Königsbronn Und jetzt alle: „O sole mio“

Die drei Tenöre Leon de la Guardia, Christoph Wittmann und Marian Talaba beendeten den Blauen Abend in der Hammerschmiede mit einem Paukenschlag. Sogar das Publikum stimmte in den Refrain von „O sole mio“ mit ein.
Die drei Tenöre Leon de la Guardia, Christoph Wittmann und Marian Talaba beendeten den Blauen Abend in der Hammerschmiede mit einem Paukenschlag. Sogar das Publikum stimmte in den Refrain von „O sole mio“ mit ein. © Foto: Oliver Vogel
Königsbronn / Tina Lischka 29.06.2018
Vom Spiel auf einer Zither über virtuose Klavierstücke bis hin zu Musicalsongs war am Donnerstag in der Hammerschmiede alles geboten. Zum Schluss wurde sogar gemeinsam gesungen.

Das Rauschen des Wassers ist durch die geöffneten Türen zu hören. Es untermalt Klaviertöne, Klänge einer Geige und die verträumte Musik einer Zither, die abwechselnd auf der Bühne im Saal gespielt werden. Und dann setzt wieder der Gesang ein – Gesang, der Gänsehaut, ein Lächeln und pure Begeisterung hervorruft.

Wer am Donnerstagabend beim Blauen Abend der Opernfestspiele in der Königsbronner Hammerschmiede war, ist voll und ganz auf seine Kosten gekommen. Dazu haben neben den Darbietungen der Solisten der zweiten Oper in dieser Saison, „I Lombardi“, der Begleitung an Klavier sowie Geige auch das kulinarische Angebot und ein auf den Blauen Abend abgestimmtes Ambiente beigetragen.

Durch die Tischreihen laufend, ging Tenor Christoph Wittmann beim Lied „Man müsst noch einmal 20 sein“ sogar vor einer Besucherin auf die Knie und sorgte damit beim Publikum für Begeisterung. Er ist nicht nur Teil der Besetzung bei „I Lombardi“ sondern auch in der Oper „Nabucco“ als Abdallo zu hören.

Borstenvieh und Schweinespeck

Lustig wurde der Abend mit dem Bassbariton Daniel Dropulja, der in der zweiten Oper den Pirro singt. Dropulja fesselte das Publikum förmlich mit seinem Gesang und sorgte mit der Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss für so manchen lautstarken Lacher. „Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck“ ertönte es immer wieder durch die Hammerschmiede.

Besonders emotional wurde es, als Marian Talaba ein ukrainisches Volkslied zum Besten gab. Seine schmetternde Stimme erfüllte den Raum und berührte zugleich. Er ist ebenfalls Teil der Besetzung in der Oper „Nabucco“ (Ismael) und als Oronte in „I Lombardi“ zu hören.

Gefühlvoll ging es weiter mit dem künstlerischen Direktor der Opernfestspiele Marcus Bosch am Klavier und dessen Studenten, dem Ukrainer Artem Lonhinov, auf der Geige – sie verwöhnten das Publikum mit Musik auf höchstem Niveau.

Auch Musicalsongs gehörten zum Programm. Andrew Nolens Interpretation von „If ever I would leave you“ leitete mit tosendem Applaus die Pause ein, in der das Team von „Widmanns Löwen“ in Zang den Hauptgang reichte, um die Besucher an diesem Abend kulinarisch zu verwöhnen.

Bevor der Abend musikalisch fortgesetzt wurde, sang Marcus Bosch ein Geburtstagsständchen für die Sopranistin Astghik Khnamiryan und der gesamte Saal stimmte ein. Sie und Ira Bertman, ebenfalls Sopranistin, waren nur als Zuschauer da, weil beide die Titelpartie der Abigail in der Oper „Nabucco“ singen, die am Freitagabend Premiere hatte.

Auch Pavel Kudinov ist als Zacharias in „Nabucco“ zu hören. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, das Publikum in Königsbronn am Abend vor der Premiere mit einem besonderen Auftritt zu begeistern. Auf seiner Zither spielte er eine Ballade, die in Kombination mit dem Rauschen der Brenz und seinem Gesang für beinahe magische und ebenso verträumte Momente in der Hammerschmiede sorgte.

In den Genuss der vollen Stimmgewalt von Anna Werle konnte man bei ihrem Auftritt zu „Spiel auf deiner Geige das Lied von Leid und Lust“ kommen. Die Sopranistin, die in „I Lombardi“ die Viclinda singt, lief dabei durchs Publikum; die unmittelbare Nähe verlieh ihrer Stimme eine atemberaubende Größe.

Ohne Gesang konnte hingegen Pianist Paul Taubitz bestechen. Er und Artem Lonhinov sind in beiden Verdi-Opern die musikalische Assistenz von Marcus Bosch. Taubitz ist ebenfalls Student von Bosch und zeigte sein Können bei „Gaspard de la nuit“ von Maurice Ravel. Unwillkürlich wurde man dazu verleitet, den Blick auf seine Hände zu richten, die in Sekundenschnelle über die Tasten flogen. Virtuos, ungewöhnlich, aber auch berührend beendete er das offizielle Abendprogramm.

Die Zugabe hatte es in sich

Doch damit nicht genug: Eine Zugabe, während das gesamte Küchenteam auf der Bühne stand, durfte nicht fehlen. Es war eine Zugabe, die es in sich hatte. Denn: Drei Tenöre, Leon de la Guardia, Marian Talaba und Christoph Wittmann, sangen gemeinsam „O sole mio“ und verleiteten das Publikum zum zweiten Mal an diesem Abend dazu, lautstark mitzusingen. Die 180 Besucher schafften es jedoch bei weitem nicht, die gewaltigen Stimmen der drei Tenöre zu übertreffen. Und so fand ein Abend mit unzähligen Höhepunkten den perfekten Abschluss.

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