Herbrechtingen / Günter Trittner  Uhr
Nach 24 Jahren ist Bürgermeister Dr. Bernd Sipple nun im Ruhestand. Der Rentnerausweis kam passend zum Tag und die Ovationen der Stadträte hallten lange nach.

Er wollte partout keinen formellen Abschied, und so war es Bürgermeister Dr. Bernd Sipple denn auch vergönnt. Am Ende der letzten Gemeinderatssitzung gab es am Donnerstag nur wenige Worte von Manfred Strauß und Martin Müller, den Fraktionsvorsitzenden von CDU und Freien Wählern, ein paar offene oder auch verschämt verdrückte Tränen, stehenden Beifall von allen Stadträten und ein großes Gefühl des Dankes. Passend zum Tag und doch auch zufällig hatte Sipple am Morgen seinen Rentenbewilligungsbescheid und seinen Rentnerausweis im Briefkasten gefunden.

Wie aber scheiden? In einem Eheleben hätte nur noch ein Jahr gefehlt bis zur silbernen Hochzeit. „Es war prima“, bündelte Sipple all das Erlebte in drei Worte. Und wie es bei menschlichen Begegnungen so ist: Am Anfang haben auch Gemeinderat und der neue Bürgermeister gefremdelt. „Es war nicht so toll“, erinnerte sich Strauß an die ersten Tage, in denen der Ringer wohl am meisten mit dem gerade 30-jährigen Berufsanfänger als BM gerungen hatte. „Er wollte uns belehren.“

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Gemeinsam geschlagene Schlachten

Doch wesentlich tiefer gegangen sind auch bei Strauß die gemeinsam geschlagenen politischen Schlachten, Sitzungen fast bis Mitternacht, Entscheidungen über den Industriepark A 7, wo man so lange abgestimmt habe, bis das Ergebnis stimmte, die Auseinandersetzungen mit den Architekten bei der Klostersanierung oder bei Anlage des neuen Rathausplatzes. Strauß war noch gut in Erinnerung, wie der junge Bürgermeister an seinem Daumen gekratzt habe. Diese Nervosität habe sich aber lange schon gelegt. Viel Geduld habe Sipple beim Bau der Umgehungsstraße bewiesen. „Zum Glück ist es gut ausgegangen.“

Stadt ohne Ampel

Zu den schönen Erinnerungen zählte Strauß, dass beim Umbau der Langen Straße Herbrechtingen zur Stadt ohne Ampel geworden ist. Eine herzliche Umarmung war seine Überleitung in den Ruhestand.

Und ein zweites Mal hatte der Zufall etwas Regie geführt an diesem Abend. Denn nur gut eine Stunde vorher war Martin Müller als Stadtförster im Dienst des Landratsamtes in den Ruhestand verabschiedet worden – nach 25 Jahren. Der Sprecher der Freien Wähler brachte also schon etwas Erfahrung mit dem Ausscheiden aus dem Beruf mit. Weder von Großtaten noch von Schandtaten wollte Müller an diesem Abend sprechen, sondern von der menschlichen Art des Bürgermeisters, von seinem Auge für die kleinen Probleme der Herbrechtinger und dass er diesen einen freundlichen Zugang zur Verwaltung geschaffen habe.

Dickes Lob für die Gelassenheit

Sipple habe auch weniger liebenswerte Züge gehabt, schmunzelte Müller, aber es habe es verstanden, diese zu überspielen. Ein dickes Lob von Müller gab es auch für die Gelassenheit des Bürgermeisters und für dessen Demokratieverständnis: dass jede Stimme gehört werden müsse. Sipple habe in seinem Berufsleben die innere Freiheit gewonnen, über Neid und Groll zu stehen, ihm sei auch dafür zu danken, dass er anderen Mitarbeitern Raum gelassen habe, ihre Schaffenskraft zu entfalten.

Wo das Leben nun spielen wird

Was kommt im Ruhestand? Christine, die Lebenspartnerin von Sipple, war sich sicher: „Es wird eine schöne Zukunft für uns.“ Die Wahl, welche die Französin und der Deutsche zu treffen haben, klingt auch eher verlockend: den Schnee der Alb oder die Sonne des Bordeaux. Dazwischen wird sich ihr Leben abspielen.

Nach 24 Jahren geht Dr. Bernd Sipple als Bürgermeister in den Ruhestand. Der bürgernahe Demokrat hat viel frischen Wind in die Gemeinde gebracht und bei großen Aufgaben wie der neuen Bibrishalle Geschick und langen Atem bewiesen.

Noch ein Abschied beim Abschied

In den Reigen des Abschieds wurde am Donnerstagabend im Gemeinderat noch Angelika Schöfl eingeschlossen. Sie wird zwar noch einige Zeit im Vorzimmer des Bürgermeisters sitzen, doch Manfred Strauß und Martin Müller hatten für sie auch gleich einen Strauß Blumen mitgeordert. Und unversehens stand Sipple im Sitzungssaal zwischen den beiden Frauen, „die mich am meisten begleitet haben“. Beiden galt sein Satz: „Danke, dass ihr mich unterstützt und ertragen habt.“ Strauß bescheinigte Schöfl einen hohen Grad an Loyalität. „Was Sie geleistet hat, ist vorbildlich.“