Gerstetten Waldbegang: Richtig Fällen will gelernt sein

90 Waldbesitzer trafen sich jetzt zum traditionellen Waldbegang.
90 Waldbesitzer trafen sich jetzt zum traditionellen Waldbegang. © Foto: Ulrich Bischoff
Gerstetten / Ulrich Bischoff 07.11.2018
Borkenkäfer, Baumfällung und die Forstreform – das waren die Themen beim Treffen der Forstbetriebsgemeinschaft Steinheim.

Treffpunkt Schwellenweg. 90 Waldbesitzer der Forstbetriebsgemeinschaft Steinheim (FBG) trafen sich jetzt zu ihrem traditionellen Waldbegang im Gerstetter Waldteil. Der buntgemischte Herbstwald im Osten von Gerstetten bot sich für den Vorsitzenden Gerhard Sattler in Absprache mit den Forstbeamten des Landratsamtes heuer als passendes Anschauungsobjekt für Waldbau und Forsttechnik an.

Bruchleistenmaß und Bruchleistenform sind für Waldbauern die wichtigsten Kriterien, wenn es ums Bäumefällen geht. Mit einem Leistenbruch haben die Begriffe allerdings nichts zu tun, sie zählen zur Fachsprache im Forst. Ehe sich die erste der drei Zuhörergruppen auf das Thema Sägetechnik und Rückweiche einlassen konnte, knisterte es im Unterholz und eine Wildschweinrotte überquerte den Schwellenweg in vollem Schweinsgalopp.

Als das Schauspiel vorüber war, wandte sich Forstwirtschaftsmeister Michael Schwarz den sieben Wurzelstöcken zu, die er als Beispiel für eine gelungene Fällung vorstellte. Als Gegenstücke hatte er das Werk eines „Murksers“ parat. Wer es vor dem Fall des Baumes versäumt hat, seinen rückwärtigen Fluchtweg frei zu räumen, riskiere Kopf und Kragen, versicherte Dr. Hans Untheim, Leiter des Fachbereichs Wald und Naturschutz des Landratsamtes Heidenheim, und entfaltete zur Warnung für jeden der Zuhörer ein rotes Tuch.

Kunst der Durchforstung

42 Jahre alt waren die Fichten, unter denen die Revierförster Michael Warias und Martin Palaoro etliche Schritte weiter Schautafeln aufgebaut hatten und mit Rechenbeispielen in die Kunst der Durchforstung einführten. Durchforsten heißt, in den Kronenraum blicken und Luft machen. Wer unsicher ist, misst die Baumhöhe und die „Taillenweite“ des ausgewählten Kandidaten. Das Ergebnis verrate den Rauminhalt und daraus lasse sich die Zahl der zu entnehmenden Bäume errechnen, meinten die beiden Förster.

Zwischen Kettensägen und Harvestern wurden Kostenvergleiche angestellt, ehe es weiterging zu Revierförsterin Franziska Maurer und Forstwirt Nicolaj Halemba. Wer im Wald im Unverstand Bäume fällt, darf sich nicht darüber wundern, wenn er dabei stehende Bäume anrempelt. Rindenverletzungen sind Eingangspforten für allerlei Pilze und die wiederum führen zu Stockfäule und Entwertung des Holzes, gab die Försterin zu bedenken. Zuvor hatte Nicolaj Halemba eine dreißig Meter hohe Fichte als eines der Lehrstücke zu Fall brachte.

Schlagkraft der Borkenkäfer

Wer richtig fällen kann und dabei die Rückegasse im Auge hat, erleichtert dem Holzrücker seine Arbeit und schont den Wald, unterstrich Franziska Maurer. Untheim warnte vor der Schlagkraft der Borkenkäfer. Die sommerliche Hitze und Trockenheit hätten die Fichtenbestände gestresst und den Harzfluss so geschwächt, dass die Käfer mit ihren Angriffen im Frühjahr leichtes Spiel hätten. Wer seinen Wald lieb habe, sollte ihn in der Schwärmzeit der Krabbeltiere mindestens alle acht Tage inspizieren, lautete der Ratschlag des Forstdirektors. Käfer und Sturm haben fast jeden zweiten Baum, der heuer im Landkreis aufbereitet wurde, auf dem Gewissen.

Die Forstreform ist unter Waldbesitzern derzeit in aller Munde. Nach einem kürzlich ergangenen Gerichtsurteil aber macht sich Erleichterung breit. Für den kommunalen und privaten Waldbesitz ändere sich „bei uns praktisch nichts“, stellte Untheim fest. Leider aber werde der Staatswald, der 46 Prozent der Waldfläche im Landkreis ausmache, der Obhut des Kreisforstamtes entzogen. Martin Palaoro managt den Holzverkauf für die Gemeinde und die privaten Wälder. Käferholz werde mit 30 Prozent unter den Frischholzpreisen gehandelt, während Eichen, Eschen, Buchen und Ahorne aus dem Wintereinschlag gefragt seien, meinte er.

200 Mitglieder

Die Forstbetriebsgemeinschaft Steinheim (FBG) ist ein Zusammenschluss privater Waldbesitzer. Der Verein wurde 1945 gegründet und sein Gebiet umfasst die Gemeinden Steinheim am Albuch und Gerstetten sowie angrenzende Gemeinden. Die FBG sieht sich als Ansprechpartner rund um die Themen Wald und Holz. Aktuell sind rund 200 Waldbesitzer mit einer Fläche von 550 Hektar Mitglied in der FBG.

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