Kreis Heidenheim Vermisste Person gesucht? Wann teilen wir den Aufruf?

Bei der Suche nach Vermissten helfen oft Rettungshunde. Symbolfoto.
Bei der Suche nach Vermissten helfen oft Rettungshunde. Symbolfoto. © Foto: Oliver Renter, stock.adobe.com
Kreis Heidenheim / Stefanie Kirsamer 09.11.2018
Immer wieder werden auf Facebook Vermisstenaufrufe veröffentlicht. Die Zeitung teilt diese aber nicht immer. Und was hält die Polizei von privaten Aufrufen im Netz?

Was tut die Heidenheimer Zeitung, wenn sie von Lesern über eine Vermisstenmeldung informiert wird?

Erstmal wird überprüft, ob an der Meldung etwas dran ist. Das heißt, wir fragen bei der Polizei nach, ob eine Vermisstenanzeige aufgegeben wurde. Ungeprüft wird ein solcher Aufruf von uns nicht veröffentlicht und auch nicht in sozialen Medien wie etwa Facebook geteilt.

Wann veröffentlicht die HZ Vermisstenmeldungen?

Erst wenn die Polizei eine öffentliche Fahndung nach einer Vermissten Person startet, schreibt die HZ etwas darüber und teilt dies auf ihren Kanälen.

Polizei-Pressesprecher Wolfgang Jürgens erklärt im nun folgenden Interview, wann die Polizei eine Vermisstensuche startet und wann ein Aufruf veröffentlicht wird.

Ab wann kann eine Person als vermisst gemeldet werden?

Eine Person kann sofort vermisst gemeldet werden, nachdem das Verschwinden bemerkt wurde. Doch handelt es sich nicht immer um einen Vermisstenfall im polizeilichen Sinne. Ein solcher liegt vor, wenn jemand sein gewohntes Umfeld verlassen hat und nicht bekannt ist, wo die Person sich aufhält. Bei Erwachsenen muss zusätzlich eine Gefahr oder der Verdacht einer Gefahr für Leib oder Leben bestehen.

Wann startet die Polizei eine öffentliche Vermisstenfahndung und welche Kriterien müssen dafür erfüllt sein?

Bei Öffentlichkeitsfahndungen sind die Belange der Vermissten und Ihrer Angehörigen besonders zu berücksichtigen. Denn nach der Rückkehr der Vermissten muss ein normales Leben möglich sein. Die Polizei ist auch aus den rechtsstaatlichen Gründen der Verhältnismäßigkeit und des Mindesteingriffs gehalten, zunächst andere erfolgversprechende Maßnahmen auszuschöpfen.

Warum dauert es manchmal solange bis eine öffentliche Fahndung gestartet wird?

Kommt eine Öffentlichkeitsfahndung in Betracht, wird diese vorzugsweise auf bestimmte Personenkreise beschränkt. Der weitreichendste Eingriff in die Rechte der Vermissten ist eine Fahndung unter Einbindung der breiten Öffentlichkeit. Sie muss deshalb sorgfältig abgewogen werden. Denn gerade bei Erwachsenen ist eine „persönliche Auszeit“, also die bewusste Entscheidung, das Umfeld (vorübergehend) zu verlassen, nicht selten. Deshalb gehen hier erste Ermittlungen im nahen Umfeld der Betroffenen voraus.

Was empfiehlt die Polizei Angehörigen von Vermissten?

Die Polizei empfiehlt den Angehörigen, im Falle des Verschwindens von Personen dies sofort der Polizei zu melden. Erfahrene Polizeibeamte treffen dann zusammen mit den Angehörigen die Entscheidung über das weitere Vorgehen.

Wann veröffentlicht die Polizei einen Vermisstenaufruf in sozialen Netzwerken?

Grundsätzlich hat jeder das Recht, selbst darüber zu entscheiden, welche Informationen von ihm veröffentlicht werden. Dieses Recht haben die Angehörigen und die Polizei zu respektieren. Liegt ein Vermisstenfall vor, fragt die Polizei die Angehörigen, ob sie einverstanden sind, wenn eine Öffentlichkeitsfahndung eingeleitet wird. Dazu kann sich die Polizei auch der sozialen Netzwerke bedienen.

Aus Gründen des Datenschutzes jedoch veröffentlicht die Polizei keine personenbezogenen Daten und Bilder auf fremden, geschweige denn nichtdeutschen Servern. Sie verlinkt vielmehr auf eine Öffentlichkeitsfahndung, die auf den Seiten des Landeskriminalamts Baden-Württemberg ins Netz gestellt wird.

Was ist davon zu halten, wenn Angehörige eigenmächtig Vermisstenmeldungen ins Internet stellen und diese in sozialen Medien verbreiten?

Die Polizei weiß um die Ängste der Angehörigen in solchen Fällen. Deshalb hat sie auch Verständnis dafür, dass Angehörige alles tun wollen, um die Vermissten zu finden. So wie die Polizei auch. Doch sollten auch Angehörige stets daran denken, dass auch sie schwerwiegend in die Rechte der Vermissten eingreifen. Wir empfehlen deshalb, vor einem solchen Schritt Kontakt mit der Polizei aufzunehmen und sich beraten zu lassen.

Wie hilfreich sind Fahndungen im Netz überhaupt bzw. man bekommt dann sicherlich viele Hinweise, aber sind diese auch wirklich zielführend?

Niemand kann sagen, ob Fahndungen im Netz hilfreicher sind als die auf anderem Weg. Viel wichtiger ist deshalb die Frage, was nach der Fahndung mit den Daten passiert, die im Netz stehen. „Das Internet vergisst nicht“, sagen Experten. Deshalb veröffentlicht die Polizei nur auf eigenen Servern. Dann hat sie auch die Chance, wenigstens die Daten zu löschen, die sie selbst eingestellt hat.

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