Herbrechtingen / Günter Trittner  Uhr
Ein Herbrechtinger Unternehmen hat Anteil am spektakulären Tauchrekord eines U-Bootes im Pazifik. Heinz Fritz hat die drei Unterwasserfenster gefertigt. Sie müssen einem Druck von 1500 Tonnen standhalten.

Vor wenigen Tagen wurde bekannt gegeben, dass am 28. April ein amerikanisches Forschungsteam im Marianengraben mit 10 928 Metern einen neuen Tieftauchrekord aufgestellt haben will.

Am tiefsten Punkt der Erde

Dazu, dass Victor Vescovo am tiefsten Punkt der Erde im westlichen Pazifik aus seinem U-Boot „DSV Limiting Factor“ neben drei unbekannten Tierarten auch eine Plastiktüte hat sehen können, hat wesentlich ein Herbrechtinger Unternehmen beigetragen. Die drei Unterwasserfenster in der Titaniumkugel hat der renommierte Acryl-Spezialist Heinz Fritz gefertigt. Seit die Firma 2014 eine U-Boot-Kabine komplett aus Acryl gebaut hat, hat ihr Name auch in der Welt der Unterwasserexpeditionen einen guten Klang.

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Vescovo hat mit seinem Tauchgang die seit dem Jahr 1960 bestehende Bestmarke von 10 912 Metern übertroffen, die von den Ozeanografen Don Walsh und Jaques Piccard aufgestellt worden war. Insgesamt fünf Tauchgänge machte Vescovo im Süden des Marianengrabens, bereits der erste führte ihn zum neuen Rekord. Ziel seiner Unternehmung ist es, mittels Sonar den Meeresgrund zu vermessen.

Weitere Tauchgänge geplant

Das Spezial-U-Boot, mit dem der Rekord aufgestellt wurde, stammt von der US-Firma Tritons Submarines. Das 4,6 Meter lange Gefährt, das bis zu zwei Personen Platz bietet, muss in 11 000 Metern Tiefe einem Druck von rund 1000 Bar standhalten. Das Expeditionsteam plant weitere Tauchgänge im Tongagraben im Südpazifik, der als die zweittiefste Stelle der Weltmeere gilt.

Die Firma Triton Submarines war es denn auch, die im September 2012 das Herbrechtinger Unternehmen Heinz Fritz angesprochen hatte. Für Triton hat Fritz eine 2,1 Meter durchmessende Kugel komplett aus Acryl gefertigt, in welcher der Pilot und zwei Passagiere Platz finden. Das durchsichtige Material vermittelt den  Insassen des U-Boots den Eindruck, frei im Meer zu schweben. Der Blick nach draußen wird durch die Acrylhülle nicht verzerrt.

Experte für das Kleben

Aufgrund des starken Schrumpfs bei der Aushärtung lassen sich Kugeln aus Acryl nicht in einer Form gießen. Fritz musste daher zwei Halbkugeln verkleben. Die Naht soll dabei möglichst nicht zu sehen sein. 15 Jahre hat Fritz, der Maschinenbau mit der Fachrichtung Kunststoff studiert hat, mit Klebeverbindungen experimentiert. Seit acht Jahren hat der Firmenchef ein stabiles System. Seine Klebenaht hat eine extrem hohe Festigkeit. Ausgelegt war die Triton-Kugel für bis zu 1250 Meter. „Es geht noch tiefer“, war sich Fritz damals sicher. Vom Material her und von der Klebung.

Jedes Fenster wiegt 20 Kilo

Die Fenster, welche Heinz Fritz für den Rekordtauchgang gefertigt hat, sind wesentlich kleiner. Außen haben sie einen Durchmesser von 40 Zentimetern, innen im Boot von zehn Zentimetern. Die Dicke beträgt 30 Zentimeter. Jedes Fenster wiegt zirka 20 Kilogramm. In der Rekordtiefe lastete auf jedem Fenster ein Druck von 1500 Tonnen.

Größte Kugel aus Plexiglas

In circa vier Wochen wird das Unternehmen Heinz Fritz die größte jemals hergestellte Plexiglas-Kugel der Welt formen mit einem Durchmesser von 2,6 Metern und einer Wanddicke von 20 Zentimetern. Die Kugel wird ein Gewicht von circa 4 Tonnen haben. Als Tauchkapsel kann sie sechs Personen aufnehmen. Sie ist für eine Tauchtiefe von 1000 Metern ausgelegt. Das Unternehmen Heinz Fritz besteht seit 1950 und hat mit dem Gravieren von Schildern seinen Anfang genommen. Heinz Fritz hat den Ehrgeiz, den Werkstoff Acryl an seine Grenzen zu führen.