Herbrechtingen Stockert: 100 Hektar werden Schonwald

Herbrechtingen / Günter Trittner 24.01.2019
In dem Staatswaldgebiet sollen die großen Eichenbestände geschützt und die lichten Waldstrukturen erhalten werden.

Unter Förstern spricht man vom Stockert. Künftig wird das Waldgebiet zwischen Lone und Alb, zwischen dem Wanderparkplatz bei der Vogelherdhöhle und dem Wanderparkplatz an der Kreisstraße von Bissingen nach Öllingen zum Schonwald Lonetal. Die 91,3 Hektar große Fläche – ausschließlich Staatswald – wird ein Waldreservat. Dies heißt aber nicht, dass der Stockert zu Tabu-Zone wird. „Eine Bewirtschaftung ist auch weiterhin möglich,“ sagt Revierleiter Michael Laible, „aber nur, wenn sie ein ökologisches Ziel verfolgt“. Die Schutzstufe eines Schonwalds kennt man nur in Baden-Württemberg. Der Stockert wird im Landkreis Heidenheim der siebte Schonwald sein.

Traditionelle Waldnutzung

Bekannt ist der Stockert bei den Spaziergängern im Lonetal auch wegen des Hutewalds. Vor wenigen Jahren war mit dem Ausweisen von drei Weideflächen an diese alte traditionelle Waldnutzung angeknüpft worden. In Hanglage grasen seither einige Ziegen und Rinder in einem eingefriedeten Bereich.

Bekannt ist der Stockert bei den Fachleuten des Forsts vor allem wegen seiner alten, zusammenhängenden Eichenbestände – mit die größten im gesamten Landkreis. Eichen finden sich einmal in den steilen Hanglagen, wo sie sich mit extremen Bedingungen arrangiert haben. Weil der Karst kein Wasser hält, sind die Böden extrem trocken. Zudem „knallt hier voll die Sonne drauf“, formuliert es Laible drastisch. Die Eichen in den Hanglagen sind entsprechend „reich an Strukturen“. Das heißt, sie haben beeindruckende knorrige Wuchsformen. „Die Eichen haben hier eine ökologische Nische gefunden“.

Die Eichen oben am Albtrauf wurden einst von Bauern gezielt an der Grenze zu ihren Äckern gesetzt. Denn die herabfallenden Eicheln gaben Futter für ihre Tiere. Wie im Hutewald standen auch hier Forst und Weide in einer Wechselbeziehung. Die Eichen hier haben ein Alter von teils über 200 Jahren.

Mit der Ausweisung eines Schonwaldes verbindet der Naturschutz die Absicht, eine bestimmte Waldgesellschaft zu erhalten. Im Fall des Schonwalds Lonetal wird diese gerade durch die Eichenbestände in ihren unterschiedlichen Ausprägung bestimmt. Die Eiche gilt auch generell als sehr wertvoller Baum für Insekten.

Zudem möchte man die hier von Menschen über die Beweidung geschaffenen lichten Waldstrukturen mit ihren eigenen, auf Helligkeit angewiesenen Ökosystemen bewahren und stärken wie die Übergangszonen von Wald, Heide, Trockenrasen, Fels und Weide.

Durch den Stockert verläuft zudem ein Wildkorridor und er grenzt an den Schonwald Frauenholz im Alb-Donau–Kreis an.

Der bereits hohe Anteil von Totholz im Stockert entspricht einem weiteren Oberziel der Forstverwaltung, in den Wäldern des Landes gezielt dauerhaft Flächen aus der Nutzung zu nehmen und so Waldrefugien zu schaffen. Im Schonwald wird es noch zu einer Erhöhung der Totholzanteile kommen.

Und noch ein Schutzziel wird mit der Umwandlung zum Schonwald verfolgt. Michael Laible verweist auf die Fülle von Frühblühern, die sich hier finden. Besonderen Gefallen bei den Spaziergängern genießen die Buschwindröschen, die gleich ganz Teppiche bilden. Finden kann man auch Märzenbecher, den gefleckten Aronstab, Haselwurz, Maiglöckchen, Waldmeister, Moschuskraut. Leberblümchen, Wald-Bingelkraut oder die Große Sternmiere. Auf Magerrasen kann man die sehr seltene Kuhschelle suchen.

Keine Einschränkungen

Zusammen mit dem Schonwald Eselsburger Tal ist der geplante Schonwald Lonetal der bedeutendste Schonwald mit dem Schutzzweck lichte Waldstrukturen, Frühblüher und Totholzanreicherung. Für Spaziergänger im Wald hat die Ausweisung des Stockert zum Schonwald keine Einschränkungen zur Folge. Es gelten aber weiterhin alle Schutzbestimmungen für Biotope und Naturdenkmale. „Quer durch die Buschwindröschen zu laufen, geht gar nicht“, bittet Laible darum, weiterhin Rücksicht zu nehmen. Auch wenn die Ausweisung als Schonwald noch ansteht, ein „Kleinod“ ist der Stockert für Laible schon heute. „Der war auch bisher nicht auf Ökonomie getrennt.“

Zwei Arten von Schutzgebieten

Die höchste Schutzstufe für einen Wald ist der Bannwald, ein völlig sich selbst überlassenes Waldreservat. Pflegemaßnahmen sind hier nicht erlaubt, anfallendes Holz darf nicht entnommen werden. Eine Schädlingsbekämpfung kann nur angeordnet werden, wenn angrenzende Wälder in Gefahr geraten. Im Landkreis Heidenheim gibt es nur zwei Bannwälder, den Buigen bei Herbrechtingen und den Siebten Fuß bei Aufhausen.

Ebenfalls nach § 32 des Landeswaldgesetzes kann die höhere Forstbehörde Schonwälder per Rechtsverordnung festlegen. Dort sollen bestimmte Waldgesellschaften mit ihren Tier- und Pflanzenarten, ein bestimmter Bestandsaufbau oder bestimmte Biotope geschützt werden.

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