Stall mit 1000 Tieren und Wohnhaus bei Gussenstadt gerettet

Klaus-Dieter Kirschner 03.01.2012
Ein Großaufgebot von 180 Feuerwehrleuten führte in der Nacht zum Dienstag einen verzweifelten Kampf gegen die Flammen, die eine Produktionshalle bei Gussenstadt völlig zerstörten. Es gelang, das Wohnhaus und Stallungen zu retten, in denen 1000 Tiere untergebracht sind.

Nach ersten Schätzungen in der Brandnacht seitens Polizei und Feuerwehr „liegt der Schaden bei 600 000 Euro – vermutlich als Untergrenze“. Die Lösch- und Aufräumarbeiten zogen sich bis in den  Spätnachmittag des Dienstags hin.

Um 23.20 Uhr waren bei den Rettungsleitstellen in Aalen und in Göppingen am Montag die ersten Notrufe eingegangen. Darin war von einem Bauernhofbrand in Waldhausen und von einem Brand in einem Aussiedlerhof nahe Gussenstadt die Rede. Bereits auf der Anfahrt wussten die Fahrer der Löschfahrzeuge, wohin die Reise geht. Der Himmel war glutrot gefärbt, stark böiger Wind sorgte für äußerst gefährlichen Funkenflug.

Beim Eintreffen der ersten Brandbekämpfer stand die etwa 45 Meter lange und 20 Meter breite Produktionshalle komplett im Vollbrand. Besondere Sorge bereitete den Löschmannschaften die zu dem Zeitpunkt teils auf dem Dach noch vorhandene Photovoltaikanlage, die unter Strom stand.

Nach und nach trafen 180 Feuerwehrleute aus Geislingen, Waldhausen, Gussenstadt, Gerstetten, Heldenfingen, Heuchlingen und Dettingen sowie die Überlandhilfe aus Heidenheim und Schnaitheim mit 27 Fahrzeugen ein.

Von Waldhausen her wurde eine drei Kilometer lange Schlauchleitung zur Absicherung der Wasserversorgung ausgerollt und mit Pumpen verstärkt. Vom Aussiedlerhof Hoffie baute die Feuerwehr Gerstetten eine doppelte, 400 Meter lange Förderleitung auf. Löschwasser wurde in Hülle und Fülle benötigt. Auf dem Höhepunkt der Löscharbeiten ergossen sich 5000 Liter Wasser in der Minute auf das Brandobjekt bzw. auf das Wohnhaus und den großen Viehstall. Es war von Vorteil, dass an dem Hof Kerler eine Fernwasserleitung des Zweckverbands Ostalb vorbeiführt, aus der Löschwasser gezapft werden konnte. Vorübergehend brach der Löschwasser-Nachschub zusammen.

Von den Rettungskörben der Drehleitern aus Geislingen und Gerstetten wurde der Angriff gefahren, außerdem kam der Wasserwerfer des großen Tanklöschfahrzeugs aus Heidenheim zum Einsatz. Feuerwehrleute können das Einsatzausmaß auch daran ablesen, dass neben den beiden Wenderohren und dem Werfer noch fünf B- und zehn C-Rohre im Kampf gegen die Feuersbrunst aufgeboten wurden.

Groß war die Zahl der Rotkreuzkräfte: 35 DRK-Aktive aus Geislingen, Waldhausen, Gussenstadt und Gerstetten sowie die Schnelleinsatzgruppen aus Herbrechtingen und Giengen rückten an. Eine Feuerwehrfrau wurde wegen kurzzeitiger Erschöpfung versorgt. Das DRK übernahm im Laufe der Nacht die Versorgung mit Getränken und Verpflegung und baute ein großes Zelt auf, in dem sich die Einsatzkräfte aufwärmen konnten.

Das Großfeuer war nach eineinhalb Stunden unter Kontrolle. Etwa zu dem Zeitpunkt traf aus Stuttgart der Polizei-Hubschrauber Bussard ein, um Luftaufnahmen vom Ort der Katastrophe zu machen. Teile der Löschmannschaften wurden aus dem Einsatzgeschehen gegen 3 Uhr herausgelöst, um dann am Dienstagmorgen gegen 9 Uhr wieder antreten zu können. Zwei große Bagger wurden im Verlauf der Nacht zu dem Aussiedlerhof geholt, um die abgestürzten Blechverkleidungen zu beseitigen und um die riesigen Mengen von eingelagertem Heu auseinanderzuziehen. Sie wurden abgelöscht. Mehrere große Maschinen (zum Beispiel ein Mähdrescher) wurden ein Raub der Flammen.

In der Produktionshalle wurde Heu portioniert und für die Kleintierhaltung in Kunststoffsäcke verpackt. Auch lagerte die Getreideernte von 100 Hektar Land in der großen Halle. Das alles fiel dem Großfeuer zum Opfer.

Schutz- und Kriminalpolizei waren mit zehn Beamten vor Ort, sorgten für die Sperrung der Landesstraße zwischen Gussenstadt und Waldhausen und ergriffen erste Maßnahmen zur Klärung der Brandursache. Am Dienstag waren zusätzliche Brandermittler und Spezialisten vor Ort. Bürgermeister Roland Polaschek unterbrach seinen Urlaub, um sich vor Ort ein Bild von der Brandkatastrophe zu machen: „Ich bin stolz auf meine Feuerwehr, konnte sie doch in auswegloser Situation das Wohnhaus und auch die großen Stallungen gegen das Feuer verteidigen“, sagte er gegenüber der Presse.

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