Nattheim Tobias Weber: der Kopf hinter dem Breamahock

Tobias Weber: der Kopf hinter dem Breamahock.
Tobias Weber: der Kopf hinter dem Breamahock. © Foto: Sabrina Balzer
Nattheim / Joelle Reimer 10.07.2018
Der 47-Jährige ist nicht nur stellvertretender Bürgermeister und Gemeinderat in Nattheim, er organisiert auch den Breamahock – dieses Jahr bereits zum zehnten Mal.

Im Sommer verwandelt sich Nattheim jedes Jahr drei Tage lang zu einer Feiermeile. Zum Breamahock, der dieses Jahr vom 13. bis 15. Juli stattfindet, kommen nicht nur Einheimische, sondern auch Besucher aus den Nachbargemeinden sowie Radsportbegeisterte. Der 47-jährige Tobias Weber, Gründer und Organisator der Veranstaltung und Vorsitzender des Nattheimer Kultur- und Jugendvereins, spricht im Interview über das einstige Dorffest, die Namensgebung und über Professionalität im Kleinen.

Zehn Jahre Breamahock. Sie waren von Anfang an als Organisator mit dabei. Was ist das Besondere daran?

Tobias Weber: Was mich nach wie vor riesig freut, ist, dass 19 Vereine bzw. Abteilungen mit dabei sind. Es geht nicht nur darum, eigene Ideen zu haben oder dem Ganzen vorzustehen, sondern vor allem darum, die Leute, die die Ideen haben, zusammenzubringen. Sie für etwas Gemeinsames zu begeistern.

Diese Vermittlerrolle nehmen Sie ein?

Weber: Das ist meine Aufgabe, ja. Menschen mit guten Ideen, die gibt es zu genüge. Aber die Ideen auf den Tisch zu bringen, so dass andere mitgehen können, vielleicht noch die eigene Kreativität mit einzubringen und das Ganze zu verknüpfen – das ist mein Job. Ich versuche zu zeigen, dass wir alle etwas davon haben, wenn wir das Fest gemeinsam machen.

Ganz einfach ist es aber für Vereine heutzutage auch nicht mehr, so etwas auf die Beine zu stellen . . .

Vereine haben es heute sicher schwerer, das stimmt. Nicht mehr viele Menschen sind bereit, ihre Freizeit fürs Ehrenamt zu opfern.

Deswegen ein Fest mit allen Vereinen?

Ein Fest wie der Breamahock hat Vorteile für alle. Das Besondere ist, dass Gemeinderat und Bürgermeister dahinter stehen und es als Vereinsförderung sehen. Das heißt, die Gemeinde gibt da einiges an Geld.

Was kostet denn ein Breamahock?

Wir sprechen von einer deutlich fünfstelligen Summe. Dabei ist der Aufwand des Bauhofs noch gar nicht mitgerechnet. Wenn man das weiß, weiß man auch, wie groß die Chance ist, dass die Vereine dort ohne Risiko Geld verdienen können. Und als Verein zu wissen, dass es in der Hinterhand einen Notfallplan gibt, falls es mal komplett schief gehen sollte, das ist viel wert. Früher hat man Feste gemacht, sich zwei Wochen abgemüht – und am Ende war das Wetter schlecht oder es kamen einfach zu wenige Besucher und man hat drauf gezahlt.

Gab's solche Feste in Nattheim auch?

Die TSG hat seit 1976 das Dorffest organisiert. Anfangs haben sie es richtig kreativ angepackt, es gab viele besondere Sachen, aber Mitte der 90er Jahre wurde es immer schwieriger. Es lief zunehmend schlechter. Man hatte Probleme, genügend Helfer zusammen zu bekommen. Vielleicht, weil andere Gemeinden mit ihren Festen nachgezogen haben. Sicher aber auch, weil es irgendwann normal wurde und manche nicht mehr mit so viel Spaß dabei waren.

Dann entstand der Breamahock?

Nicht unmittelbar. Das Dorffest lief schlechter, trotz großer Anstrengungen der TSG. Dann haben wir im Jahr 2000 gemeinsam ein Dorffest mit vielen neuen Attraktionen gefeiert. Es hat aber noch neun Jahre gedauert, bis alle gemerkt haben: Das war gar nicht schlecht. Ich habe die Idee dann in den Gemeinderat eingebracht und dachte, das muss doch jetzt laufen.

Und – lief's?

Ja. Gleich der erste Breamahock war ein Paukenschlag. Das Fest bringt ja auch der Gemeinde etwas, stellt unser Dorf in den Vordergrund. Zunächst aber mussten die Teilgemeinden dafür gewonnen werden, dann entwickelte ich gemeinsam mit einer Agentur das Breamalogo. Meine Erfahrungen aus „Top-of-Rock“-Zeiten haben hier geholfen. Außerdem musste die TSG überzeugt werden, dass sie durch die Zusammenarbeit mit den anderen Gruppierungen nichts verliert, sondern dass der Aufwand geringer wird. Heute verdient die TSG in Summe wesentlich mehr als beim früheren Dorffest und ist nach wie vor eine wichtige Stütze. Christian Wegerhoff und Norbert Hochholzner zum Beispiel helfen rund um die Uhr.

Breamahock: woher der Name?

Mit dem Namen Breamahock hatte ich lange Zeit ein Problem. Denn der suggeriert Nattheim – die „Bream“ ist ein Synonym für die Nattheimer. Dabei sind mir Steinweiler, Auernheim und Fleinheim genauso wichtig. Es sollte ein Fest für die Gesamtgemeinde sein. Auf den Namen kamen wir durch ein Quiz, bei dem Bürger zur Namensfindung befragt wurden.

Alleine ist so eine Veranstaltung sowieso nicht zu stemmen. Aber was ist bei der Planung wichtig?

Professionell an die Sache ran zu gehen. Auch, wenn es „nur“ ein Dorffest ist. Ein Fest wird immer vorher entschieden. Zu glauben, man macht ein Fest und dann kommen alle, läuft nicht. Also haben wir Werbung gemacht, Plakate und Flyer aufgehängt und ausgeteilt.

Professionalität bringt also Erfolg?

Es wäre vermessen, für andere zu sprechen. Aber es ist so: Wenn man anfängt, über 200 Euro für Werbung zu diskutieren – das rächt sich.

Genau wie Stillstand. Im zehnten Jahr gibt's einen neuen Termin, ein neues Logo, und das Straßenrennen wird durch Mountainbike ersetzt . . .

Da hat sich der Verein Bike Sport Nattheim wirklich Gedanken gemacht. Das Straßen-Radrennen war super, hatte aber mehr den Profi-Touch. Für das, was geboten wurde, kamen zu wenig Zuschauer. Ich denke, das wird beim Mountainbike anders. Auch die Idee der Fleinheimer mit dem Ochs am Spieß ist toll. Und: Dieses Jahr wollen wir ein Musikfeuerwerk machen. Das soll auf der Bühne beim ,Ochsen' zum Takt der Musik abgeschossen werden. Um es hoch genug zu platzieren, brauchen wir eine fünf Meter hohe Abschussrampe.

Sie sind im Gemeinderat und in den Nattheimer Vereinen aktiv. So eine Veranstaltung ist kein Selbstläufer . . .

Es ist Fluch und Segen, aber es läuft echt rund. Der Breamahock ist nicht mehr der große Zeitfresser, zumal das Rathaus viel in die Hand nimmt. Allerdings müssen wir höllisch aufpassen, dass es nicht zur Gewohnheit wird. Jetzt kommt genau der Punkt, der auch beim ursprünglichen Dorffest mal eine entscheidende Rolle gespielt hat: Alle waren bemüht, aber es stellt sich die Frage nach Ideen, nach Veränderungen. Sonst schläft das Ganze ein. Mir ist das extrem wichtig, deswegen haben wir nun auch neue Leute ins Team geholt. Andere Leute haben andere Ideen.

Dazu haben Sie drei Kinder und sind auch geschäftlich bei der Firma Voith stark eingebunden . . .

Ja, wobei – zu Hause bin ich leider keine allzu große Stütze, da hält mir meine Frau den Rücken frei, sonst könnte ich mich auch nicht so extrem bei Voith engagieren. Dort bin ich für den Bereich Neuentwicklungen für Voith Turbo Mobility verantwortlich. Da wird zum Beispiel gerade der neue Antriebsstrang für E-Stadtbusse entwickelt – davon werden 2019 auch bei der HVG drei im Einsatz sein.

Sie bleiben aber weiterhin der Organisator des Breamahocks?

Mein Job, die Leute zusammenzubringen – daran habe ich Spaß. Aber wir brauchen jetzt neuen Schwung. Man neigt ja auch dazu, seine eigenen Ideen immer als die besten zu empfinden – was sie in der Regel aber nicht immer sind . . .

. . . was bedeutet, dass . . .?

Es bedeutet: Wenn es jemanden geben würde, der morgen sagt, er macht es – nichts schöner als das. Wenn nicht, werde ich das Ganze sicher nicht einfach fallen lassen. Es ist ja für mich auch ein Ausgleich zum Berufsleben. Ein Stück Freizeit, das mir viel wert ist. Aber auch aus familiären und beruflichen Gründen wird es Zeit, an neue, findige und verbindende Menschen zu übergeben.

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