Varta Soll der Dischinger Batteriehersteller Varta verkauft werden?

Beim Spatenstich im November für die neue Produktionshalle in Dischingen hatte wohl niemand damit gerechnet, dass Varta Consumer Batteries schon bald einen neuen Eigentümer haben könnte.
Beim Spatenstich im November für die neue Produktionshalle in Dischingen hatte wohl niemand damit gerechnet, dass Varta Consumer Batteries schon bald einen neuen Eigentümer haben könnte. © Foto: Archiv/lst
Von Laura Strahl 08.01.2018
Der amerikanische Mutterkonzern des Batterieherstellers, Spectrum Brands, hegt offenbar Verkaufspläne. In Dischingen wären 470 Mitarbeiter betroffen.

Eigentlich läuft es beim Batteriehersteller Varta ziemlich rund: In den vergangenen Jahren konnte die Zahl der produzierten Zellen von 600 Millionen auf 1,5 Milliarden pro Jahr hochgeschraubt werden.

Und die Tendenz ist weiter steigend: Mit dem Bau einer neuen Halle am Dischinger Werk (fünf Millionen Euro) und der Modernisierung des dortigen Maschinenparks (15 Millionen Euro) will man künftig 1,7 Milliarden AA- und AAA-Batterien pro Jahr herstellen. Man sei weiterhin in der Lage zu wachsen, freute sich Gerhard Sommerer, Mitglied der Varta-Geschäftsführung, noch im November beim Spatenstich für die neue Halle.

Kein Wunder also, dass die jetzige Ankündigung von Spectrum Brands, dem Eigentümer von Varta Consumer Batteries, für alle Beteiligten überraschend kommt: Man wolle die Batteriesparte und das Geschäft mit Elektrokleingeräten noch im Jahr 2018 verkaufen. Wie die „Aalener Nachrichten“ berichten, sind die Mitarbeiter – rund 470 Personen in Dischingen und 500 in Ellwangen – am Mittwoch über die Verkaufspläne ihres amerikanischen Mutterkonzerns informiert worden.

Erst 2002 verkauft worden

Was das nun bedeutet? Thomas Markus, Personalchef Europa von Varta Consumer, geht davon aus, dass das Geschäft unverändert weitergeht. Zwar werde sich aller Voraussicht nach der Eigentümer ändern, den Wachstumskurs wolle man aber fortsetzen.

Zudem zeige die Erfahrung, dass sich die Geschäfte durch einen Eigentümerwechsel auch zum Positiven verändern könnten: 2002, so zitieren die „Aalener Nachrichten“, sei Varta Consumer Batteries an die zu Spectrum Brands gehörende Firma Rayovac verkauft worden – ein Schritt, der Varta laut Personalchef Markus eine „wahnsinnige Expansion“ beschert hat.

Dennoch ist für die Firmenleitung natürlich schwer abzuschätzen, was sich für die betroffenen Mitarbeiter tatsächlich ändern wird, falls die Verkaufspläne Wirklichkeit werden sollten.

Kommt ein Finanzinvestor zum Zug, wird laut Thomas Markus wohl alles bleiben, wie es derzeit ist. Eventuell könnten in Ellwangen, dem Sitz von Verwaltung, Vertrieb und Versand, sogar Arbeitsplätze hinzukommen.

Und in Dischingen? Der Bau der neuen 6000 Quadratmeter messenden Produktionshalle jedenfalls soll wie geplant fortgesetzt werden. Die Fertigstellung ist für März geplant, die Produktionsfläche in Dischingen dann um rund ein Drittel vergrößert.

Schon mehrere Interessenten

Spectrum Brands übrigens will durch den Verkauf seiner Batterie- und Elektrokleingerätesparte – betroffen sind Marken wie Russell Hobbs und Remington – ebenfalls wachsen bzw. in den übrigen Geschäftsbereichen höhere Gewinne erzielen.

Wie die „Aalener Nachrichten“ aus Mitteilung des Vorstandsvorsitzenden David Maura an Investoren berichten, will sich die Spectrum-Brands-Gruppe, die momentan weltweit 15 700 Mitarbeiter beschäftigt, künftig auf seine anderen Geschäftszweige (Armaturen und Beschläge für Wohnungen, Autopflege, Tierbedarf sowie Haus und Garten) konzentrieren. Zudem sollen offenbar Schulden abgebaut und Aktien zurückgekauft werden.

Einen konkreten Käufer für die beiden betroffenen Sparten gibt es der Mitteilung nach noch nicht, wohl aber mehrere Anfragen von Investoren. Mit einigen davon sei man derzeit im Gespräch. Ob und wann Varta Consumer Batteries und Firmen für Elektrokleingeräte verkauft werden, lässt das Unternehmen allerdings offen.