Herbrechtingen Günter Danzer aus Herbrechtingen erhält die Staufermedaille

Herbrechtingen / Günter Trittner 14.08.2018
Als Heimatforscher in Burgberg und Bewahrer der jenischen Sprache wurde Günter Danzer diese hohe Auszeichnung von Landrat Thomas Reinhardt übergeben.

Die Staufermedaille ist eine persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg für Verdienste um das Land. Als Günter Danzer am Montag vergangener Woche erfahren hatte, dass diese ihm verliehen werden soll, war er „vom Socken“.

Die Freude war dem 78-Jährigen auch noch Tage darauf ins Gesicht geschrieben, als ihm Landrat Thomas Reinhardt die Medaille aushändigte. Zugedacht war die Ehrung dem Heimatforscher Danzer, dem Bewahrer der jenischen Sprache, dem Mühlenkundler und -bauer, dem streitbaren Geist für das Wahre in der Geschichte, dem Mundartdichter und dem Theaterautor – einem Menschen, „der unermüdlich ist im Geiste wie im Körper“, wie Bürgermeister Dr. Bernd Sipple konstatierte.

Burgberg als Forschungsgebiet

Danzer hat vor vielen Jahrzehnten nach Herbrechtingen „geheiratet“, sein wesentliches Forschungsgebiet ist aber die angestammte Heimat Burgberg geblieben. Oberberg, das Schloss Burgberg, die Grafen von Linden und das Jenische, die Sprache der Landfahrer, die hier freiwillig/unfreiwillig heimisch geworden waren: „Sie haben dafür gesorgt, das diese Geschichte nicht vergessen wird und Burgberg stolz auf seine Geschichte sein kann“, anerkannte Landrat Thomas Reinhardt. Danzer sei es dabei nie um Nostalgie und Schönfärben gegangen. Er sei durchaus streitbar gewesen, wenn man die Ortsgeschichte vereinfacht wiedergegeben habe.

Gerade sein Wörterbuch des Jenischen abgeschlossen

Abgeschlossen hat Danzer aktuell sein Wörterbuch des Jenischen mit 35 000 Einträgen. Dank Danzers Bestandsaufnahme, so Reinhardt, habe das Jenische wieder mehr Bedeutung gewonnen. „Ein bedeutender Schritt gegen das Vergessen.“

Anliegen von Danzer sei es immer gewesen, Geschichte nicht nur zu erforschen, sondern sie auch anschaulich werden zu lassen. Er hat dies in Burgberg mit der Mahlmühle gezeigt, deren Restauration er als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Historisches Burgberg nach Kräften betrieben hat. Ein Höhepunkt in diesem Bemühen: Der IG war es gelungen, die Bundeswehr zu einer Ziellandeübung zu motivieren. Und so hing am 23. November 2000 am Seil eines Hubschraubers ein riesiges Mühlrad, dass die IG in Altenstadt in Bayern aufgetan hatte, das sich aber auf der Straße nicht als transportabel erwiesen hatte. Als dieser Ersatz für das verlorene Mühlrad eingeflogen wurde, da war ganz Burgberg Augenzeuge. „Ihr größter Coup“, meinte Reinhardt zu Danzer.

Ein einmaliges Modell

1520 Arbeitsstunden hat der Geehrte darauf verwendet, nach einem Grundriss aus dem Jahr 1682 die Obere Mühle in Herbrechtingen als voll funktionstüchtiges Modell im Maßstab 1:10 nachzubauen. Dieses 2012 fertiggestellte Modell ist heute im Karl-Kaipf-Heim zu sehen und ist nach dem Urteil des Verbands Deutscher Mühlen einmalig in ganz Deutschland.

„Wir brauchen solche Menschen wie Sie“, meinte Martin Grath, der Landtagsabgeordnete der Grünen, zu Günter Danzer. Grath bat den Herbrechtinger, mit seinen Projekten fortzufahren. „Das macht das Leben interessant.“ Danzer sagte von Herzen Danke für diese hohe und seltene Auszeichnung. Und „Weitermachen“ wird Danzer sowieso. Als „alter Sportler“ schwingt er sich auch bei großer Hitze noch morgens aufs Rad für eine 50 oder 60 Kilometer lange Tour.

Seit 1977 wird die Staufermedaille verliehen

Die Staufermedaille wurde 1977 anlässlich der Ausstellung zur Geschichte und Kultur der Stauferzeit und dem Staufer-Jahr 1977 in Baden-Württemberg erstmals geprägt und herausgegeben. Sie ist eine besondere, persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten für Verdienste um das Land Baden-Württemberg und seine Bevölkerung. Sie wird in der Regel in Silber vergeben, in seltenen Fällen auch in Gold. Jedermann kann formlos eine schriftliche Anregung beim Staatsministerium einbringen.

Mit der Staufermedaille hat das Land zwei Verdienstmedaillen: Die Ehrennadel, die pro Jahr ungefähr 400mal vergeben wird und die Staufermedaille, die pro Jahr ungefähr 50mal vergeben wird. Als Ehrung kommt noch der Landesverdienstorden hinzu, der pro Jahr ungefähr 30mal vergeben wird.

Die Vorderseite der Medaille zeigt ein Thronbild von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, streng frontal, angelehnt an die spätantike und byzantinische Tradition der Herrscherdarstellung mit Reichskrone, Friedenszepter, Reichskreuz und Sphaira, den Reichsinsignien des römisch-deutschen Reiches. Die Rückseite zeigt das Wappen mit den drei Löwen, das seit König Heinrich (VII.), dem ältesten Sohn und Mitkönig Friedrichs II., von den Staufern geführt wurde und seit 1952 das Wappen des Landes Baden-Württemberg ist.

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