Steinheim Sigma-Aldrich-Standort schließt doch erst 2022

Sigma-Aldrich bleibt ein Jahr länger als geplant, bis 2022, in Steinheim.
Sigma-Aldrich bleibt ein Jahr länger als geplant, bis 2022, in Steinheim. © Foto: Archiv, Geyer Luftbild
Steinheim / Carolin Wöhrle 02.08.2018
Ursprünglich war vorgesehen, den Steinheimer Standort 2021 komplett zu schließen. Die rund 200 Mitarbeiter bekommen nun ein Jahr Aufschub bis 2022. Der Betriebsrat wertet das als „positives Signal“.

Es wird nun doch ein Jahr länger dauern bis Sigma-Aldrich in Steinheim Geschichte ist: Auf Anfrage bestätigt der Geschäftsführer in Steinheim, Dr. Bernd Krüger, dass der Mutter-Konzern Merck, der Sigma-Aldrich 2015 übernommen hatte, seinen Zeitplan angepasst hat.

Ursprünglich sollte Sigma-Aldrich in Steinheim 2021 schließen. Merck will das manuelle Abfüllen und den Vertrieb von Laborchemikalien in einem zentralen Kompetenzzentrum in Schnelldorf (Bayern) bündeln. Insgesamt sollen in den Umbau des bisherigen, reinen Logistik-Standorts sowie an den Standorten Darmstadt, Buchs und Molsheim (Frankreich) 90 Millionen Euro investiert werden. Für vier Merck-Standorte in Deutschland bedeuten die Pläne, die erstmals vor einem Jahr bekanntgegeben wurden, das Aus. Betroffen sind rund 650 Mitarbeiter, laut Geschäftsführer Krüger allein 200 in Steinheim.

Bau in Schnelldorf verzögert sich

Nun also wird Sigma-Aldrich mindestens ein Jahr länger in Steinheim bleiben. Auf Nachfrage begründet ein Sprecher von Merck diese Entscheidung mit der Anpassung des Zeitrahmens für den Umbau des Werks in Schnelldorf: „Wir bewegen uns in einem gesetzten Investitionsrahmen für das gesamte Unternehmen, in welchem Projekte regelmäßig überprüft und priorisiert werden.“ So sei es durchaus möglich, dass sich Investitionen über einen längeren Zeitraum erstrecken als ursprünglich geplant. „Das ist hier der Fall und deshalb läuft das Projekt ein Jahr länger.“ Derzeitiger Stand: Die Planungen sind soweit abgeschlossen, zu einem konkreten Datum für den Baubeginn in Schnelldorf könne man sich seitens Merck derzeit allerdings noch nicht äußern.

Der Aufschub betrifft vor allem den Bereich Abfüllung bei Sigma-Aldrich. „Die chemischen Produktionsaktivitäten in Steinheim werden hingegen wie bisher geplant ab dem Jahr 2021 sukzessive transferiert.“

Thomas Schubert ist Betriebsratsvorsitzender im Steinheimer Aldrich-Werk. Dass die Schließung nun nach hinten verschoben wurde, wertet er als „positives Signal“. „Natürlich brechen wir deshalb aber hier nicht gleich in Jubelstürme aus“, sagt er. Stattdessen will der Betriebsrat vor Ort die Prozesse in den nächsten vier Jahren für die Mitarbeiter so gut wie möglich begleiten. Das heißt für Schubert: „Es muss nach wie vor in den Standort investiert werden und es muss auch nach wie vor neues Personal eingestellt werden.“ Auch sechs neue Auszubildende arbeiten am Standort. „Wir können ihnen garantieren, dass sie ihre Ausbildung hier auch abschließen können.“

Die Nachricht vom neuen Zeitplan hat die Belegschaft laut Schubert weitestgehend positiv aufgenommen. „Für viele ältere Mitarbeiter bedeutet das natürlich: ein Jahr näher an der Rente.“ Für manch andere, jüngere Mitarbeiter sei der Nutzen eines weiteren Jahr Aufschubs nicht wirklich erkennbar. „Wobei wir auch schon Signale einiger Mitarbeiter haben, dass sie mit nach Schnelldorf kommen wollen.“ Die Botschaft des Merck-Konzerns sei nach wie vor die, dass es für jeden Steinheimer Mitarbeiter einen Platz am neuen Standort gebe.

Immer wieder kommen Gerüchte auf, dass das Zentrum in Schnelldorf womöglich gar nicht erst gebaut, der Steinheimer Standort nicht geschlossen würde. Dass der Zeitplan nun angepasst wurde, könnte diese Hoffnungen erneut befeuern. Auch Schubert ist das bewusst. „Natürlich haben wir als Betriebsrat den Standort in Steinheim noch nicht aufgegeben, aber wir klammern uns auch nicht an irgendwelche Strohhalme.“

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