Steinheimer Hillerschule plädiert für Schulsozialarbeit

Ein Mosaik an der Hillerschule in Steinheim zeigt das Leben, das Bildung voraussetzt. Doch in den Schulen muss vielfach „repariert“ werden, was im Elternhaus „verzogen“ worden ist.
Ein Mosaik an der Hillerschule in Steinheim zeigt das Leben, das Bildung voraussetzt. Doch in den Schulen muss vielfach „repariert“ werden, was im Elternhaus „verzogen“ worden ist. © Foto: Foto: kdk
Klaus-Dieter Kirschner 22.03.2012
Weil die Schulkinder auch nicht mehr das sind, was ihre Generationen vorher waren, soll es in absehbarer Zeit in der Philipp-Friedrich-Hillerschule in Steinheim eine Schulsozialarbeit geben.

Die Gesamtlehrerkonferenz habe demnach beschlossen, dass die Hillerschule längerfristig wohl eine Schulsozialarbeit eingeführt haben wolle. Carmen Schweinstetter beantwortete zunächst im Gemeindeparlament die selbstgestellte Frage: „Wo fängt Schulsozialarbeit an?“ Das Schulgesetz sage klar, dass Schule einen Bildungsauftrag zu erfüllen habe und über die bloße Vermittlung des Lernstoffs hinaus sich um die Schulkinder zu kümmern habe.

Im Verlauf der Debatte hatte Hans Bösinger (ANB) Grund zur Klage gehabt, als er sinngemäß ausführte: Die Schulen würden immer mehr den Erziehungsauftrag erfüllen, zu dem viele Eltern nicht in der Lage sind. „Es geht um das Finden eines Weges ins Leben“, betonte Carmen Schweinstetter. Von anderswo wisse man von interkulturellen Konflikten, von Gewalttätigkeiten und von Attacken auf Lehrkräfte. Schulsozialarbeit werde idealerweise an Ganztagsschulen angeboten, gehe aber auch an Halbtagsschulen. Auf jeden Fall aber würde es eine 100-Prozent-Stelle sein. Anstellungsträger wäre der Verein für Jugendhilfe beim Landkreis. Aktuell würde der Lohn je zur Hälfte vom Landkreis und von der Gemeinde bezahlt. Auf Steinheim würden etwa 17 000 Euro im Jahr entfallen.

Noch nicht ausgewertet sei eine soeben in der Hillerschule abgeschlossene Umfrage zur Ganztagesbetreuung, ergänzte Carmen Schweinstetter. Das Verfahren in Sachen Schulsozialarbeiter sei nicht ganz einfach.

Dazu ergänzte Hans Bösinger, dass Schulsozialarbeit entsprechend der Beschlusslage des Kreistags nur in Werkrealschulen und Realschulen vorgesehen sei. Im Falle Steinheim würde also der Landkreis sich an den Personalkosten nicht beteiligen.

„Wie massiv wird denn Schulsozialarbeit gefordert?“ hakte Horst Früh (FWV) nach. Schon jetzt würden doch die Lehrer hier einiges abdecken. Bürgermeister Olaf Bernauer: „Das ist schwer zu sagen, hat aber auch mit Änderungen in der Landesschulpolitik zu tun.“

Gottfried Braun (FWV) wünschte sich einen Erfahrungsbericht aus Gemeinden, die sich einen Schulsozialarbeiter teilen. Carmen Schweinstetter: „Es gibt eine Erhebung. Danach wird dieses Job-Sharing nicht empfohlen.“

Eigentlich sei Steinheim besser als manch andere Kommune aufgestellt, sagte Hans Bösinger im Gemeinderat und würdigte ausdrücklich in dem Zusammenhang die Jugendarbeit der Sportvereine, der Kirchengemeinden und auch die offene Jugendarbeit in Steinheim. Allerdings seien in der Hillerschule bereits Einzelfälle akut.

„Es gibt Konflikte. Es wäre für die Schulkinder wichtig, wenn sie sich dann an eine Person wenden können, die eben nicht als Lehrer an der Schule tätig ist,“ beschrieb Ursula Müller (FWV) ihre Eindrücke: „Die Kinder, selbst in der Grundschule, sind heute andere als nur vor wenigen Jahren. Die Kinder sind gewaltbereiter.“

Karl Fink (FWV) wünschte sich eine „ausgereifte Konzeption, bevor wir hier etwas beschließen.“ Dem stimmte Bürgermeister Bernauer zu: „Wir stehen erst am Anfang des Nachdenkens.“

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