Brenz / Maximilian Haller  Uhr
Auf Schloss Brenz wurde der Storchennachwuchs beringt. Eines der Nester wurde im Vorfeld vermutlich vom stürmischen Wetter zerstört.

Beinahe wäre die Beringung der Störche auf Schloss Brenz dieses Jahr ins Wasser gefallen. Der Grund dafür waren aber weder schlechte Wetterbedingungen noch aggressive Eltern-Störche, sondern vielmehr ein vermisstes Paket. Bis kurz vor knapp wartete die Storchenbeauftragte Ute Reinhard von der Vogelwarte Radolfzell noch auf postalischen Nachschub der kleinen schwarzen Ringe, mit denen die Jungstörche gekennzeichnet werden – vergeblich.

Expertin mit Höhenangst

Reinhard war also gezwungen, ihren eigenen Vorrat an Ringen mit nach Brenz zu bringen. Dieser sollte gerade so für die 15 Störche reichen, die es in Sontheim und seinen Teilorten zu beringen galt. In „schwindelerregende Höhen“ begab sich also die nach eigener Aussage unter Höhenangst leidende Storchenbeauftragte, um die rund sechs Wochen alten Jungvögel zu kennzeichnen. Mutter Storch wollte ihren Nachwuchs zwar zuerst nicht verlassen, schließlich gab sie jedoch nach und Reinhard konnte die nur wenige Minuten dauernde Prozedur vornehmen.

Zwischen 2,4 und 3,0 Kilogramm wiegen die Störche momentan. „Das ist einigermaßen okay“, fand Reinhard. Nachdem die Beringung im Jahr 2017 ausfallen musste – zwei Anfänger-Pärchen hatten erst sehr spät Nachwuchs bekommen – saßen heuer jeweils drei Baby-Störche in jedem der fünf Nester. Im Nistplatz auf dem kleinen Kamin des Brenzer Schlosses waren keine Jungvögel geschlüpft. Ende März habe Reinhard die Brut noch begutachtet, im Mai sei das Nest aber schon verlassen gewesen. Ein Sturm, so mutmaßt die Vogelexpertin, hat das Nest in den vergangenen Wochen dann auch noch komplett vom Kamin gefegt.

Gefahr droht den jungen Störchen nicht nur durch extreme Witterung. Für den Nestbau sammeln die Storcheneltern neben Ästen und Zweigen auch jede Menge Müll: Handschuhe, Zigarettenschachteln und Ballenschnüre finden sich immer wieder in den Brutstätten. Besonders Letztere können für Storchenkinder den Tod bedeuten, da diese sich unabsichtlich in die Schnüre einwickeln und daran ersticken. Ute Reinhard hat so eine Schnur, die zum Binden von Heuballen verwendet wird, aus dem Nest auf dem Hauptkamin gezogen. „Wenn ich die nicht rausgeholt hätte, wären die Störche vermutlich gestorben“, warnte Reinhard.

Paten gesucht

Glücklicherweise sind alle drei Jungstörche wohlauf und warten nun darauf, einen Namen zu bekommen. Ihre Vorschläge sollten die Zuschauer der Veranstaltung nach Ende der Beringung in eine Urne werfen, die drei originellsten werden gewählt. Um das Event auch in den nächsten Jahren zu ermöglichen, sucht der Förderverein Schloss Brenz nach Menschen, die Patenschaften für die Störche übernehmen. Interessierte können sich im Sontheimer Rathaus bei Friedrich Frankowitsch unter Tel. 07325.1725 melden.

Störche ziehen einander an

Nur 70 Gramm wiegen Störche, nachdem sie geschlüpft sind. Innerhalb von sechs Wochen steigt ihr Gewicht um das 50-fache auf 3500 Gramm. Mit neun bis elf Wochen werden sie flügge und verlassen das elterliche Nest.

Laut Ute Reinhart leben Störche oft in losen Kolonien. Je mehr der Tiere in einem Gebiet nisten, desto mehr Artgenossen lassen sich in der Umgebung nieder. Streitigkeiten um Futter und die besten Nistplätze gibt es dabei aber nicht. In der Regel ignorieren sich die Nachbarn weitestgehend.