Finanzen Voba+Raiba: Bankenfusion ohne Gegenstimme

Die Abstimmung in der Giengener Schranne.
Die Abstimmung in der Giengener Schranne. © Foto: Dieter Reichl
Giengen / Dieter Reichl 16.06.2015
Gegen 22 Uhr am Montagabend war es in der Schranne beschlossene Sache: auch die Vertreter der Giengener Volksbank stimmten der Bankenfusion mit der Raiffeisenbank Heidenheimer Alb zu – ohne Gegenstimme. Die Bank heißt weiterhin Volksbank Brenztal, ihr Sitz bleibt in Giengen und sämtliche Filialen bleiben erhalten.
Gegen 21.30 Uhr am Montagabend war es soweit und die 122 anwesenden Vertreter der Volksbank Brenztal hoben ihr grünes Abstimmungskärtchen. Alle 122 waren für die Verschmelzung ihres Bankhauses mit der Raiffeisenbank Heidenheimer Alb.

Klares Votum überrascht nicht

Nachdem vergangenen Freitag in der Kliffhalle in Heldenfingen bereits über 95 Prozent der Mitglieder der Raiba Heidenheimer Alb diese Fusion gutgeheißen hatten, war eine deutliche Mehrheit sicherlich zu erwarten. Dass sie allerdings 100 Prozent betragen würde, mag den einen oder anderen dann doch überrascht haben. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats und Leiter der Vertreterversammlung, Franz Heger, zeigte sich in jedem Fall überaus erfreut über das glasklare Votum. „Damit ist das eingetreten, was ich mir gewünscht habe“, sagte er.

Vor dieser Wunscherfüllung stand eine ausführliche Information und auch Meinungsäußerungen zu Sinn und Zweck dieser Verschmelzung der beiden Banken. Vorstandssprecher Hans Honold hatte bereits in seinem Geschäftsbericht gesagt, dass aus seiner Sicht mit dem Zusammengehen beider Häuser eine idealtypisch große Genossenschaftsbank entstehe, mit der private wie gewerbliche Interessen bedient werden können, und die große Potenziale biete.

Für die Zukunft gut aufstellen – Steigerung der Bilanzsumme

Oberbürgermeister Gerrit Elser, der die Entlastung des Aufsichtsrats für das vergangene Geschäftsjahr vornahm, sagte, es sei wichtig für die Volksbank Brenztal, sich für Zukunft gut aufzustellen. Die Fusion biete diese Chance, ohne dass eine anonyme Großbank entstehe. 95 Prozent bei der Generalversammlung in Heldenfingen hätten erkannt, wo die Chancen liegen. Mit einer Steigerung der Bilanzsumme auf 600 Millionen Euro könne die Bank Bestand haben im Wettbewerb und bei örtlicher Präsenz die örtliche Abdeckung der Kundenbedürfnisse bewerkstelligen. Für die Zukunftssicherung der Bank sei die Fusion „fast alternativlos“.

Aufsichtsratsvorsitzender Franz Heger sagte, eine Verschmelzung beider Häuser tue auch der Region gut. „Wir können hier Weichen stellen.“ Die über 95-prozentige Zustimmung in Heldenfingen bezeichnete er als „Steilvorlage“. Auch der Aufsichtsrat stehe geschlossen hinter der Fusion. Vorstandsmitglied Jürgen Edel fasste die wesentlichen Gründe, Ziele und Chancen der Fusion zusammen: er nannte die zunehmende Regulatorik, den wachsenden Wettbewerbsdruck, die andauernde Niedrigzinsphase mit steigendem Kostendruck, die wachsenden Erwartungen und Bedürfnisse auf der Kundenseite, sowie die zunehmende Notwendigkeit einer bestimmten Betriebsgröße. Erwartet werde eine Optimierung bei der Betreuung der Kunden und Mitglieder, die Bündelung der Ressourcen beider Häuser, ein besseres Verhältnis zwischen der Kosten- und Risikosituation, insgesamt eine nachhaltige Leistungsfähigkeit.

Die fusionierte Bank wird rund 15 000 Mitglieder und 31 000 Kunden haben, sie wird mit ihren 153 Mitarbeitern den südlichen Landkreis Heidenheim und die angrenzende bayrische Nachbarschaft abdecken. Die Geschäftsstellenstruktur soll erhalten bleiben, mit 15 personell besetzten Geschäftsstellen und zwei SB-Filialen. Die Bilanzsumme wird rund 600 Millionen Euro betragen, das Kundenkreditvolumen 440 Millionen Euro, das Eigenkapital 36 Millionen Euro und der Jahresüberschuss 1,2 Millionen Euro. Insgesamt werde es keine spürbaren Veränderungen für Kunden und Mitglieder geben.

Banken passen gut zueinander

Die Kosten der Fusion bezifferte Edel auf 550 000 Euro, was sich aber durch erwarteten Synergiepotenziale bei Personal und Sachkosten bereits nach einem Jahr wieder amortisiere. Der Vorstand wird mit Hans Honold und Jürgen Edel besetzt, Willi Miller und Frank Renner von der Raiba Heidenheimer Alb werden mit Führungsaufgaben betraut. Der Aufsichtsrat wird um zwei Mitglieder von der Raiba Heidenheimer Alb erweitert (Martin Frey und Jens Seibold) und damit zeitlich befristet von neun auf zehn Mitglieder vergrößert. Auf Giengener Seite wurde Karl Fischer altershalber aus dem Aufsichtsrat verabschiedet, Hans Waldenmaier und Gerhard Burkhardtsmaier wurden einstimmig im Amt bestätigt.

Vor der Abstimmung stellte noch Wirtschaftsprüfer Kai-Uwe Dienstdorf in seinem Prüfungsgutachten fest, dass die Banken ähnlich seien und gut zueinander passen würden. Dienstdorf hatte immerhin die Ehre, dass ihm aus Reihen der Vertreter die einzige Frage des Abends gestellt wurde, nämlich wie seine Formulierung zu verstehen sei, die Kapitalausstattung der Bank sei „angemessen“. Dienstdorf sagte, dies bedeute, sie reiche für die von der Bank getätigten Geschäfte gut aus. Bei vergleichbaren Banken liege sie einen Tick höher. „Aber nur ganz wenig“, sagte er.

Die Abstimmungen in beiden Bankhäusern sind also erfolgt, die Entscheidung ist gefallen. Die Fusion tritt rückwirkend zum 1. Januar 2015 in Kraft.