Niederstotzingen So stellen sich die Niederstotzinger Stadtentwicklung vor

Niederstotzinger Bürger diskutierten im alten Hauptschulgebäude, was ihrer Meinung nach in der Stadt passieren sollte. Die Ergebnisse werden noch im Gemeinderat vorgetragen. Moderiert wurde die Bürgerwerkstatt vom Planungsbüro Reschl.
Niederstotzinger Bürger diskutierten im alten Hauptschulgebäude, was ihrer Meinung nach in der Stadt passieren sollte. Die Ergebnisse werden noch im Gemeinderat vorgetragen. Moderiert wurde die Bürgerwerkstatt vom Planungsbüro Reschl. © Foto: Christian Thumm
Niederstotzingen / Patrick Vetter 26.06.2018
30 Niederstotzinger Einwohner formulierten in Arbeitsgruppen Vorschläge für die Stadtentwicklung. Grundlage war die ausgezählte Bürgerbefragung.

Bei den vielen Vorschlägen müssen sie noch 60 Jahre Bürgermeister bleiben“, sagte ein Teilnehmer der Bürgerwerkstatt zu Bürgermeister Marcus Bremer. Knapp viereinhalb Stunden saßen 30 Niederstotzinger Bürger am Samstag zusammen im Hauptschulgebäude und diskutierten, wie man die Ergebnisse der Bürgerbefragung zur Stadtentwicklung in konkrete Konzepte übersetzten könnte.

In der Stadthalle waren noch 200 Leute

Teilnehmen konnte jeder interessierte Einwohner der Stadt und ihrer Teilorte – zur vorbereitenden Versammlung einige Tage zuvor waren rund 200 in die Stadthalle gekommen. In zwei Gruppen machten sich die 30 Teilnehmer jetzt Gedanken über die Themen, die die Niederstotzinger bewegen. Gruppe A behandelte unter anderem die Stadtentwicklung und -gestaltung, das Wohnen, die Wirtschaft und die Landwirtschaft, Gruppe B zum Beispiel Gesundheitsthemen, Kultur, Infrastruktur und Tourismus.

Leerstehende Gebäude nutzen

Nach den Diskussionen in den Arbeitsgruppen präsentierte zunächst Christine Sawetz, Sprecherin der Gruppe A, ihre Ergebnisse. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Innenentwicklung vorangetrieben werden sollte. So könnten zum Beispiel alte Höfe aufgekauft werden und alte und leerstehende Gebäude vor allem in der Kleinen Gasse umgenutzt werden. Bürger könnten Patenschaften für Grundstücke übernehmen und sich in der Organisation einbringen.

Darüber hinaus solle es mehr Wohnungen nahe des Stadtzentrums geben auch für Senioren. „Wir hatten die Idee eines Dorfs in der Stadt“, so Sawetz: einer zentralen betreuten Seniorenwohngemeinschaft.

Die Arbeitsgruppe A legte außerdem Wert auf ein grünes Stadtbild, ökologisches Bauen und regenerative Energien. Auch in der Bürgerbefragung waren die Natur und die ländliche Lage den Niederstotzingern wichtig gewesen. Hecken und Baumbestände sollten geschützt und auch Privatleute unterstützt werden, ihre Grünflächen zu erhalten. In dem Graben am Ortsausgang Richtung Günzburg könne ein Belag verwendet werden, auf dem Bewuchs möglich ist, so Sawetz für ihre Gruppe, die außerdem mehr Mülleimer und Hundebeutelspender forderte.

Auch wünschten sie sich, dass das Netto-Gebäude nicht leerstehen werde. Das leerstehende Bahnhofsgebäude könne nach Ansicht der Bürger auch gastronomisch genutzt werden.

Zentraler W-Lan-Hotspot

Der Ausbau der Infrastruktur, vor allem der Breitbandausbau, solle forciert werden. Hier überschnitten sich die Ergebnisse mit denen der Gruppe B mit ihrem Sprecher Dr. Ulrich Fister. Eine kurzfristige Lösung für schnelles Internet könne ein zentraler W-Lan-Hotspot sein. Neben einem Jugendtreff erwartet das Team um Christine Sawetz von der Stadt, sich für Jugendliche vor Ort einzusetzen, damit diese in lokalen Unternehmen einen Ausbildungsplatz bekommen.

Für andere Altersgruppen könne man genauso etwas tun. So forderte Fister stellvertretend für Gruppe B das Kinderbetreuungsangebot und die Grundschule zu erhalten. „Spielplätze kann man zu generationsübergreifenden Treffpunkten ausbauen“, sagte er.

„Viele wissen nichts von den Kulturveranstaltungen“

Für Personen mittleren Alters wünschte sich seine Gruppe mehr Kultur, wie beispielsweise ein Umfeld für Kleinkunstveranstaltungen. Das Vorhandene müsste laut Fister bekannter werden: „Wir haben kulturelle Angebote, aber viele wissen nichts davon.“ Auch im Tourismus sei das teilweise das Problem, weshalb die Gruppe B einen Faltplan und eine Internetseite für sinnvoll hielt. Die Tourismusangebote sollten erfasst und vernetzt werden. Wichtig war für das zweite Team ein Radweg vom Archäopark Richtung Hürben. Freier Eintritt für Anwohner könne den Archäopark stärker beleben.

Lärm durch Straßenbelag verringern

Ein großer Punkt für die Gruppe um Fister war die Mobilität: Angefangen bei der Barrierefreiheit, wo ein Rundgang des Gemeinderats mit Betroffenen sinnvoll sei, bis zum Lkw-Verkehr, bei dem man sich mit Nachbargemeinden abstimmen müsse, hatten die Bürger viele Vorschläge. Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometer auf der Hauptstraße wurde angesprochen. Das sei aber schwierig, da es sich laut Bürgermeister Bremer um eine Landesstraße handele. An mehreren Stellen könne man durch einen anderen Straßenbelag zumindest den Lärm verringern.

An Schulen und Kindergärten müsse der Verkehr entschärft werden. Das Fahrradnetz solle ausgebaut werden, doch: „Das würde sehr viel Geld kosten“, sagte Fister. Ein neuer Anlauf für einen Fahrdienst nach Günzburg würde die Anbindung an die Stadt verbessern. Auch das wünschten sich viele in der Gruppe. Bei der E-Mobilitäts-Förderung könne ein Car-Sharing-Konzept ein Anfang sein.

Jetzt ist die Firma Reschl am Zug

„Jetzt liegt der Ball bei uns, um konkrete Konzepte zu entwickeln“, sagte Adrian Schwake vom Planungsbüro Reschl. Seine Firma will nun versuchen, die Wünsche der Bürger auf Umsetzbarkeit zu prüfen. Die Entscheidungen, was umgesetzt wird, treffe am Ende der Gemeinderat, betonte Schwake. Bremer gefielen die Ergebnisse: „Wir sind an vielen Sachen schon dran, Sie wissen es nur noch nicht.“

Die Ergebnisse und Diskussionen der Bürgerwerkstatt sollen nun noch im Gemeinderat vorgestellt werden.

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