Herbrechtingen Was die Feuerwehr macht, wenn’s grade nicht brennt

Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr gibt es allerhand Papierkram, der erledigt werden will. Wie in einer kleinen Firma geht es um Angebote, Bestellungen, Rechnungen etc. Doch die Leidenschaft für ihr Ehrenamt treibt die Kameraden an.
Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr gibt es allerhand Papierkram, der erledigt werden will. Wie in einer kleinen Firma geht es um Angebote, Bestellungen, Rechnungen etc. Doch die Leidenschaft für ihr Ehrenamt treibt die Kameraden an. © Foto: Markus Brandhuber
Herbrechtingen / Elena Kretschmer 31.08.2018
Sich dem Ehrenamt bei der freiwilligen Feuerwehr zu verschreiben, heißt nicht nur, an Einsätzen teilzunehmen. Es steckt wesentlich mehr dahinter – vor allem Organisatorisches.

Verantwortung für 54 Leute übernehmen, sie immer aufs Neue motivieren, den Haufen zusammenhalten und neben den Einsätzen auch noch den Papierkram erledigen – so ein Abteilungskommandant hat es nicht immer leicht. Da muss viel Herzblut drinstecken. Aber das gilt bei der Herbrechtinger Feuerwehr – und allen anderen Freiwilligen Feuerwehren – natürlich nicht nur für die Chefs, sondern für jedes einzelne Mitglied.

Pressesprecher Michael Salwik vergleicht die Aufgaben mit der einer Firma: „Man muss die Fahrzeuge und Geräte verwalten, sich um die Finanzen kümmern, dem Gemeinderat einen Investitionsplan fürs nächste Jahr vorlegen, schreibt viele Angebote, Bestellungen und Rechnungen und natürlich muss man dafür sorgen, dass immer genügend Leute da sind.“ In anderen Vereinen falle vielleicht mal ein Turnier oder ähnliches aus, aber bei Einsätzen sei das schlichtweg unmöglich: „Wenn die Bevölkerung Hilfe braucht, muss die Feuerwehr kommen.“

Fachbereiche und Einsatzpläne

Um alle Aufgaben abdecken zu können, ist die Feuerwehr in diverse Fachbereiche unterteilt. Ganz oben stehen, wie bereits erwähnt, die Abteilungskommandanten. In Herbrechtingen sind das Sascha Frey und sein Vertreter Benjamin Hofmann. Sie leiten und führen die Abteilungen und tragen sämtliche Verantwortung, weshalb laut Salwik Menschenkenntnis und gewisse Führungsqualitäten unverzichtbar sind. „Es kann auch mal sein, dass sie vor dem Staatsanwalt aussagen müssen“, erläutert er. Meist als Zeuge, aber auch dann, wenn bei einem Einsatz etwas schiefgeht.

Damit solche Fehler nicht passieren, erstellen Frey und Hofmann gemeinsam mit den Kameraden Einsatzpläne. Zu jedem Industrie- oder öffentlichen Gebäude überlegen sie, wie man am besten vorgeht, wie man anfährt und sich aufstellt. „Es gibt um die 20 bis 30 Pläne“, sagt Abteilungskommandant Frey und gibt zu: „Aber dadurch, dass in Herbrechtingen die Industrie in der Vergangenheit so extrem ausgebaut wurde, hinken wir ein bisschen hinterher.“

Denn so ein Plan ist mit viel Aufwand verbunden: Begehung mit der Geschäftsleitung, Gefahrgüter feststellen, Hydrantenpläne einsehen. „Da braucht es einige Sitzungen bis das steht.“

Das ständige Planen geht laut Frey in den Fachbereichen weiter: „Alle sind dynamisch, müssen sich immer den Gegebenheiten anpassen, egal, ob das neue Techniken oder Geräte oder was auch immer sind.“ Salwik fährt fort: „Der Fachbereich Atemschutz deckt zum Beispiel unsere Flaschen und Masken ab. Die sind neben den Fahrzeugen unser grundlegendes Gerät, drum ist hier die Ausbildung extrem wichtig.“ Das Equipment muss nach jedem Einsatz auf Funktionsfähigkeit geprüft werden und wenn etwas nicht passt, liegt es an den Bereichsleitern, es passend zu machen.

Beim Fachbereich Fuhrpark ist jeder für ein Fahrzeug zuständig, „übernimmt sozusagen eine Patenschaft“, so Salwik. „Das heißt, es muss geputzt werden und immer fahrbereit sein.“ Außerdem gibt es die Unterführer, die für Aus- und Fortbildung zuständig sind sowie die Fahrzeuge befehligen, die Türöffnung zur Unterstützung beispielsweise der Polizei und die First Responder, sprich Freiwillige, die zu medizinischen Notfällen ausrücken und Erste Hilfe leisten bis der Notarzt kommt.

Es gibt auch einen Hausmeister

„Natürlich muss sich auch jemand um die EDV kümmern und um die Haustechnik. Dazu haben wir einen Hausmeister, der auch im Haus wohnt, jemanden für die Elektrik und für unseren Bunker, den Hof und die Küche“, so der Pressesprecher weiter. Er selbst ist neben der Öffentlichkeitsarbeit für den Funk zuständig.

Ein weiterer Fachbereich ist der für die Einsatzberichte. „Zu jedem Einsatz gibt es einen. Der geht an die Stadt und da muss zum Beispiel drinstehen, was passiert ist und wie es passiert ist, welche Fahrzeuge dabei waren.“ Heuer sei es bisher ruhig gewesen. Bisher zählen die Herbrechtinger 85 Einsätze, im Jahr zuvor waren es bereits 100.

Die Homepage und Internetpräsenz wollen ebenfalls gepflegt werden und die Bekleidung muss auch jemand beschaffen, reinigen und protokollieren: „Helme, Jacken, Hosen, Schuhe gibt's bei uns. Nur die Unterhosen muss man selber mitbringen“, witzelt Salwik. Alle Mitglieder werden in der Personalkartei erfasst, der nächste Fachbereich, ebenso wie die Kasse und die Zuständigen fürs Stadtfest. „Da haben wir immer einen Stadl und geben Essen aus. Das muss auch organisiert werden.“ Extra gibt es dann noch den Vergnügungsausschuss, der sich um Weihnachtsfeier oder Grillfest kümmert. „Was in der Kasse eingeht, geht in den Vergnügungsausschuss. Damit alle mal in Ruhe mitsamt Familien zusammensitzen können.“

Je nach Amt bedeutet das im Schnitt einen Aufwand von fünf bis acht Stunden pro Woche und wenn man sich den Planungskalender mal ansieht, bleibt nicht viel Luft für andere Freizeitaktivitäten. Übungen wechseln sich ab mit Lehrgängen, Sitzungen und Einsätzen. Und auch die Rechtslage erschwert den Feuerwehrleuten zunehmend die Arbeit: Ölspuren dürfen beispielsweise nur noch Spezialfirmen beseitigen, ebenso wie Wespennester nur noch von Experten entfernt werden dürfen.

„Man muss schon sehr viel wissen und beachten. Und dann muss man binnen Sekunden die richtige Entscheidung treffen“, sagt Frey. Sein Vertreter Hofmann ergänzt: „Aber die Stimmung bei den Einsätzen ist einfach unbeschreiblich.“ Soll heißen: Getreu dem Motto „Einer für alle und alle für einen“ sei der Zusammenhalt einmalig. Und dies entschädige auch für die leidigen Zusatzaufgaben, die bei der kleinen Firma Feuerwehr eben auch anfallen.

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