Archäo Vogelherd: Fragmente eiszeitlicher Flöte gefunden

Im Original nur 4,2 Zentimeter groß: das neue eiszeitliche Flötenfragment von der Vogelherdhöhle wie es ab 20. Mai im Museum der Uni Tübingen gezeigt wird.
Im Original nur 4,2 Zentimeter groß: das neue eiszeitliche Flötenfragment von der Vogelherdhöhle wie es ab 20. Mai im Museum der Uni Tübingen gezeigt wird. © Foto: Valentin Marquardt/Universität Tübingen
Klaus Dammann 21.04.2017
Die Vogelherdhöhle bei Stetten ist einer der bedeutendsten eiszeitlichen Fundorte. Jetzt wurde ein neues Fragment einer Flöte entdeckt.

Das Steinzeit-Orchester wächst weiter: Die von 2005 bis 2012 erfolgten Nachgrabungen im Abraum vor der Vogelherdhöhle im Lonetal haben ein herausragendes, etwa 40.000 Jahre altes Fragment eines Musikinstruments hervorgebracht. Prof. Nicholas J. Conard, der die archäologischen Grabungen für die Universität Tübingen leitete, stellte das bereits 2015 entdeckte Stück einer Knochenflöte jetzt der Öffentlichkeit vor.

Der Teil einer Flöte wurde den Erkenntnissen der Forscher zufolge aus dem Mittelstück eines Knochens geschaffen, der in seiner Größe zu einem Gänsegeier passt. Der Fund ist 4,2 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von neun Millimetern. Als Flöte wird der Fund aufgrund der Ansätze von zwei Grifflöchern und einer typischen Bearbeitung der Oberfläche gedeutet. Zum Vorschein kam das Stück bei Schlämmarbeiten des vom Vogelherd in Plastiktüten abtransportierten Erdmaterials.

Frühere Flötenfunde

Schon mehrfach wurden bei Ausgrabungen in den Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb Teile von Flöten aus Knochen oder auch aus Elfenbein gefunden. So stießen die Archäologen 1990 in der Höhle Geißenklösterle (Achtal im Alb-Donau-Kreis) auf zwei Knochenflöten, die vor etwa 40 000 Jahren aus Singschwan-Knochen gefertigt wurden. In experimentellen Arbeiten mit Nachbauten wurden die musikalischen Möglichkeiten der Flöten nachgewiesen.

Ein paar Jahre später wurden am selben Fundort Teile aus Mammut-Elfenbein entdeckt, die bei ihrem Zusammensetzen ebenfalls eine Flöte ergaben. Im Hohle Fels (Alb-Donau-Kreis) stieß man dann ebenso auf eine Knochenflöte wie auch am Vogelherd. Bei letzterer Fundstelle im südlichen Kreis Heidenheim kamen 2005 sowohl Fragmente einer Knochen- wie auch einer Elfenbeinflöte zu Tage.

Ausstellung in Tübingen

Interessant ist die jüngste Entdeckung sicherlich auch vor dem Hintergrund, dass im Juli dieses Jahres die Unesco-Kommission über die Ernennung von sechs Eiszeithöhlen aus Lone- und Achtal zum Weltkulturerbe entscheiden wird. Das neue Flötenfragment wird ab 20. Mai in der Ausstellung „Ursprünge“ im Museum der Universität im Schloss Hohentübingen zu sehen sein.

Die Vogelherdhöhle bei Stetten ist eine der bedeutendsten archäologischen Fundstellen Deutschlands. Bekannt ist sie besonders für die Entdeckung der geschnitzten eiszeitlichen Tierfiguren wie etwa des berühmten Mammuts.