaal auch einige originale Exemplare aufgebaut. Erich Weih lud ein zum Ausprobieren: „Sollte später etwas nicht mehr funktionieren, bekommen wir das auch wieder hin – kein Problem.“ Zur Veranschaulichung der Funktionsweise führte Schmeisky eine Kursumrechnung von D-Mark auf Pfund Sterling vor.

Nach dem Vortrag hatten die Gäste noch ausgiebig Zeit, sich bei einem Buffet, das der Förderverein Lebenswerte Stadt Niederstotzingen organisierte, über die Firma und die Maschinen auszutauschen.

Dabei zeigte so manches Gespräch vor den Ausstellungsstücken, dass Leute vom Fach anwesend waren. Einige Kenner zeigten etwa ihren Kindern oder Enkeln, an welchen Maschinen sie vor vielen Jahren gearbeitet hatten, oder tauschten sich mit alten Kollegen über ihre Erfahrungen aus.

Der Konkurs ab 1974

1970 war die Firma Walther mit fast 1000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Niederstotzingen, währenddessen wurde in Wört/Ostalbkreis ein weiteres Werk gebaut. 1971 wurde dem damaligen Bürgermeister Gekeler die millionste Rechenmaschine präsentiert.

1974 jedoch meldete die Firma Konkurs an, eine stetige Abwärtsspirale beginnt. 2014 schließlich werden die verbleibenden Geschäfte in Gerstetten nach einem weiteren Konkurs von der Firma Mcon Global fortgeführt.