Schule Umfrage: Nattheimer wollen keine Ganztagsbetreuung

Beginnt nachmittags beim Mittagessen in der Mensa: Das hochgelobte Betreuungsangebot an der Wiesbühlschule.
Beginnt nachmittags beim Mittagessen in der Mensa: Das hochgelobte Betreuungsangebot an der Wiesbühlschule. © Foto: Foto: Timo Landenberger
Timo Landenberger 26.05.2015
Alles andere wäre eine Überraschung gewesen: In einer Umfrage sprachen sich die befragten Eltern mit großer Mehrheit gegen ein Ganztagesmodell an der Wiesbühlschule aus. Die bestehende, flexible Betreuung wird beibehalten. Allerdings werden die Gebühren erhöht.

Wirklich damit gerechnet, dass es in Nattheim künftig ein Ganztagesmodell für die Wiesbühlschule gibt, hat in der Gemeinde wohl niemand. Dennoch brodelte seit Herbst 2014 die Gerüchteküche. Auslöser war, wie berichtet, eine Änderung des Schulgesetzes durch die Landesregierung. Demnach haben nun auch Grundschulen die Möglichkeit, einen Antrag auf Ganztagesbetrieb zu stellen. In Nattheim fürchteten die Eltern deshalb um das bestehende und hoch gelobte Betreuungsangebot. Damit ist nun Schluss: Das Ganztagesmodell ist vom Tisch.

Doch das kam nicht von heut auf morgen. Der Sache angenommen hatten sich Stefan Dorschner und Thomas Schneider vom Förderverein, die sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Thematik beschäftigt hatten. Als in erster Linie selbst betroffene Eltern brachten die Beiden eine gemeinschaftliche Entscheidungsfindung auf den Weg und holten sämtliche Beteiligte ins Boot. Eine repräsentative Elternumfrage mittels Fragebogen schloss sich an, die eine belastbare Grundlage für das weitere Vorgehen darstellen sollte.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats stellten die engagierten Väter die Ergebnisse vor. „Auch dank der Unterstützung der Schulen und Kindergärten haben wir eine Rücklaufquote von 85 Prozent“, sagte Thomas Schneider nicht ohne Stolz. Befragt wurden die Eltern von Grundschülern der Wiesbühlschule und der Grundschule Auernheim sowie die Eltern der Kinder im Vorschuljahr und im vorletzten Kindergartenjahr. Insgesamt wurden 282 Fragebogen ausgegeben. Die hohe Beteiligung belege das große Interesse der betroffenen Eltern und sorge für sehr belastbare Ergebnisse, sagte Schneider.

Und die sind eindeutig: 97 Prozent sprachen sich gegen ein Ganztagesmodell und für den Erhalt des bestehenden Betreuungskonzepts aus. Zentrales Kriterium, so Schneider weiter, sei hierbei die Flexibilität. 73 Prozent würden bei Einführung einer Ganztagesschule sogar einen Schulwechsel in Erwägung ziehen. Auch wenn es im Ernstfall wohl nicht ganz so viele wären stelle dies ein erhebliches Risiko für die Wiesbühlschule dar.

Klares Votum also, dem sich auch der Gemeinderat anschloss und von einer Beantragung auf Ganztagesbetrieb vorerst Abstand nahm – vorbehaltlich einer anderslautenden Entscheidung der Schulkonferenz. „Aber die Schule steht geschlossen hinter dem Wunsch der Eltern“, sagte Schulleiter Günther Bargiel. „Besonders, da die gesamte Entscheidungsfindung nicht von der Schulleitung, sondern von den Eltern selbst angestoßen und durchgeführt wurde.“

Einen „kleinen Wermutstropfen“ hingegen fand Günther Paschaweh, Fraktionsvorsitzender der SPD/Unabhängige: „Bei einem Ganztagesbetrieb bekäme die Schule zusätzliche Lehrerwochenstunden vom Land zugewiesen und die Modelle kosten die Eltern gar nichts.“ Für das gegenwärtige und von der Gemeinde finanzierte Betreuungskonzept hingegen rechnet die Verwaltung mit Kosten von etwa 24 000 Euro für das laufende Jahr. 14 000 Euro davon tragen die Eltern. „Und die Flexibilität ist dem Team zu verdanken, das sich dort engagiert. Das kann sich aber ändern“, ergänzte Fraktionskollege Erwin Schöfl.

Hauptamtsleiter Hanns Klein setzte dagegen: „Derzeit wird das Ganztagesmodell vielerorts eingeführt. Für die Betreuungszeiten vor und nach dem Unterricht fallen aber dennoch Gebühren an. Und der Beschluss ist ja nicht für immer und ewig.“ An der Nattheimer Wiesbühlschule nutzen aktuell 48 Kinder beziehungsweise deren Eltern das Betreuungsangebot. Im Schnitt zahlen diese 33,50 Euro pro Kind und Monat. Künftig werden die Gebühren laut Gemeinderatsbeschluss allerdings um einen Euro je Einheit angehoben. Dadurch erhöht sich der Durchschnitt auf 39,50 Euro im Monat.