Sontheim/Brenz / Maximilian Haller Bei der allerersten Auflage des Politiktages diskutierten Sontheimer Schüler mit Kommunalpolitikern, wie sich das Leben in der Gemeinde für Jugendliche verbessern lassen könnte.

Greta Thunberg ist derzeit in aller Munde. Mit ihrem Einsatz für den Klimaschutz hat die 16-jährige Schwedin maßgeblich zu der globalen Bewegung „Fridays for Future“ beigetragen und nebenbei bewiesen, dass die Jugend von heute doch nicht so politikverdrossen ist, wie gerne behauptet wird. Auch 1700 Kilometer von Schweden entfernt, in Sontheim an der Brenz, ist Gretas Enthusiasmus spürbar: Dort haben Schüler der Klassen sechs bis neun am Dienstag den ersten Politiktag abgehalten. Ihr Ziel: eine Plattform zwischen Jugendlichen und Kommunalpolitikern schaffen und jungen Menschen näherbringen, warum lokalpolitische Themen auch sie selbst betreffen.

Doch von Anfang an: Bei einer Veranstaltung der Schülermitverwaltung haben die Schüler den Kreisjugendreferenten Harald Wirth kennengelernt. Im Gespräch mit ihm sei ihnen aufgefallen, dass sie eigentlich nicht viel über Kommunalpolitik wissen, etwa, dass Jugendliche auch im Gemeinderat vertreten sein dürfen.

Schnell war der Entschluss gefasst, kommunalpolitische Vertreter in ein Forum einzuladen, bei dem die Schüler präsentieren, was ihnen in Sontheim fehlt und wie sich diese Ideen umsetzen lassen könnten. (siehe Infotext). Ihrem Aufruf folgten Bürgermeister Matthias Kraut sowie als Vertreter der Gemeinderatsfraktionen Magnus Welsch (CDU), Jonas Pürckhauer (Freie Wählervereinigung) und Jürgen Mäck (SPD).

Ein „Meeting-Point“ soll her

In erster Linie ging es den Sontheimer Schülern darum, Plätze in der Gemeinde zu schaffen, an denen sich die Jugendlichen treffen können, beispielsweise ein Skatepark. Neben einer Kostenkalkulation brachten die Schüler auch gleich einen potenziellen Standort beim Rewe für die Anlage mit. „Jetzt würden wir gerne Meinungen hören“, forderte Mareike Paolangelo von den Gemeinderäten, die die Veranstaltung gemeinsam mit ihrer Mitschülerin Veronique-Tabea Geyer (beide 16) moderierte.

Jürgen Mäck wies die Schüler darauf hin, dass es in der Gemeinde einst bereits eine Skateanlage gegeben habe. Die Teile dafür seien nach wie vor vorhanden, aus diesem Grund sei es laut dem Gemeinderat auch durchaus vorstellbar, die Anlage an einer anderen Stelle als beim Rewe wieder aufzubauen.

Auch das Konzept für ein Kino-Freizeitzentrum stieß bei den Lokalpolitikern auf Zustimmung. „Das ist eine schöne Idee, über die man ernsthaft nachdenken sollte“, sagte Matthias Kraut. Jonas Pürckhauer lobte denn „Weltklasse-Vortrag“ der Schülergruppe und hoffte, dass diese das Zentrum auch nutzen würden und „nicht nur zu Hause Netflix gucken“.

Weiterführung denkbar

Die Politiker zeigten sich von dem Projekt Politiktag begeistert. Matthias Kraut verwies auf den Sontheimer Jugendgemeinderat, der 2013 aufgrund mangelnden Interesses eingestellt werden musste. „Umso schöner, dass sich die Jugendlichen nochmal dazu aufgerafft haben“, freute sich der Bürgermeister, der auch zugab, dass sich die Gemeindeverwaltung noch etwas schwertue, die Jugend anzusprechen.

Sehr zufrieden von dem Dialog zeigten sich auch die Schüler: „Wir fanden es toll, dass die Politiker sich eingebracht haben und nicht einfach desinteressiert dasaßen“, lobte Veronique-Tabea Geyer. Während des Dialogs hätten sich die Schüler auch ernst genommen gefühlt. „Unser Ziel war es, die Barriere zu brechen und unseren Mitschülern zu zeigen, dass Politik auch in unserer Gemeinde stattfindet“, erklärte Mareike Paolangelo. Ob ihnen das gelungen ist, bleibt abzuwarten. Dass der Politiktag weiterbestehen soll, scheint hingegen gesichert zu sein.

Was sich die Sontheimer Jugend wünscht

Mehr öffentliche Plätze sollen her, wenn es nach den Sontheimer Schülern geht. Zu ihren Vorstellungen gehören ein Skatepark, mehr Sitzgelegenheiten auf den Pausenhöfen, mehr Kinder- und Jugendspielplätze und die Sporthalle ein bis zweimal pro Woche für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Mensaessen beurteilten die Schüler zwar prinzipiell als gut, allerdings wünschten sie sich mehr Abwechslung beim Menu, etwa durch Aktionstage, an denen sich jeder seinen eigenen Burger zusammenstellen könne.

Dass ein gewerbliches Kino in Sontheim nicht umsetzbar wäre, dessen ist sich die Sontheimer Jugend bewusst. Stattdessen plädierten die Schüler für ein Kino-Freizeit-Zentrum, welches neben Filmvorführungen auch Raum für Public Viewing und Theatervorführungen bieten soll.

Ein Schüler, der sich selbst als leidenschaftlichen Angler beschrieb, machte sich bei dem Politiktag zudem für einen Verkaufsautomaten für Angelzubehör in der Gemeinde stark.