Dischingen Draufgeblickt (27): von der Privatparty zum Festival

Dischingen / Von Joelle Reimer 30.08.2018
Jedes Jahr im Juni treffen sich am Härtsfeldsee tausende Heavy-Metal-Fans. Eine private Feier in den 90er Jahren bildete den Startschuss für das heutige „Rock am Härtsfeldsee“.

An 363 Tagen im Jahr liegt der Härtsfeldsee ruhig und beschaulich zwischen den Feldern und Wiesen am Ortsrand von Dischingen. Ein paar Enten, die gemütlich übers Wasser paddeln. Vogelgezwitscher. Ab und an ein Spaziergänger. Ansonsten: Stille.

Und dann gibt es diese zwei Tage im Jahr, an denen das Gelände kaum wiederzuerkennen ist. An jeder Ecke Menschen, die Spaß haben und tanzen. Hunderte Autos, Zelte und Wohnwagen auf der nahegelegenen Wiese, die nicht nur dadurch, sondern auch von tausenden schwarzen Stiefeln nieder getreten wird. Dazwischen Campingstühle, Pfandflaschen, Dosenbier. Und das Vogelgezwitscher? Das wird durch laute Schreie ersetzt.

Es ist Ende Juni – es ist Zeit für „Rock am Härtsfeldsee“. Ein Festival für alle Rock- und Heavy-Metal-Fans, das dort bereits seit 1998 stattfindet. Dafür verwandelt sich das Areal rund um den See jedes Jahr aufs Neue in ein riesiges Festivalgelände; immerhin reisen an beiden Tagen zusammen rund 8000 Musikbegeisterte an.

Private Feier am Karlsbrunnen

Das war natürlich nicht immer so. Begonnen hat alles als kleine Party unter Freunden am nahegelegenen Zeltplatz Karlsbrunnen. „Wir haben einfach gefeiert, waren unter uns, hatten Spaß. Es war im Prinzip eine Feuerwehr-interne Veranstaltung. Doch das Ganze hat sich schnell weiter entwickelt. Es kamen immer mehr Leute – bis sich die Gemeinde eingeschalten hat“, sagt Ralf Eberhardt, der seit vielen Jahren als Organisator dabei ist. Ein Fest dieser Größe, so hieß es damals, sei auf dem Zeltplatz nicht weiter möglich. Man empfehle den Parkplatz am Härtsfeldsee.

Und weil auch die Feuerwehr die Verantwortung für so viele Besucher nicht übernehmen wollte, wurde der Verein „Jugend Dischingen“ gegründet – derselbe Verein, der das Festival heute noch organisiert. Losgelöst von der Feuerwehr und auf die Beine gestellt von sieben Gründungs- und etlichen weiteren Mitgliedern, fand 1998 das erste „Rock am Härtsfeldsee“ statt.

Seither hat sich viel getan. Sei es die Besucherzahl, die ständig gestiegen ist und sich seit einigen Jahren bei 8000 eingependelt hat, oder die Festivaldauer, die von drei auf zwei Tage verkürzt wurde. „Anfangs haben wir das Festival rund um Fronleichnam veranstaltet, also am Mittwoch vorher und dann noch Freitag und Samstag“, sagt Eberhardt.

Doch der Naturschutz machte ihnen einen Strich durch die Rechnung: Da der Härtsfeldsee in einem Naturschutzgebiet liege, habe man Rücksicht auf die Vogelbrut nehmen müssen. „Der frühestmögliche Termin ist jetzt Ende Juni – aber eben nur zwei Tage, weil der Feiertag dann weg fällt.“ Doch daran stört sich Eberhardt nicht, im Gegenteil. Der Verein wolle das Festival weiterhin als kleine, familiäre Veranstaltung anbieten, weshalb zwei Tage völlig ausreichen.

Einiges getan hat sich auch in Sachen Infrastruktur. Gab es zu Anfangszeiten lediglich ein kleines Zelt, in dem die Bühne und eine Bar untergebracht waren, ist das Gelände rund um den See heute mit allem ausgestattet, was sich für ein richtiges Festival-Wochenende gehört. „Verkaufsstände, Verpflegung, Getränke, Duschen, WC, Containerstadt – das alles gab es früher nicht“, so Eberhardt. Mit dem abgezäunten Außengelände kam 2005 der Campingplatz hinzu – damit auch Einlasskontrollen und verstärkte Sicherheitsmaßnahmen.

Und der Verein? Der, so Eberhardt, sei größtenteils unverändert geblieben. „Wir waren von Anfang an eine feste Clique und sind das auch heute noch. Derzeit sind es 44 Mitglieder, meine ich. Dazu noch die Kids“, sagt er. Natürlich sei die Organisation des Festivals aufwendig, doch die Mitglieder hätten bislang alle mitgezogen. „Wir stimmen jedes Jahr ab, wie es weiter geht. Das alles ist nur möglich, wenn jeder dahinter steht. Viele von uns sind nun um die 40 Jahre alt, haben Familie, sind im Job eingespannt. Aber bislang waren zum Glück immer 100 Prozent dafür, das Festival wieder zu veranstalten“, so Eberhardt. Denn: Für viele von ihnen sei es weniger Stress, als vielmehr ein Kurzurlaub am Härtsfeldsee. „Uns würde etwas fehlen im Juni, wenn es das nicht mehr gäbe.“

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