Video Vogelherd: Noch viele Schätze in der Erde

Klaus-Dieter Kirschner 13.06.2013
Auch nach der Einweihung des Archäoparks geht den Wissenschaftlern die Arbeit nicht aus: In 11.000 Säcken, von denen jeder etwa 16 Liter fasst, ist noch jede Menge Sediment von den Grabungen der Vogelherdhöhle vorhanden und noch nicht sortiert.

Wie recht Conard hat: Er zeigte einige kleine Perlen, die jeweils zwei gebohrte Löcher haben und Teil einer Halskette gewesen sein dürften. „Wir haben hier den ältesten Schmuck der Menschheit vor uns.“

Die Perlen, vermutlich so alt wie das „Mammutle“, haben geschätzte drei Millimeter Durchmesser. Präsentiert wurden sie bei einem Lokaltermin zum Abschluss der vierwöchigen Grabung in diesem Jahr. Sie standen wettermäßig unter keinem guten Stern und betrafen die Lindenhöhle und die Fetzershaldenhöhle in der Lindenau. Das Gebiet gehört zu Öllingen, ist aber Teil des Lonetals.

Und dort war der vormalige Leiter des Herbrechtinger Buigen-Gymnasiums und Heimatforscher Hermann Glatzle über viele Wochen vorzugsweise im Winter aktiv. Aufgrund der Spuren von Tieren, die in Höhlen leben (Dachs und Fuchs) spürte er insgesamt 150 Stellen auf, die per GPS eingemessen und kartiert wurden. Glatzle vermutete an den Plätzen Höhlen, die vielleicht ähnlich bewohnt gewesen sein könnten wie die Vogelherdhöhle. Doch nur etwa 50 dieser möglichen Höhlen hält Glatzle nach eigenen Einschätzungen „für so interessant, dass man hier Grabungen starten sollte.“



Professor Nicholas Conard ist ein großer Bewunderer Glatzles, der mit sehr viel Ausdauer, Gespür und Heimatliebe vorangeht. Folglich schienen beide Männer vielleicht doch etwas enttäuscht, dass die Fundausbeute im Bereich Lindenhöhle so gering war, dass Conard bei einem Lokaltermin im strömenden Regen ernüchtert feststellte: „Hier kommen wir nicht wieder.“

Anders verhält es sich mit der Fetzershaldenhöhle. Sie liegt vielleicht 70 Meter von der Lindenhöhle entfernt, verfügte vor dem einstigen Höhlenmund über eine Art Terrasse. Dorthin wurde bei dieser Premiumsgrabung auch der Aushub gekippt. Ein Teil des Abraums wurde in Kunststoffsäckchen verfrachtet, um sie hernach zum Verfüllen der Grabungsfläche einsetzen zu können.

Per Radar war die durch Geländeabbrüche faktisch verschlossene Höhle vermessen und im Berg eine unterirdische Verbindung zur Lindenhöhle sogar für möglich gehalten worden. Diese Höhle war offenbar bewohnt. Davon zeugen sogenannte Artefakte, also ein paar Stücke, die von Menschen bearbeitet worden sind. Also zum Beispiel Messer aus Stein. Wie bereits im überregionalen Feuilleton berichtet, kamen zahlreiche Tierknochen zum Vorschein. Auch solche, die möglicherweise durch Menschenhand vor Zehntausenden von Jahren bearbeitet, sprich gewaltsam gespalten worden waren.

An der Fetzershaldenhöhle lohnt eine weitere Grabung

Anderswo wurden Musikinstrumente hergestellt und im Bereich der Vogelherdhöhle aus Mammut-Elfenbein kleine Kunstwerke geschnitzt. An dieser Fetzershaldenhöhle lohnt sich aus Sicht von Conard eine weitere Grabung: „Wenn wir dafür das nötige Geld bekommen.“

Für die neuerliche Ausgrabung im Lonetal hatte der Förderverein Eiszeitkunst e. V. unter seinem Vorsitzenden Hermann Mader 35 000 Euro locker machen können. Auf weitere Spenden hofft der frühere Heidenheimer Landrat. Und natürlich auf weitere Vereinsmitglieder.

Mader hatte zu diesem Lokaltermin bei lausigem Wetter nicht nur den Vereinsvorstand, sondern auch die Donatoren eingeladen.

Im Infozentrum des Archäoparks hatten sich die jungen bzw. angehenden Wissenschaftler versammelt, die in diesem Jahr die Grabungen vorgenommen hatten. Weil sich vor Ort im Schlamm ohne ernste Sturzgefahr nicht weiterarbeiten ließ, wurde im Archäopark im Scheinwerferlicht an der Erforschung des Sediments der erwähnten 11 000 Säckchen gearbeitet. Nach einem ausgeklügelten System wurde das inzwischen staubtrockene, sehr steinige Material durchsucht. Da kamen Bruchstücke von Artefakten ebenso zum Vorschein wie Zähne oder Knöchelchen von Tieren, die zu Zeiten der Eiszeitmenschen im Vogelherd zu Hause gewesen sind. Vereinzelt fanden sich „Perlen“ und auch „Kleinwerkzeuge“.

Bis in eine Tiefe von zwei Metern graben

Von der Universität Tübingen stellte Professor Conard den Geoarchäologen Professor Chris Miller vor sowie andere Spezialisten aus aller Welt, die die Relikte der Eiszeit im Lone- wie im Achtal nicht mehr loslassen. Der Iraner Mohsen Zeidi leitete beispielsweise die Nachforschungen an und in der Fetzershaldenhöhle. Bis in eine Tiefe von zwei Metern war vor der Höhle gegraben worden.

Im Info-Zentrum des Archäoparks präsentierte Nicholas Conard die säuberlich ausgelegten Funde aus der Fetzershaldenhöhle. Zähne von Höhlenbären, ein aus mehreren Gliedern bestehendes Bein eines Pferds samt Huf, Knochen von Wollnashorn und der Zahn eines Mammuts. Dass Füchse, Wölfe und Hyänen früher durch das Lonetal streiften, beweisen die Funde. Und noch anderes „Viehzeug“ war dort unterwegs. Und eines haben die Zähne der Höhlenbären bestätigt: Es waren damals Pflanzenfresser. Gleiches stellte Conard auch im Blick auf die Überbleibsel der Hyänen fest.

Dass die besagte Höhle jedoch nicht die Bedeutung des Vogelherds haben dürfte, vermutet Hermann Glatzle. Beim Vogelherd konnten die Leute in der Sonne sitzen. Bei der Fetzershaldenhöhle lag die Höhlenöffnung nach Norden und von da scheint bekanntlich keine Sonne. Hermann Mader zeigte sich am Ende der Exkursion sehr zuversichtlich: Die Höhle berge wahrscheinlich noch mehr Geheimnisse als nach der Grabung in diesem Jahr vermutet wird.