Steinheim Steinheim hat einen neuen Ehrenbürger

Steinheim / Klaus-Dieter Kirschner 09.09.2018
Der Paläontologe Dr. Elmar Heizmann wurde am Samstag zum neuen Ehrenbürger der Albuchgemeinde ernannt. Sein Lebenswerk wurde dabei ausgiebig gewürdigt.

Er ist der sechste im Bunde. Am Samstag wurde der Paläontologe Dr. Elmar Heizmann zum Ehrenbürger Steinheims ernannt. Damit ist er in guter Gesellschaft. Zuvor wurde diese Ehre dem Handschuhfabrikanten Hermann Weissbrod, Söhnstettens letztem Bürgermeister Otto Maurer, Colombelles einstigem Bürgermeister Jean-Marie Petitpas, dem Geologen Dr. Winfried Reiff und dem frühere Bürgermeister Dieter Eisele zuteil.

Im Verlauf einer Festsitzung des Gemeinderats im Dorfhaus zu Sontheim im Stubental überreichte Bürgermeister Olaf Bernauer die Ernennungsurkunde. Der minutenlange Beifall zeigte, wie sehr die Steinheimer die Arbeit des Wissenschaftlers zu schätzen wissen. Zusammen mit den Geologen Dr. Paul Groschopf und Dr. Winfried Reiff wurde durch seine Arbeit das Geheimnis gelüftet, was es mit dem Steinheimer Becken auf sich hat.

Drei Tage nach seinem 75. Geburtstag wurde Heizmann die allerhöchste Ehre der Albuchgemeinde zuteil. Das Museumsfest, das nicht nicht gerade berauschend gut besucht war, setzte den Schlusspunkt hinter die Feierlichkeiten rund um den 40. Geburtstag des Meteorkratermuseums.

Noch lange nicht Schluss

Dass aber noch lange nicht alles vorbei ist, unterstrich Heizmann in seiner Rede. Es gebe noch genug Funde aus jahrzehntelanger Grabung zu bewerten und zu konservieren. Auch plane das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart ein zehn Meter langes Diorama, das allein dem Steinheimer Becken gewidmet sein werde. Steinheim sei von höchstem wissenschaftlichen Rang und Referenz für andere Stätten mit entsprechenden Fossilvorkommen.

In launiger Rede hatte Dr. Hendrik Rupp, ehemaliger Redaktionsleiter der HZ, die Entstehungsgeschichte des Steinheimer Beckens und das Lebenswerk von Dr. Heizmann gewürdigt, der einmal als Student der Paläontologie in Basel auszog, um in Steinheim Fakten für die Doktorarbeit der Raubtiere des Steinheimer Beckens zu sammeln. Spektakuläre Funde seien dabei gemacht worden.

„An einem Tag vor 15 Millionen Jahren prallte ein metallhaltiger Fels auf Steinheim. Er wog so viel wie zehn der größten Kriegsschiffe Amerikas“, führte Hendrik Rupp aus. Ein solcher Flugzeugträger der Nimitzklasse mit zwei Atomkreaktoren, 5000 Mann Besatzung und 90 Flugzeugen wiege rund 90 000 Tonnen. „Außerdem war dieser Flugzeugträger dreimal schneller als ein Space-Shuttle. An diesem Tag hätte man nicht in Steinheim sein wollen. Allein der Einschlag setzte die Energie von Tausenden Atombomben frei, die einst auf Hiroshima abgeworfen wurden.“ Im Falle des Sekunden später entstandenen Nördlinger Ries sei der Brocken so groß wie 100 Flugzeugträger gewesen. Da werde jedem klar, dass im Umkreis von Hunderten von Kilometern nichts mehr gewesen sei, wie es vorher war.

Wie 100 Flugzeugträger

Der in Freiburg geborene Heizmann sei inzwischen längst zum Steinheimer geworden, so Rupp. Forschte er doch hier seit 1969, war später Oberkonservator im Staatlichen Museum für Naturkunde und hernach dort Leiter der Paläontologie. Grabungen leitete er in Nord- und Südamerika, Afrika, Kasachstan und China.

Nach dem Asteroiden-Einschlag habe sich der Krater zu einem wahren Paradies entwickelt, es spross und wuselte, ahnte Rupp, zählte Bärenhunde, Schnappschildkröten, Armleuchteranlagen, Schnirkelschnecken und „jenes galante Moschustier Micromeryx Eiselei“ auf. Mehr als 100 wissenschaftliche Schriften habe Heizmann übers Steinheimer Becken herausgebracht und dafür gesorgt, dass viele Funde hier in der früheren Dorfschule im Meteorkrater-Museum ausgestellt wurden: „Dr. Elmar Heizmann ist ein Glücksfall für Steinheim.“

Rupp abschließend: „Es ist auch das Verdienst von Elmar Heizmann, dass diese 15 Millionen Jahre zurückliegende Katastrophe heute ein Glücksfall für Steinheim ist. Der Meteor riss ein riesiges Loch in den Planeten und öffnete ein Fenster in die Erdgeschichte und in die fantastische Vergangenheit dieser Gegend. Dr. Elmar Heizmann hat uns geholfen, durch dieses Fenster zu schauen und die Aussicht zu genießen. Dafür gebührt ihm Steinheims höchste Anerkennung!“

Holger Weise im Gespräch mit Bürgern

In regem Kontakt mit Bürgern war am Samstag Kämmerer Holger Weise zu beobachten, der bei der anstehenden Bürgermeisterwahl am 7. Oktober gegen Amtsinhaber Olaf Bernauer antritt. Übers Wochenende hatte sein Team den Wahlprospekt in die Häuser gebracht. Zunächst besuchte Weise den Wochenmarkt und danach das Museumsfest.

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