Kita Sprache lernen - mit dem Tablet

Sprachförderung am Tablet (links): Gabi Strohm zeigt den Kindern die Möglichkeiten. Kinderhausleiterin Gisela Behringer (rechts) und Kinder am Buchstabenrad.
Sprachförderung am Tablet (links): Gabi Strohm zeigt den Kindern die Möglichkeiten. Kinderhausleiterin Gisela Behringer (rechts) und Kinder am Buchstabenrad. © Foto: Fotos: Klaus Dammann
Dischingen / KLAUS DAMMANN 14.02.2014
Deutsche Sprache – schwere Sprache? Mit Sprachförderprogrammen wird schon in Kindergärten versucht, dieser Auffassung entgegenzuwirken. Auch das Kinderhaus St. Johannes beteiligt sich hierbei – und das unter anderem sogar mit einem Tablet-Computer und der Software „Schlaumäuse“.

Das neu gebaute Kinderhaus St. Johannes, das in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde steht, hat seinen Betrieb vor ziemlich genau einem Jahr aufgenommen. Derzeit besuchen 57 Kinder in drei Gruppen mit unterschiedlichen Öffnungszeiten die Einrichtung. Im Juni werde der Kindergarten mit seinen 67 Plätzen voll belegt sein, sagt die Leiterin Gisela Behringer. Die Krippe mit ihren zehn Plätzen ist bereits jetzt ausgebucht.

Schon vor dem Neubau aber hat die Sprachförderung bei der Kinderbetreuung in Dischingen eine Rolle gespielt. Seit 2009 beteilige man sich an dem vom Land Baden-Württemberg ins Leben gerufenen und von der Landesbank finanziell geförderten Angebot, schildert Gabi Strohm, die als Erzieherin und Sprachförderkraft in St. Johannes arbeitet. Ziel des Programms sei es, die Sprachfähigkeit der Kinder zu verbessern – unter anderem durch Gedächtnisübungen aus der Sprache heraus, durch Trainieren des Hörverständnisses, durch Vermitteln von Grammatik und Wortschatz. „Es ist aber keine Logopädie und auch kein Ersatz für Logopädie“, ergänzt Gisela Behringer. Es gehe nicht um Artikulation, sondern um Sprachnutzung.

Maximal zehn Kinder dürfen einer solchen Sprachfördergruppe angehören, auch „Gastkinder“ seien möglich, erklärt die Kinderhausleiterin über das „Spatz“ genannte Programm, an dem sich auch andere Kindergärten im Landkreis Heidenheim beteiligen. In Dischingen seien es derzeit fünf Jungen und Mädchen, die regelmäßig an den wöchentlich vier Stunden teilnehmen.

Im Mittelpunkt stehe als Schwerpunkt eine „alltagsorientierte Sprachförderung“, so Gabi Strohm. Alles werde in spielerischer Weise über Singen, Rollenspiele, Vorlesen, Reimen, Hörübungen und andere Methoden nahegebracht. Eine große Bedeutung habe die Bewegung, die im Neubau dank eines großen Bewegungsraums gut umgesetzt werden kann. „Sprachförderung hat sehr viel mit Bewegung zu tun“, sagt Gisela Behringer. So könnten beispielsweise Silben von Worten und Sprachrhythmus in Schritte umgesetzt werden. Auf diese Art würden mehr Sinne angesprochen und dies sorge für einen intensiveren Lerneffekt.

Doch damit ist es in St. Johannes noch nicht getan, denn man hat sich bei der Sprachförderung auch den modernen Medien geöffnet. Seit Mai 2013 gibt es hier das Sonderprogramm „Schlaumäuse“ als zusätzlichen Förderbaustein. Dabei handelt es sich um das Programm eines Softwareherstellers, das auf Computern oder Tablets genutzt werden kann. Der Dischinger Kindergarten habe zur Einweihung voriges Jahr von einem Sponsor ein Tablet samt der „Schlaumäuse“-Software und entsprechender Schulung bekommen, sagt die Leiterin.

Das speziell zur Sprachförderung für Vorschulkinder entwickelte Programm sei für jedes Kind individuell anlegbar, umfasse Spiele wie Bilder zuordnen oder auch mit Buchstaben und Worten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden sowie dazu passende erzählte Geschichten, sagt Gabi Strohm. Auch durch Zuhören könnten so Aufgaben aufgenommen und am Tablet umgesetzt werden. Die Kinder würden mit dem Computerprogramm entsprechend ihrer Fähigkeiten unterschiedlich angesprochen.

Die Nutzung erfolge aber stets in Betreuung einer Erzieherin und „wohldosiert“, betont Gisela Behringer. „Das Ganze ist eine bei den Kindern willkommene Abwechslung“, sagt Gabi Strohm.

Im Dischinger Kindergarten gebe es eine große Bandbreite an Kindern, die beim Angebot der Sprachförderung mitmachen: Kinder mit Migrationshintergrund und daraus resultierenden Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, mit Sprachhemmungen oder anderen sprachlichen Schwächen, schildern die beiden Erzieherinnen. Grundsätzlich zeige sich bei der Einschulungsuntersuchung durch das Gesundheitsamt im letzten Kindergartenjahr, ob bei einem Kind Bedarf bestehe. Werde dies festgestellt, könne der Kindergarten den Förderantrag stellen. Seit 2012 könnten darüber hinaus auch die Erzieherinnen entscheiden, ob zusätzlich die Teilnahme eines jüngeren Kindergartenkinds am Sprachförderprogramm „Spatz“ empfehlenswert wäre.

Die Kinder sind jedenfalls mit Feuereifer dabei, bringen sich und ihre Ideen mit ein. Der Erfolg des Programms ist freilich schwer zu messen, da die Kinder ja auch älter werden und eine Entwicklung durchmachen. Gisela Behringer: „Doch was wäre, wenn wir es nicht anbieten würden?“

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