Königsbronn Sprache: Kinder sollen alle gleich gut gefördert werden

Sprachförderung mit oder ohne Musik? Zusatzangebote sollen auch in Zukunft noch den Kindergärten überlassen sein. Das grundsätzliche Angebot aber soll bei allen auf einem einheitlichen Niveau sein – gefördert von der Gemeinde.
Sprachförderung mit oder ohne Musik? Zusatzangebote sollen auch in Zukunft noch den Kindergärten überlassen sein. Das grundsätzliche Angebot aber soll bei allen auf einem einheitlichen Niveau sein – gefördert von der Gemeinde. © Foto: stock.adobe.com/Photographee
Königsbronn / Gerhard Stock 24.06.2018
Der Königsbronner Gemeinderat hat die Unterstützung aller Kindergärten beschlossen – trotz zusätzlicher Kosten für mehr Personal.

Einstimmig entschied der Königsbronner Gemeinderat, die in den Kindergärten praktizierte Sprachförderung künftig einheitlich zu regeln und auch deren Fortführung in der Grundschule besser abzustimmen.

Von der Neuorganisation verspricht man sich in Zukunft einen hohen qualitativen Standard in allen Kindertageseinrichtungen. Die mit der Neuausrichtung verbundenen Kosten für mehr Personal hält das Gremium für gut angelegt. Das Beherrschen der Sprache sei Grundvoraussetzung für Bildung und Teilhabe an der Gesellschaft überhaupt, war man sich im Sitzungssaal einig.

An der Notwendigkeit der Sprachförderung bereits im Kindergarten und auch dann fortführend in der Grundschule bestehen keine ernsthaften Zweifel. Ratsmitglied Engelbert Frey (SPD), wies darauf hin, dass in Königsbronn 50 Prozent aller Kinder in diesem Alter sprachliche Auffälligkeiten aufwiesen. „Sprache ist der Schlüssel zu allem“, bekräftigte der Ex-Konrektor der Georg-Elser-Schule.

Insofern habe man aus seiner Sicht gar keine andere Wahl, als mehr Geld für besser organisierte Förderung in die Hand zu nehmen, von der alle gleich profitieren könnten.

Keineswegs, so Sachbearbeiterin Viviane Grund zu allgemein verbreiteter Ansicht, seien etwa nur Kinder mit Migrationshintergrund betroffen, sondern auch solche aus deutschen Familien. Zu Hause, so ihre Beobachtung, werde „immer weniger gesprochen“, warum auch immer.

Edith Wagner (UWB) waren die Kriterien ein Anliegen, nach denen darüber befunden wird, wer überhaupt in den Genuss von Sprachförderung kommt und wie die Entscheidungsfindung abläuft. Hermann-Josef Boch (CDU) befand die Neuausrichtung der Sprachförderung für eine „hervorragende Sache“, insbesondere deren trägerübergreifende Wirkung setze das richtige Signal.

Dem pflichtete Wolfgang Lutz (SPD) zwar bei, doch habe der Aufbau einer komplett eigenen Förderstruktur eben auch ihren Preis. Die zusätzlichen Personalkosten belasteten den Verwaltungshaushalt. Wenn nun mehr Geld ausgegeben werde, wenn auch aus sehr guten Gründen, müsse die Verwaltung das der Bevölkerung auch adäquat vermitteln und erklären.

Bislang „Heidenheimer Modell“

Vor dieser Notwendigkeit stehe man immer wieder, nicht nur in diesem aktuellen Fall, so Bürgermeister Michael Stütz. Um dies leisten zu können, benötige die Verwaltung künftig ein Marketingbudget, dieses werde man in den Beratungen und auch in der Klausur zum Etat 2019 thematisieren.

Die Sprachförderung in den Kindergärten ist in Königsbronn schon seit Jahren eine wichtige Komponente der pädagogischen Arbeit, gepflegt wird das „Heidenheimer Modell“. Allerdings erfolgte sie bisher in jeder Tageseinrichtung individuell und anschließend in der Grundschule nach einem wieder anderen Modell, war insgesamt also nicht einheitlich geregelt. Praktiziert wurden bisher zwei Konzepte, die sich gravierend in der Zahl der insgesamt geleisteten und von der L-Bank Baden-Württemberg unterstützten Förderstunden unterscheiden.

120 Stunden pro Kindergartenjahr sind es bei der intensiven Sprachförderung (ISK), 36 Stunden im Programm Singen-BewegenSprechen (SBS), umgesetzt in Kooperation mit einer zertifizierten musikpädagogischen Fachkraft.

Organisiert von der Gemeinde wird nun ab dem neuen Kindergartenjahr das Sprachfördermodell ISK mit 120 Förderstunden angeboten, und zwar, so Viviane Grund, flächendeckend in allen Kindergärten durch pädagogische Fachkräfte. Darüber hinaus sei es Sache der Kindergärten, ob sie das Sprachfördermodell SBS (36 Förderstunden) weiterhin in Kooperation mit der Musikschule anbieten möchten. Erfreulich sei, dass die kirchlichen Träger die Sprachförderung nach dem neuen Konzept durchgehend unterstützen.

Das Hauptaugenmerk werde im neuen Konzept auf die alltagsintegrierte Arbeit in den Kitas gelegt. Im Rahmen des zur Verfügung stehenden Stundenkontingents, so die Sachbearbeiterin weiter, werden qualifizierte Sprachförderkräfte gruppenorientierte Förderung anbieten. Diese könne bei besonderem Bedarf individuell angepasst werden. Wert lege man auch auf nahtlosen Übergang von der Kita in die Grundschule.

So werde es nun möglich sein, in allen Kindergärten den gleichen Qualitätsstandard zu etablieren, einrichtungsübergreifend und an den Förderbedarfen der Kinder ausgerichtet. Erfreulicherweise sei es gelungen, als Berater Klaus Hensolt zu gewinnen. Der ist Fachmann in Sachen Sprachentwicklung und war einst über Jahre hinweg für die Entwicklung des Heidenheimer Modells verantwortlich. Hensolt engagiere sich mit viel Herzblut und dies obendrein kostenfrei - eine Mitteilung, die man am Ratstisch hocherfreut zur Kenntnis nahm.

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