Steinheim / Klaus-Dieter Kirschner 18 seiner knapp 21 Dienstjahre in Steinheim war Philipp Friedrich Hiller durch Kehlkopfleiden stimmlos. Er forschte in der Bibel, verfasste zahlreiche Schriften und schrieb insgesamt 1075 Choräle. Vor 250 Jahren ist er gestorben.

Wie hat der das bloß gemacht, der Liederdichter und Pfarrer Philipp Friedrich Hiller? Der stimmlose Geistliche hatte keine Schreibmaschine, keinen Laptop oder was sonst noch nebst Computer hilfreich gewesen wäre. Er schrieb mit (Gänse)-Kiel und Tinte. An seinem Lebensende waren 1075 Kirchenlieder zu Papier gebracht und dazu die passenden Melodien vorhandener Kirchenlieder ausgesucht und zugeordnet worden.

Das Lebenswerk Hillers, der zudem in der Bibel intensiv forschte und im Alten Testament jede Menge Hinweise auf den Jahrhunderte später geborenen Jesus Christus fand und in diversen Schriften seine Erkenntnisse festhielt, wird oft gering geschätzt. Wer sich aber näher mit Hiller befasst, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Steinheim „feiert“ in diesen Tagen, denn es ist 320 Jahre her, dass Philipp Friedrich Hiller 1699 in Mühlhausen an der Enz geboren wurde und am 24. April 1769 in Steinheim starb. Im zweiten Lebensjahr verlor er seinen Vater, den er folglich nie richtig kennenlernte und dennoch betrauerte. Aber der Bub, der in der Brenz nahe Heidenheim beinahe ertrunken wäre, folgte den Fußstapfen seines Vaters und wurde Pfarrer. Sogar eine Zeitlang, zwölf Jahre, diente er im ritterschaftlichen Mühlhausen als Seelsorger und ist dort mehr geachtet als in Steinheim.

Bestattungsort unbekannt

1748 kam die Familie Hiller nach Steinheim. Aus der Ehe mit Maria Regina Schickhardt gingen elf Kinder hervor, fünf Jungen, sechs Mädchen. Zwei der Kinder starben gleich zu Anfang ihres Lebens in Mühlhausen. Ihre Namen sind nicht überliefert. Einer der Söhne starb 19-jährig in Stuttgart, als die Familie Hiller auf der Flucht vor den Franzosen war und eben eine Zeit Aufnahme in Heidenheim fand. Südlich der Kirche (Richtung Altem Schulhaus der heutigen Hiller-Schule) befand sich bis 1870 der Dorffriedhof. Es wird für möglich gehalten, dass sich das Grab nach Vergrößerung der Peterskirche im Bereich des heutigen Altars befinden könnte. Dazu aber fehlt es an Aufzeichnungen aus den frühen 1950er-Jahren, als der Innenraum der Peterskirche neu gestaltet, der Altar von der Ost- auf die Südseite des Gotteshauses verlegt worden ist.

Aus Hillers Zeit sind der Kirchturm, das Altarkreuz und der Taufstein aus dem Jahre 1706 vorhanden. Die heutige Kanzel ist aus der Zeit nach Hiller. Die ursprüngliche Kanzel war während des zweijährigen Kirchenneubaus in den Zehntstadel ausgelagert worden und dort – unbestätigten Quellen zufolge – vom Holzwurm befallen und durch eingedrungenes Wasser beschädigt worden. Die jetzige Kanzel schuf der Bolheimer Ulrich Schreiner.

„Hauptsänger Alt-Württembergs“

Hiller hielt es mit Martin Luther: Solus Christus, sola Scriptura – Allein Jesus, allein die Schrift. Noch heute gedruckt und hochgeschätzt wird als Andachts- und Trostbuch Hillers „Geistliches Liederkästlein“, das zwei Teile mit jeweils 366 Liedern umfasst und ein Bibelwort samt Kurzauslegung für jeden Tag. Eines der ganz großen Lieder Hillers aber kommt im „Geistlichen Liederkästlein“ nicht vor und wurde 1755 in der Prosaschrift „System der Vorbilder“ veröffentlicht und gilt als Steinheimer Hymne: „Jesus Christus herrscht als König“. Ursprünglich hatte der Choral 26 Strophen. Im aktuellen Kirchengesangbuch sind lediglich noch elf davon zu finden.

Der stimmlose Pfarrer von Steinheim gilt als „der geistliche Hauptsänger des evangelischen Alt-Württemberg“ (so Landeshistoriker Gerhard Raff), andere sehen in Hiller „den Lieblingsdichter des schwäbischen Pietismus“. Und Karl Ehmann, der anno 1843 sämtliche Lieder Hillers publizierte, urteilte: „In Alt-Wirttemberg ist Hillers Liederkästlein nächst der Bibel das am meisten gelesene Buch.“

Für die protestantische Bewegung war das Jahr 1769 ein herbes Jahr: Starben doch vor 250 Jahren neben Philipp Friedrich Hiller noch die gleichfalls hochangesehenen Liederdichter Gerhard Tersteegen und Christian Fürchtegott Gellert.

So feiert Steinheim den Liederdichter Hiller

Am Mittwoch, 24. April, jährt sich zum 250. Male der Todestag des früheren Steinheimer Pfarrers, Magister Philipp Friedrich Hiller. Aus diesem Anlass beginnt um 19 Uhr in der evangelischen Peterskirche ein Gedenkgottesdienst unter Mitwirkung des Kirchenchors. Die Predigt hält Prädikant Klaus-Dieter Kirschner.

Am Sonntag, 5. Mai, wird ab 10 Uhr mit einem Festgottesdienst Hillers gedacht, der in diesem Jahr 320. Geburtstag hätte feiern können. Kirchenchor und Posaunenchor (Liturgie: Pfarrer Andres Neumeister) umrahmen musikalisch den Gottesdienst in der Peterskirche, in Anwesenheit von Prälatin Gabriele Wulz (Ulm). Als Festprediger konnte der Pfarrer und Professor Bernhard Leube gewonnen werden.

Um 11.30 Uhr beginnen kurze Führungen durch die Ausstellung Hiller im Turm (der Peterskirche).

Für 14 Uhr kündigt das Programm im Bonhoeffer-Saal des evangelischen Gemeindehauses an der Hauptstraße einen Festvortrag von Dr. med. Joachim Schnürle an. Der Hiller-Experte befasst sich mit dem Thema: „Was könnte uns Hiller heute sagen?“ Abgerundet wird der Nachmittag bei Kaffee und Kuchen. kdk