Herbrechtingen Mittelaltermarkt: Vom Gaukler bis zum Fleischlappen

Herbrechtingen / Elena Kretschmer 13.06.2018
Seit 2013 organisiert Karin Bay das Herbrechtinger Mittelalterspektakel im Klosterhof. Schon im Januar beginnt sie mit der Planung und wählt die Akteure dabei sorgfältig aus.

Wenn sich der Mäusegaukler und der Bernsteinschleifer im Klosterhof treffen, die Ritter bei einem Humpen Honigmet zusammensitzen und die Tänzer sich nach getaner Arbeit mit einem Fleischlappen stärken, dann ist wieder Mittelaltermarkt in Herbrechtingen. Seit 2013 gibt es das Spektakel bereits. Die Fäden hat seit Jahr und Tag Organisatorin Karin Bay in der Hand.

„Das Ganze hat als eintägiges Fest für die Herbrechtinger angefangen. Weil es so gut lief, haben die Marktleute gefragt, ob man es nicht auf zwei Tage ausweiten kann. Und mittlerweile ist der Mittelaltermarkt eine überörtliche Veranstaltung, zu der die Leute teilweise von weit her kommen“, fasst die 59-jährige Bolheimerin die Entwicklung zusammen.

Jedes Jahr mehr Händler

Im Januar fängt Bay damit an, in entsprechenden Mittelalterzeitungen und - zeitschriften Inserate zu schalten. „Das läuft alles nebenher, ist nicht viel Aufwand. Aber es melden sich jedes Jahr mehr Händler. Dieses Jahr musste ich mindestens 20 absagen, weil's einfach vom Platz her nicht reicht.“ Außerdem überlegt die Organisatorin, ob der jeweilige Stand auch ins Konzept passt: „Ich schaue halt, was mir noch fehlt, vielleicht Schmuck oder ein Lederer. Und natürlich achte ich auch darauf, wo sie herkommen.“

Heuer sind unter den insgesamt zwölf Anbietern zwei Essensstände, eine Brettchenweberin, das Drachenweiblein mit Kindergewandungen, eine Weidenflechterin, ein Honigverkauf und vieles mehr. „Als Lageristen haben wir Thorins Sippe aus Herbrechtingen, den Sommeregger Haufen aus Regensburg, die Comites de Dillinga aus Dillingen und die Württemberger Ritter“, so Bay. Tanzen werden wieder die Filias Draconis und die Hilaris Saltatores. „Musik gibt's von Albert Dannenmann und seiner Ida, und sein Sohn bietet in der Klostergastronomie ein mittelalterliches Dinner an.“

Auch Absagen gibt es

Etwa drei Wochen vorher hat Karin Bay alle Akteure zusammen, Flyer werden verteilt, Plakate aufgehängt und die Stände in den Klosterplan eingetragen. „Vorgestern hat einer abgesagt. Das ist dann halt so. Aber neulich hat mich einer aus Dettingen gefragt, ob er mit seinen vier Eseln kommen darf. Das entwickelt sich alles so.“

An den beiden Veranstaltungstagen selbst sitzt die 59-Jährige an der Kasse und „wurschtelt überall so rum“. Für sie ist es der einfachste Markt, den sie zu organisieren hat: „Am anstrengendsten ist das Stadtfest, weil das viel aufwendiger ist.“ Beim Mittelaltermarkt seien die Leute viel ruhiger, zufriedener und alle helfen zusammen.

Damit alles möglichst authentisch ist, versucht Bay, die Verteilerkästen so gut es geht zu verstecken und bittet darum, Kühlwägen außerhalb zu parken. „Aber wir haben halt Biertischgarnituren, weil wir uns teure Sitzgelegenheiten nicht leisten können und so Brauereischirme stehen auch da.“

Ein Fest jagt das nächste

Wenn der Mittelalter-Trubel wieder vorbei ist, steht für die Organisatorin sämtlicher Feste schon das nächste ins Haus. „Es geht immer weiter.“ Erst kommt das Bolheimer Kinderfest – ihr liebstes, weil sie da immer mit den Enkeln hingeht –, dann das Herbrechtinger Kinderfest und das Stadtfest. „Danach geh' ich in den Urlaub“, sagt Bay erfreut. Anschließend folgen schon die Planungen für den Weihnachtsmarkt. „Aber mir macht das großen Spaß.“

Festzug am Sonntag durch die Lange Straße

Alle Akteure des Mittelaltermarktes sind am Sonntag um 13 Uhr in einem Festzug zu sehen, der an der Apotheke in der Langen Straße beginnt und im Klosterhof endet.

Zwei Pferde der Württemberger Ritter, eine Trommlergruppe und der Fanfarenzug Dischingen begleiten den Zug. Im Klosterhof hält Stadtrat Peter Koptisch eine kurze Ansprache.

Der Eintritt kostet für Erwachsene 3,50 Euro, für Kinder ab einer Größe von 1,20 Meter 1,50 Euro. Zwei Erwachsene und zwei Kinder zahlen 7 Euro, Gewandete 1,50 Euro.

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