Königsbronn Tschüss, Rössle! Die Lindenmeyers hören am 31. Oktober auf

Die Tür zum „Weissen Rössle“ bleibt ab dem 31. Oktober erstmal geschlossen. Lorenz und Gerda Lindenmeyer hören nach 40 Jahren als Wirte auf.
Die Tür zum „Weissen Rössle“ bleibt ab dem 31. Oktober erstmal geschlossen. Lorenz und Gerda Lindenmeyer hören nach 40 Jahren als Wirte auf. © Foto: Christian Thumm
Königsbronn / Carolin Wöhrle 14.09.2018
40 Jahre lang war das Königsbronner Gasthaus „Weisses Rössle“ mit der Familie Lindenmeyer fest verbunden. Am 31. Oktober wird es vorerst zum letzten Mal geöffnet sein.

Es ist ein sonniger Nachmittag. Gerda Lindenmeyer schließt die Tür zum „Weissen Rössle“ auf, so wie sie es seit mittlerweile vier Jahrzehnten tut. Es ist einfach „ihr Rössle“. Das ihres Mannes Lorenz und das ihrer beiden Söhne Norbert und Stefan. Der Alltag, das Leben der Familie ist fest mit dem Gasthaus verbunden. Norbert und Stefan kennen nichts anderes.

Jetzt allerdings wird es langsam Zeit, Abschied zu nehmen. Am 31. Oktober wird das „Weisse Rössle“ zum vorerst letzten Mal geöffnet sein. Lorenz und Gerda Lindenmeyer haben diese Entscheidung nicht leichtfertig, sondern sehr bewusst getroffen. Es gibt Dinge im Leben, die sind einfach wichtiger als die Arbeit: Vor fünf Jahren bekam der heute 65-jährige Koch Lorenz gesundheitliche Probleme. Einen „Warnschuss“ nennt er diese Zeit. Einen, den er ernst genommen hat und aus dem er jetzt seine Konsequenzen zieht.


Erst Metzger, dann Koch

Gebürtig sind weder Gerda noch Lorenz aus Königsbronn, wenngleich man sie mittlerweile sicherlich zu den „Ur-Königsbronnern“ zählen würde. Beide stammen aber aus der Nähe von Dinkelsbühl.

Lorenz kam als dreijähriger Junge nach Itzelberg, begann mit 14 eine Metzgerlehre und schloss anschließend in Ravensburg eine Ausbildung zum Koch an, die er in Itzelberg beendete. In England, Davos und in München sammelte er Erfahrungen in Hotel- und Restaurantküchen.

Und dann, ja, dann kam das „Rössle“. Eigentlich unerwartet und so nicht geplant: Der damals 26-jährige Lorenz und Gerda, damals 18 Jahre alt, hatten eigentlich vorgehabt, nach München zu gehen. Es kam anders. Sie übernahmen die Pacht für das Königsbronner Gasthaus direkt neben der Brauerei.

Ein halbes Jahr nach der Eröffnung 1978 kam Sohn Norbert zur Welt. 1985 folgte dann Stefan.

Gerda Lindenmeyer erinnert sich noch gut an die Anfangszeit: „Die alteingesessenen Königsbronner haben uns damals, als wir aufgemacht haben, höchstens zwei Jahre gegeben“, sagt sie und lacht: „Ich würde mal sagen, denen haben wir das Gegenteil bewiesen.“

Es seien schöne vier Jahrzehnte gewesen, sagen beide. Mit Höhen und Tiefen, klar. Aber vor allem vier Jahrzehnte mit und für ihre Gäste. „Es ist etwas Besonderes in der Gastronomie“, erklärt Gerda Lindenmeyer: „Wir waren immer irgendwie dabei: wenn die Taufe eines Kindes gefeiert wurde, wenn dieses Kind dann Konfirmation hatte, wenn es später bei uns Hochzeit gefeiert hat. Und wenn dann wiederum eine Taufe anstand.“

Das alles geschafft, Tag für Tag, haben sie als Familie: Lorenz und Sohn Stefan in der Küche, Gerda und Sohn Norbert im Service und Management.

Zu viel Bürokratie

Dass keines der beiden Kinder jetzt das „Rössle“ weiterführen möchte, das war innerhalb der Familie nie ein Problem. „Das würde ich für meine Söhne gar nicht wollen“, sagt Lorenz. Ein neuer Pächter, und sei es der eigene Sohn, müsste viel ins alte Gasthaus investieren. Bürokratie mache es den Gastwirten zusätzlich schwer. „Da muss man schon in der Gastronomie sesshaft werden wollen.“

Mittlerweile hat die Gemeinde Königsbronn das Gebäude gekauft. Was damit geschehen wird, ist noch unklar. „Und mir ist das eigentlich gar nicht so wichtig“, sagt Lorenz. „Aber es wäre schon schön, wenn es hier mit der Gastronomie weitergehen könnte.“

Reaktionen auf ihre Entscheidung haben die Lindenmeyers in den letzten Monaten viele bekommen. „Die meisten finden es schade und fragen, wo sie jetzt ihren Rostbraten und ihre Ente essen sollen“, sagt die Wirtin. Dankbar sei sie für all die Unterstützung durch die privaten und geschäftlichen Gäste, die sie gehabt haben.

Ein Fest zum Abschied vom „Rössle“ wird es am 31. Oktober nicht geben, ganz bewusst nicht. „Es wird ein ganz normaler Öffnungstag sein“, sagt Lorenz.

Und danach?

Gerda, 58 Jahre alt, würde gerne noch ein paar Jahre lang weiter in der Gastronomie arbeiten. Die beiden Söhne seien ebenfalls beruflich „versorgt“. Und Lorenz? „Ich würde mal behaupten, mehr als 51 Jahre in der Küche sind genug“, sagt der 65-Jährige.

Dann überlegt er. Na ja, ein wenig etwas tun wolle er natürlich schon noch. „Von 100 auf Null geht ja auch nicht.“ Auf keinen Fall mehr à la carte kochen, das steht fest. Aber vielleicht ja doch nochmal etwas mit Gastronomie?

Noch bis Mittwoch, 31. Oktober, ist das „Weisse Rössle“ geöffnet. Bis dahin können auch Gutscheine noch eingelöst werden.

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