Heidenheim / Karin Fuchs 450 Meter sind es vom Wohngebiet Fürsamen bis zum Kindergarten Wichernhaus - ein Fußmarsch von fünf Minuten auf der teils für Autos gesperrten Mühlstraße. Einige Mütter, die ihre Kinder dennoch fahren wollten, wurden von der Polizei kontrolliert und forderten eine Durchfahrgenehmigung.

Warum dieser vierfache Umweg? Die Mühlstraße ist zwischen den Fürsamen und Schnaitheim auf einem Abschnitt von gut 100 Metern für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die kleine Straße zwischen Bahnlinie und Feldern ist an dieser Stelle nur offen für Fußgänger und Radfahrer.

Genau das ist der Haken für mindestens sechs Familien im Fürsamen. „Es sind nur ein paar Meter in den Kindergarten, wir laufen fast jeden Tag dorthin, fahren im Sommer mit dem Laufrad oder Roller“, berichtet Nadine Hirsch, eine der Mütter. Nur bei schlechtem Wetter oder wenn die Zeit drängt, fahre sie ihr Kind mit dem Auto in den Kindergarten. Oder wenn das zweite, kleinere Kind schlafe und sie es nicht aufwecken wolle, dann fahre sie schnell mit dem Auto. Nimmt sie die offizielle Strecke über die Seewiesenbrücke und dann weiter nach Schnaitheim, kann es bei roter Ampel und geschlossenen Bahnschranken schon mal eine Viertelstunde dauern, bis sie am Ziel ist, das eigentlich in greifbarer Nähe wäre. Denn der Kindergarten liegt direkt an besagter Mühlstraße. Auf direktem Weg wäre man in einer Minute da.

Um Zeit und Benzin zu sparen, waren die Familien unabhängig voneinander im Rathaus vorstellig, um Sondergenehmigungen zum Befahren der Mühlstraße zu bekommen, hatten damit aber keinen Erfolg. Dies Straße sei nicht breit genug, lautete die Begründung vonseiten der Verwaltung. Man habe ihnen jedoch unter der Hand gesagt, sie sollten die wenigen Male bei schlechtem Wetter einfach durchfahren.

Gesagt, getan – bis eines Tages im Januar die Polizei an dieser Stelle stand und die verbotswidrig fahrenden Autofahrer kontrollierte. Und das just mittags und nicht nur an einem Tag. Laut Auskunft der Stadt wurde auch eine Ordnungswidrigkeit gemeldet.

Diese Kontrolle wiederum brachte die Familien noch mehr auf die Palme. Wieder wurden sie vorstellig im Rathaus, wieder ohne Erfolg. Die Eltern empfinden die Kontrollen als gezieltes Vorgehen gehen sie. „Es fahren auch andere auf diesem Weg“, berichtet eine Mutter, die die vom Fürsamen aus die Mühlstraße direkt im Blick hat. Nicht nur Autofahrer, die die Mühlstraße als Abkürzung benutzen, sondern sogar das Müllauto benutze die Straße auf dem Weg nach Schnaitheim, so ihre Beobachtung. Schließlich wandte sich einer der Väter schriftlich an unsere Zeitung, um die Forderung nach eine Durchfahrgenehmigung öffentlich zu machen. „Im Sinne unserer Kinder muss das geregelt werden.“

Doch eine solche Regelung im Sinne der Eltern wird es nicht geben. „Die Mühlstraße bleibt zu“, übermittelt der städtische Pressesprecher Wolfgang Heinecker das einhellige Ergebnis einer Verkehrsschau mit Mitarbeitern des Ordnungsamts und der Polizei, die sich erst vorige Woche mit dem Fall beschäftigt haben. „Wir machen es nicht besser, wenn wir die Straße öffnen“, so Heinecker. Denn dann würden alle anderen Nutzer gefährdet, da die Straße mit ihren drei Metern zu schmal sei. Auf der Mühlstraße seien zahlreiche Alltagsradler und Schüler unterwegs. Wenn die Straße erst einmal offen wäre, so Heinecker, würden nicht nur die wenigen durchfahren, sondern das würde noch mehr Verkehr nach sich ziehen. Eine Sondergenehmigung allein für die Eltern auszustellen, lasse indes das Recht nicht zu. Solche Sondergenehmigung gebe es nur, wenn jemand sein eigenes Grundstück erreichen wolle. „Es spricht viel für die Sicht der Betroffenen, aber noch viel mehr für die Sicht der Stadt.“

Der Fürsamen ist Bebauungsgebiet. Spätestens wenn weiter gebaut wird, wird sich am Zuschnitt oder der Öffnung der Straße etwas ändern.