Herbrechtingen Waldkindergarten: Alles, was die Natur zu bieten hat

Die Kinder des Waldkindergartens Maienkäfer auf einem ihrer selbstgemachten Sofas im Wald.
Die Kinder des Waldkindergartens Maienkäfer auf einem ihrer selbstgemachten Sofas im Wald. © Foto: privat
Herbrechtingen / Elena Kretschmer 04.12.2018
Im Herbrechtinger Engelswaldweg haben die Kinder und Erzieher ihre Zentrale, doch der Wald ist ihr eigentliches Spielzimmer. Geleitet wird die Einrichtung von mehreren Personen.

Nach der Selbstanzeige eines ehemaligen Vorstandsmitglieds wegen Steuerhinterziehung sowie der Verabschiedung der Gründerin Helga Lindel in den Ruhestand (beides 2016) war es still um den Waldkindergarten Maienkäfer geworden. „Wir hatten über viele Jahre finanzielle Probleme“, erklärt Vorstandsmitglied Tim Beck. „Oft war nicht klar, ob das Geld reicht und leider wurden diese Probleme mit der Arbeit vermischt.“ Nicht zuletzt deshalb gab es dann eine Kernveränderung: „Alle Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Es gibt keinen, der seine Meinung einfach so durchdrücken kann.“

Und selbst wenn früher viele Bedenken gegenüber dem Waldkindergarten geäußert wurden, „haben wir jetzt das Gefühl, als positive Ergänzung wahrgenommen zu werden. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Herbrechtingen läuft wirklich super“, so Beck, der gemeinsam mit Carmen Drost, Thomas Schirm und Markus Hermann (allesamt Eltern) die Vorstandschaft bildet. Auch finanziell gesehen sei alles wieder im Lot.

Auch die Leitung wird geteilt

Personell hat sich ebenfalls alles ein wenig verändert. Karin Zembsch ist die pädagogische Fachkraft, die am längsten dabei ist, nämlich seit 2009. Seit zwei Jahren ist außerdem Silvia Teuber mit an Bord, die zwar offiziell als Leiterin eingetragen ist, aber gleich klarstellt: „Frau Zembsch hat hier die meiste Erfahrung. Auf die greife ich gerne zurück und wir entscheiden alles gemeinsam. Allgemein sind alle gleichberechtigt. Es gibt keine ,Obererzieherin'.“

Mit Michael Nowak hat sich das Team um einen Diplom-Sozialpädagogen und Ergotherapeuten erweitert. Nowak hatte die Einrichtung bereits seit mehreren Jahren bedarfsweise unterstützt, seit Herbst 2017 ist er fest angestellt. „Unser pädagogisches Konzept beinhaltet, dass die Kinder von Anfang an auch eine männliche Bezugsperson haben“, erklärt Beck. Außerdem absolviert Coreen Laube seit 2017 ihre praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin im Waldkindergarten, außerdem Marie Bürger seit Kurzem ihr freiwilliges ökologisches Jahr.

Was bei der Gründung 2006 noch ein einfacher Bauwagen war, ist heute ein Container oder besser die Schutzhütte. Sie steht auf einem Gelände, auf dem es allerhand Spielmöglichkeiten gibt: Schaukel, Sandkasten, Bäume zum Klettern, Freddy, das hölzerne Wildschwein, und vieles mehr. „Bei allem, was wir neu machen, sind auch immer die Eltern involviert und helfen mit“, so Zembsch.

Im Vergleich zum Regelkindergarten können sich die Kinder laut Teuber im Waldkindergarten viel freier bewegen: „Wir haben hier so viel Raum und nutzen alles, was die Natur zu bieten hat.“ Dazu zählt nicht nur das Gelände rund um die Schutzhütte, sondern der komplette umliegende Wald und die Heiden. Da gibt es ein „Waldsofa“, eine aus Weidenzweigen selbstgemachte Sitzgelegenheit mitten im Wald, ebenso das „Bergsofa“, die Mulde, den Heideblick, die Quelle, das „Waldtrampolin“, das „Piratenschiff“ – insgesamt etwa 20 Anlaufpunkte. Zembsch erklärt: „Draußen gibt es so viel zu entdecken, da ist das Kind ganz Sinnesorgan.“

Was den Erziehern im Waldkindergarten außerdem wichtig ist, sind regelmäßige Rituale für die Kinder, wie der Morgenkreis, in dem zunächst anhand von Holzzwergen festgelegt wird, welcher Tag ist, und das gemeinsame Feiern von Geburtstagen. Viel gesungen wird laut Zembsch auch: „Man muss nur durch den Wald schlendern, es fallen Blätter zu Boden, und schon stimmen die Kinder ein Lied an.“ Alle Aktionen folgen dem Leitsatz „Was braucht das Kind?“. Sprich: Es wird stets versucht, auch als Erwachsener aus der Sicht des Kindes zu entscheiden.

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