Kapfenburg Süßer Italiener auf der Kapfenburg

„This is a beautiful place“: Zucchero auf der Kapfenburg. Mehr Bilder auf www.hz.de
„This is a beautiful place“: Zucchero auf der Kapfenburg. Mehr Bilder auf www.hz.de © Foto: Markus Brandhuber
Kapfenburg / Manfred F. Kubiak 30.07.2018
Zucchero lässt sich von 2500 Fans beim Festival auf der Kapfenburg feiern und lockt am Ende sogar noch den über dem Härtsfeld zunächst gut versteckten Star der Mondfinsternis hervor.

Wer sich daran erinnern kann, wie heruntergekommen noch vor gut 20 Jahren die Kapfenburg war, freut sich bei jedem Wiedersehen darüber, dass Steuergelder auch sinnvoll investiert werden. Wer weiß, ob selbst Dornröschen mit solcher Verve wachgeküsst worden ist wie dieses wundervolle Ensemble, das nun als internationale Musikschulakademie das ganze Jahr über mit Leben erfüllt ist. Und im Sommer als atemberaubender Ort für ein Musikfestival dient. Vergangenen Freitag war Zucchero da.

Zucchero. Den Mann rufen sie so, seit er denken kann. Als kleiner Junge muss er ziemlich süß gewesen sein. Inzwischen trägt er einen Zylinder und sieht nicht zuletzt deshalb ein wenig aus wie der Direktor eines etwas angeschlagenen Varietés. Aber selbstverständlich trügt der Schein: Ein 62-Jähriger, dem immer noch die Leute nachlaufen, hat eindeutig etwas aus seinem Leben gemacht.

Englische Krümel

Zucchero hat sich als eine Art Inkarnation des italienischen Blues erfunden. Und er hat das so gut gemacht, dass es ihm auch nicht schadet, wenn jemand darauf bestehen sollte, dass es so etwas wie italienischen Blues gar nicht geben kann. Außerdem könnten Kleinlichkeiten dieser Art als Bumerang zurückkommen, denn von keiner der Blues-, Rock- oder Soul-Größen, mit denen Zucchero auf seine diesbezüglich sehr einnehmende Art schon gemeinsam musiziert hat, weiß man, dass sie sich darüber je beschwert hätte. Insofern...

Man nimmt ihm auch nicht die putzige Angewohnheit krumm, seine italienischen Songs mit englischen Krümeln zu würzen. Zucchero darf das. Und dazu darf man auch wissen, dass in Italien ein Mann, der mit englischen Vokabeln aufwarten kann, dort auf Frauen in etwa so wirkt wie hierzulande ein Mann, der die Frauen Signora nennt und sie auch sonst geschickt mit ein paar Kostproben aus dem italienischen Grundwortschatz zu füttern weiß.

Und selbstverständlich sind es auch auf der Kapfenburg insbesondere die Frauen, die sich zur Musik von Zucchero wiegen und mangels erweiterter Sprachkenntnisse im Traum nicht daran denken müssen, erschreckt zu erröten, als der Meister schon sehr früh „Il Mare“ intoniert. Zuccheros musikalisch aufregendste Nummer kommt bereits an dritter Stelle der Setlist. Und wie immer hofft man, während die sehr kernige Härte dieses Songs ihre Wirkung tut, dass wenigstens die Worte des Refrains ironisch gemeint sein könnten.

Härter aber wird's nicht, denn Zucchero ist auch auf der Kapfenburg der, der er nun einmal ist. Er thront mit seiner markanten Stimme über den musikalischen Dingen. Dafür wiederum sind Songs, die sich kuschelig anhören, einfach besser geeignet. Und Zucchero hat bekanntlich eine Menge kuscheliger Songs. Perfekt gespielt werden sie bei perfektem Sound von einer perfekten Band.

Plötzliche Volten

Man kann das auch nur hören, ohne zuzusehen. Gut für jene, die auf die versprochene Mondfinsternis warten und sich dazu aufs erhöhte Terrain über den mit 2500 Besuchern ausverkauften Burghof zurückgezogen haben und die im Südosten des Härtsfelds aufgezogenen Wolken gern liebend gern woanders hinschicken würden.

Das dauernde Kuscheln von der Bühne wiederum könnte einem mit zunehmender Dauer allerdings auch auf den Zeiger gehen, wenn da nicht diese Volten wären, mit der Zucchero seine Musik spickt und die nahezu jeden seiner Songs wenigstens einmal in dessen Verlauf die Süße nehmen, aus der vorgezeichneten Bahn werfen und dann wieder sehr aufregend machen. Das ist durchaus ein musikalisches Geschäftsmodell, das Langeweile infolge von Gleichklang ausschließt. Adelmo Fornaciari alias Zucchero hat auch musikalisch in seinem Leben nicht viel falsch gemacht. Und mindestens ein Song ist wohl auch außerhalb der Erdatmosphäre bekannt: „Senza una donna“. Damit verabschiedet sich Zucchero nach beinahe zweieinhalb Stunden. Sogar der Mond will das nicht verpassen.

Sonst nirgends

Zuccheros Auftritt auf Schloss Kapfenburg war übrigens der einzige in Deutschland auf der diesjährigen Europatournee des italienischen Musikers. Keine ganz kleine Sache für das Festival auf dem Härtsfeld. Und was sagte Zucchero zum Schauplatz des Konzerts? „This is a beautiful place.“ Auch nicht schlecht.

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