Herbrechtingen 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Herbrechtingen

Herbrechtingen / Elena Kretschmer 14.05.2018
Die Abteilung Herbrechtingen hat kommende Woche ein Jubiläum zu feiern. In 150 Jahren hat sich in Sachen Löschwesen einiges grundlegend verändert.

Gelöscht werden Brände in Herbrechtingen nicht erst seit 150 Jahren. Der Kampf gegen das Feuer war sogar Bürgerpflicht. Allerdings war das Vorgehen früher noch ein anderes. Das älteste Dokument, das die Feuerwehr Herbrechtingen kennt, datiert auf den 5. Februar 1739. Es beschreibt, wie der Gemeinderat die Gemeindedienste vergab und dabei einen Schmied namens Jörg Steudle, einen Wagner namens Michael Kröner und einen Weber namens Tobias Bührlen zum Feuerwagen ordinierte.

Noch ohne Feuerspritze

Dass Herbrechtingen damals noch keine Feuerspritze besaß, lässt sich ebenfalls aus dem Dokument herauslesen. Löschen war Handarbeit. Die Einwohner waren in zwei Fahnen (blau und rot) mit je einem Rottenmeister eingeteilt. Sobald die Glocke Alarm schlug, eilte jeder mit dem Feuereimer in der Hand zum Brandplatz. Dann formierte der blaue Rottenmeister die Feuereimer-Kette vom Brandplatz zur Brenz, während die „Roten“ die Brandleitern anlehnten, sie besetzten und die Eimer in die Flammen schütteten. Die leeren Eimer wanderten über eine zweite Kette, die hauptsächlich aus Frauen bestand, zur Brenz zurück.

Die Anschaffung einer Feuerspritze gilt gemeinhin als Anfang der Feuerwehren. Schließlich wollte der Umgang mit einer Spritze gelernt sein und es brauchte Männer, die dafür verantwortlich zeichneten. Und so tat sich eine dritte Gruppe mit einer gelben Fahne auf: die Pumper. Wann die erste Feuerspritze beschafft wurde, ist nicht bekannt. Bei der Vergabe der Gemeindeämter im Jahr 1761 wurden jedoch der Schmied Jacob Gatter und der Weber Jacob Burkhardt zur Instandhaltung der Feuerspritze bestellt. Da es muss es also schon eine gegeben haben. 1776 wurde eine bei der Ludwigsburger Glockengießerei bestellt.

Die Einteilung in Rotten mit Fahnen schrieb auch noch die unter König Friedrich am 20. Mai 1808 erlassene Feuerlöschordnung vor. Erst die Landesfeuerlöschordnung aus dem Jahr 1885 verpflichtete die Gemeinden, organisierte Lösch- und Rettungsmannschaften in Form von freiwilligen Feuerwehren, Berufsfeuerwehren oder Pflichtfeuerwehr aufzustellen. Damit schrieb der Gesetzgeber schrieb vor, was in vielen Gemeinden schon geschaffen worden war – so auch in Herbrechtingen mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr unter Schultheiß Rippmann.

Zusammen mit dem Liederkranz

Allerdings fehlte das Gründungsjahr. Bekannt war nur, dass anlässlich einer Zusammenkunft im „Adler“ der Gesangverein Liederkranz und die Feuerwehr gegründet wurden. Und weil der Gesangverein eine Fahne mit der Jahreszahl 1868 besitzt, gilt dies auch als Gründungsjahr der Feuerwehr.

1889, als Herbrechtingen etwa 1900 Einwohner zählte, wurde der Dienst in der Feuerwehr für alle 18- bis 50-jährigen Männer des Ortes verpflichtend. An der Spitze der 179 Mann starken Truppe standen ein Kommandant, sein Stellvertreter sowie zwei Hornisten. Zur Mannschaft gehörten noch Feuerboten, Sturmläufer, Laternenträger, Bachschweller und Wasserfahrer.

Im Jahr 1911 wurde eine neue Lokalfeuerlöschordnung beschlossen, weil 1898 die Wasserleitung gebaut wurde und dadurch eine Umorganisation der Feuerwehr notwendig wurde. Für die gesamte Wehr des Hauptortes Herbrechtingen wurde wieder das Prinzip der Freiwilligkeit eingeführt. Ein entsprechendes Statut wurde am 11. März 1911 einstimmig angenommen. Demnach wurde die Feuerwehr in einen Stab und vier Züge mit einem Gesamtbestand von 122 Mann eingeteilt.

Von 1926 bis 1940 lag die Leitung der Feuerwehr in den Händen von Adolf Häcker. In dieser Zeit begann die allgemeine Mechanisierung. Dadurch ging der Mannschaftsstand zurück. 1928 wurde als erste Motorspritze eine TS 8 angeschafft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen Karl Bühler (1945) und Gottlob Bendele (1956 bis 1979) das Amt des Kommandanten. Mit dem Umzug in das neue Feuerwehrgerätehauses an der Berliner Straße 25 begann im Jahr 1991 eine neue Ära.

In den vergangenen Jahren kamen für die Freiwillige Feuerwehr weitere Aufgaben im Bereich des Katastrophenschutzes hinzu. Außerdem erfordert die technische Fortentwicklung der Ausrüstung immer mehr Spezialisten und damit mehr Übungen.

150 Einsätze pro Jahr

Seit 2011 leitet Abteilungskommandant Sascha Frey mit seinem Stellvertreter Benjamin Hofmann eine Truppe von rund 50 aktiven Feuerwehrleuten. Sie rücken zu etwa 150 Einsätzen pro Jahr aus, die von Bränden über technische Hilfeleistung bis hin zu Gefahrguteinsätzen reichen.

Zur Feier des 150-jährigen Bestehens findet am Samstag, 19. Mai, ein Festabend für geladene Gäste statt. Damit die Bürger mitfeiern können, gibt es am 10. Juni den Kreisfeuerwehrmarsch, zu dem alle Interessierten eingeladen sind.

Die schlimmsten Großbrände rund um Herbrechtingen

Von einem Großbrand spricht man in Feuerwehrkreisen, wenn mehr als drei C-Rohre (Größe der Spritze) und/oder Sonderrohre, meist über einen längeren Zeitraum, eingesetzt werden.

Besonders schlimm war der Brand im Möbelhaus Röger im Jahr 1976. Ebenso fatal war das Feuer auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in Hausen 1997, sowie das Zugunglück im Jahr 2000, bei dem ein Personenzug im Bahnhof auf einen stehenden Güterzug auffuhr.

Im Juni 2004 brannte der Musiksaal der Bibrisschule, im Mai 2007 gab es ein großes Feuer im damaligen German Pellets Werk und 2010 einen größeren Wohnhausbrand in der Hauptstraße in Bissingen. Vier Jahre später trieb ein Feuerteufel in Herbrechtingen sein Unwesen, der aber geschnappt wurde.

Im April 2016 geriet ein mit Strohballen beladener Lastwagen auf der A 7 in Brand. Im Oktober 2017 wurde im Biomasse-Heizkraftwerk 14 Stunden gelöscht.

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