Sontheimer geben ihrem Maibaum eine Doppelfunktion

Klaus-Dieter Kirschner 02.05.2012
Im Dörfchen am Fuße des Burgstalls sind die Erfinder Zuhause und sie überraschten am Vorabend des Maifeiertags mit einem Maischerz der besonderen und der niemanden verletzenden Art: Sontheims Maibaum ist ganz oben Maibaum und darunter eine Windkraftanlage.

Und genau das war der Grund, warum in diesem Jahr das Aufstellen des Maibaums so lange dauerte und einer Geduldsprobe nicht unähnlich war. Der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Altes Backhaus, Hans-Peter Mack, schilderte auf Anfrage der Kreisredaktion, was zunächst als Stammtisch-Idee geboren worden war und schließlich zur Tat werden sollte. Jeder rede vom Windpark. Zum Beispiel von dem bei Gnannenweiler, der womöglich um weitere Windräder erweitert werden soll. Und in Gnannenweiler gibt es mehr Photovoltaikanlagen auf den Dächern als in jedem anderen Ort.

Die Sontheimer stehen – wenn man so will – zur politisch propagierten Energiewende. Warum soll dann nicht der Maibaum auch noch Strom produzieren?

Die Idee ist faszinierend, doch leider nicht ganz auf die Schnelle zu verwirklichen gewesen. Da braucht es nämlich noch einiger technischer Raffinessen. Und doch: Die Sontheimer reklamieren für sich die Erfindung eines „Meteorkrater Elektro Bulldogs.

Kraft ohne Ende und keine Ladungspause

Das alte „Dieselross“ der Marke Fendt stößt demnach keine Rußwolken mehr aus, kommt ohne Dieselfilter und ohne Akkus aus. Also keine Ladezeit mehr aber dafür Kraft ohne Ende. Allerdings funktioniert der Bulldog nur bei Wind und nicht bei jedem Wetter. Die Reichweite des Traktors liegt bei zwei Hektar. Weiter reicht die heckseitig angebrachte Kabeltrommel nämlich nicht. Zertifiziert ist der Schlepper auch: Die Meteorkrater-Umwelt-Plakette trägt keine Farbe. Deshalb würde man wahrscheinlich so ein Vehikel kaum nach Heidenheim hinein lassen. Der Versuch wäre es vielleicht wert, doch reicht soweit die Verlängerungsschnur auch nicht.

Eifrig war auf den großen Tag hin gewerkelt worden. Hans-Peter Mack: „Die Techniker aus unsrem Verein liefen zur Hochform auf!“ Das Produkt kann sich sehen lassen.

Das Aufstellen des Maibaums am Montagabend, so Hans-Peter Mack, dauerte in diesem Jahr. Bevor Feuerwehrleute, Bürger und Aktive der Dorfgemeinschaft kräftig in die Hände spuckten, wurde erst einmal die ganze Technik für den Propeller und die Stromversorgung montiert. Hernach ging es mit viel Hauruck und Schieben und Drücken mit dem Maibaum in die Senkrechte. Einmal mehr hatten etliche Sontheimerinnen Tage vorher eine allmachtslange Girlande geflochten, die nun als Spirale den Maibaum-Stamm umschlingt.

Als der Maibaum seine entgültige Position erreicht hatte und mit Keilen stabilisiert worden war, war es auf dem Hof von Hans-Jörg Maier Zeit für ein richtig zünftiges Mai(baum)festle. Der Kinderchor des Gesangvereins „Eintracht“ sang. Bürgermeister Olaf Bernauer lobte die Sontheimer für die pfiffige Idee, dem Maibaum eine doppelte Aufgabe zu geben. Und so wurde es ein langer Abend, an dem sich aber die Frage nach der Maibaum-Wache angesichts des Warnschildes: „Achtung! Starkstrom!“ nicht stellte.

Inzwischen ist die Kombination von Maibaum und Windradel schon von vielen hundert Leuten bestaunt worden, die am Maifeiertag auf ihrer Radeltour mitten in Sontheim Station machten und staunten. Andere spektakuläre Maischerze wurden aus Steinheim nicht bekannt. Letztes Jahr hatte es noch eine bemerkenswerte Aktion rund um einen Aussichtsturm fürs Steinheim Becken gegeben. Die Baupläne für einen richtigen Aussichtsturm werden baulich nicht verwirklicht.

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