Niederstotzingen Konzept für Niederstotzingen: „Keine Idee geht verloren“

Zu den Ideen der Bürger für die künftige städtebauliche Gestaltung Niederstotzingens gehörte auch die erneute Nutzung ortsbildprägender Gebäude wie das Rathaus in Oberstotzingen.
Zu den Ideen der Bürger für die künftige städtebauliche Gestaltung Niederstotzingens gehörte auch die erneute Nutzung ortsbildprägender Gebäude wie das Rathaus in Oberstotzingen. © Foto: Sabrina Balzer
Niederstotzingen / Klaus Dammann 03.08.2018
Die beiden Sprecher der Bürgerwerkstatt stellten den Gemeinderäten ihre Gedanken für die Zukunft Niederstotzingens in den zentralen Lebensbereichen vor.

Mittlerweile ist der Prozess schon seit über einem halben Jahr im Gange: Niederstotzingen will ein Stadtentwicklungskonzept erarbeiten, das in wesentlichen Bereichen des Lebens den möglichen Weg in die Zukunft der Kommune aufzeigen soll. Als entscheidende Mitwirkende sind die Bürger gefragt, deren Vorstellungen ihren Niederschlag im Konzept finden sollen – zunächst unabhängig davon, ob diese auch umgesetzt werden können. „Wir haben die Überschrift: Keine Idee geht verloren“, sagte Philipp König vom beauftragten Büro Reschl Stadtentwicklung jetzt in der Sitzung des Gemeinderats bei der Präsentation der Ergebnisse aus der in den vergangenen Wochen vorgenommenen Bürgerbeteiligung.

Begonnen hatte das Büro Reschl, das auch bereits das Gemeindeentwicklungskonzept für Dischingen ausarbeitete, im Winter mit einer anonymen Umfrage bei den Einwohnern von Niederstotzingen und den Teilorten. Eine Auftaktveranstaltung in der Stadthalle und eine anschließende Bürgerwerkstatt im Schulgebäude zur Erhebung der Vorstellungen schlossen sich an. Adrian Schwake vom Planungsbüro berichtete den Stadträten, dass sich durchaus ein gemeinsames Bild aus der Bürgerwerkstatt und der Klausurtagung des Gemeinderats ergeben habe. Dies beziehe sich beispielsweise auf die Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Erkennbar seien ferner ein hoher Grad an Identifikation mit der Stadt und die Perspektive auf Machbarkeit.

Bericht der Gruppe A

In zwei Gruppen hatten sich die Bürger mit Themen wie Wohnen, Arbeiten, Soziales, Mobilität und Ökologie befasst. Für die Gruppe A berichtete Christine Sawetz im Gemeinderat. Zu den Vorschlägen gehöre ein Vorantreiben der Innenentwicklung und die Aktivierung von Brachflächen. Bezahlbarer Wohnraum für alle und alternative Wohnformen wie ein „Dorf in der Stadt“ seien ebenso gewünscht wie eine ökologische Baugebietsentwicklung mit Nutzung regenerativer Energie. „Man könnte Niederstotzingen als eine grüne Stadt umsetzen.“ Nach dem Ende des Bürgerparks solle etwas Neues gestaltet werden.

Im Bereich Wirtschaft und Handel sei eine Stärkung des Standorts durch bessere Bewerbung von Gewerbegebieten denkbar, so Sawetz. Ferner seien der Breitbandausbau und eine Nachnutzung des alten Netto-Gebäudes etwa durch eine Drogerie oder ein Reformhaus wichtige Aufgaben. Durch Kooperation mit Betrieben könne man vielleicht einheimischen Jugendlichen bevorzugt Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Auch die Einrichtung eines Wochenmarkts sei als Wunsch genannt worden.

In der städtebaulichen Gestaltung sei ein naturnaher und begrünter Aspekt angeregt worden. Sawetz: „Bürger könnten Patenschaften für öffentliche Flächen übernehmen und bei der Pflege mithelfen.“ Ortsbildprägende Gebäude wie das Oberstotzinger Rathaus oder der Bahnhof sollten reaktiviert und die vorhandenen Schlossgebäude als identitätsstiftende Bauten genutzt werden. Hier könne man mit den Eigentümern sprechen, um zum Beispiel die Parks für Veranstaltungen öffnen zu können.

Bericht der Gruppe B

Die Gruppe B vertrat Dr. Ulrich Fister als Sprecher. Leitmotiv der Überlegungen sei gewesen, die „kinder- und familienfreundliche Stadt“ zu bewahren und weiterzuentwickeln. „Wir haben versucht, mit den Augen aller Bevölkerungsgruppen darauf zu schauen – von den Kindern bis zu den Senioren.“ Die Vorschläge würden von der Betreuung der Kinder bis zu Angeboten für Jugendliche reichen, mit denen zusammen attraktive Treffpunkte geschaffen werden sollen.

Um Begegnungen und soziale Kontakte zu verbessern, seien Kleinkunstangebote denkbar, so Fister. Der Tourismus müsse ausgebaut werden. Dazu gelte es, die Möglichkeiten in der Stadt zu erfassen und dann zu vermarkten. Eine Vernetzung mit anderen Gemeinden sei sinnvoll und Rad- und Wanderwege sollten ausgebaut werden.

Im Blick auf den Archäopark Vogelherd sei eine Radwegverbindung nach Hürben wünschenswert, ferner ein freier Eintritt für die Bürger der Stadt. Außerdem solle der Archäopark mehr für Veranstaltungen genutzt werden, schilderte Fister weiter. „Dass einiges getan werden muss, weiß ich auch. Aber man kann mit Sicherheit mehr tun.“

Bei der Mobilität sei Barrierefreiheit gefordert, ferner ein Car-Sharing-Konzept bei E-Mobilität – ein Vorschlag, den der Gemeinderat in der Sitzung noch auf den Weg brachte. Die Verbesserung des Parkplatzangebots und der Digitalisierung waren weitere Punkte.

Zur Verkehrsberuhigung im Ortskern sei eine Verbannung des Schwerlastverkehrs angeregt worden, sagte Fister. Die Stellen der Fußgängerüberwege müssten überprüft, Lärmbelästigung könne durch anderen Straßenbelag reduziert werden. Die Gruppe spreche sich auch für den Ausbau des Schienenverkehrs mit besserer Taktung sowie Bus- und Radweg-Anbindungen nach Günzburg aus.

Themen werden ernstgenommen

Es gebe schon Themen, wo sich Überschneidungen mit den Diskussionen in der Klausursitzung des Gemeinderats zeigen, konstatierte Bürgermeister Marcus Bremer. Aber es seien auch Themen dabei, die die Möglichkeiten der Stadt übersteigen. Alles müsse personell und finanziell machbar sein. „Die Themen werden ernstgenommen und wir werden uns intensiv damit auseinandersetzen. Aber eine Priorisierung muss erfolgen.“

Philipp König vom Planungsbüro stellte fest: „Wir haben eine sehr konstruktive Stimmung in der Bevölkerung wahrgenommen.“ Dies sei andernorts oft nicht so. Konkrete Vorschläge seien aufgebracht worden, auch wenn nicht jede Idee so umgesetzt werden könne. „Wachsen sollte auch bedeuten zusammenwachsen“, griff er eine Aussage von Christine Sawetz auf.

Der Gemeinderat nahm dann von den Berichten Kenntnis.

Wie geht es weiter?

Nach der Vorstellung der Ergebnisse aus der Bürgerwerkstatt ist nun das Stuttgarter Planungsbüro Reschl wieder am Zug. Wie dessen Mitarbeiter Philipp König im Gemeinderat sagte, wird das Büro sich jetzt mit den geäußerten Vorstellungen von Bürgern und Stadträten befassen, um das Stadtentwicklungskonzept für Niederstotzingen mit Vorschlägen und Empfehlungen auszuarbeiten.

Ziel sei nach Abschluss dieser Konzeptionsphase dann eine Verabschiedung des ausgearbeiteten Stadtentwicklungskonzepts durch den Gemeinderat im Februar 2019.

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