Bächingen Von Mais bis Rasen: Wie der Einzelne die Natur schützen kann

Bächingen / Patrick Vetter 15.06.2018
Wilhelm Rochau erklärt, wieso es wichtig ist, dass jeder Einzelne sich im Privaten Gedanken zum Umweltschutz macht. Im Mooseum in Bächingen macht er seit zehn Jahren Umweltbildung.

Ozonlöcher, Urwaldabholzung und Müll in den Ozeanen: Viele stellen sich angesichts dieser großen Umweltprobleme die Frage, was man als Einzelner in Sachen Umweltschutz überhaupt ausrichten kann. Wilhelm Rochau, Vorsitzender des Fördervereins Mooseum, hat Antworten auf diese Frage und erklärt wieso es nötig ist, sich einzusetzen.

Es gibt große Umweltprogramme und bundesweite Naturschutzmaßnahmen. Wieso ist es da überhaupt nötig, dass jeder Einzelne sich für den Umweltschutz einsetzt?

Wilhelm Rochau: Seit ein paar Jahren beobachtet man das starke Artensterben der Insekten und Bienen. Einige Arten sind bei uns schon ganz verschwunden. In der Brenzaue gab es früher mehr Wiesenbrüterarten, außerdem gibt es kaum mehr Feldhasen oder Rebhühner. Die Zahlen der Feldlerchen und in den Dörfern die der Schwalben gehen zurück. Wenn es um die Natur geht, sollten sich, wie Sie sehen, also möglichst viele oder sogar alle Gedanken machen, was man im eigenen Umfeld tun kann.

Wie weit ist der Rückgang all dieser Arten denn schon fortgeschritten?

Rochau: Der Prozess geht immer weiter. Gerade bei den Wiesenbrütern geht die Zahl schon seit mindestens 20 Jahren zurück. Heute wird zum Beispiel zu viel Mais angebaut für die Biogasanlagen, was die Zerstörung von Lebensräumen noch beschleunigt. Viele Arten kann man vielleicht nicht mehr retten. Meiner Meinung nach kann man gar nicht mehr komplett zurückrudern.

Genau diese Meinung hört man leider ja sehr oft. Viele sagen: Es wurde schon so viel kaputt gemacht, da könne man als Einzelner nichts mehr bewirken. Stimmt das?

Nein, jeder Einzelne kann in seinem Garten und seinem engsten Umfeld viel bewirken. Bietet man Insekten Lebensraum, setzt sich der Kreislauf fort und auch die Vögel haben etwas davon. Singvögel finden in Wohngebieten ohne Gebüsch oder Gestrüpp und Bäume, in denen zu viel gemäht wird kein Futter. In manchen Gärten wurde dieses Jahr schon zum vierten Mal gemäht, dadurch wird alles Leben zerstört. Das passiert vielleicht auch unbewusst, deshalb muss man die Leute besser informieren und aufklären.

Was macht gerade das Rasenmähen zu so einem großen Problem?

Es zerstört die Artenvielfalt. Wenn ich höre, wie Leute auch vom Urlaubsort aus mit dem Mähroboter Zuhause mähen, geht mir der Hut hoch. Das Problem an der Sache ist: Das Gras wird mit fünf bis sechs Zentimetern Höhe abgeschnitten, liegengelassen und düngt direkt wieder den Rasen. Da kann keine Wildblume mehr wachsen und kein Insekt überleben. Die Bodenlebewesen gehen durch die ständige Düngung kaputt. Vögel finden in so einem Garten keine Raupen und Insekten.

Was kann man denn in seinem eigenen Garten aktiv machen, abgesehen davon, weniger zu mähen?

Jeder kann ein paar Hecken und Sträucher im Garten pflanzen. Wenn man zwei Obstbäume pflanzt, bringen die auch wieder Arten mit sich. Sie blühen im Frühjahr. Bevor das Obst heranwächst und herunterfällt sind hier auch Insekten unterwegs. Wildbienen finden an ihnen Nahrung. Eine bestimmte Fläche Rasen kann man ausblühen lassen. Im Sommer blühen dann unter anderem ganz andere Arten von Wildblumen im Garten.

Wie sieht denn Ihr eigener Garten aus?

Dort wurde dieses Jahr tatsächlich schon einmal gemäht. Ein Teil ist aber stehengeblieben. In einem anderen Teil habe ich jetzt eine Blühmischung ausgesät, dort habe ich vorher Hühner gehalten. Dann stehen noch zwei Obstbäume, ein Kirschbaum und ein Apfelbaum, im Garten. Dazu kommen verschiedene Sträucher wie wilder Holunder. Mein Garten ist nicht groß, aber es wachsen viele verschiedene Pflanzen dort.

Auch beim Einkaufen kann jeder etwas für die Umwelt machen. Ein Biosiegel ist leider nicht immer ein Garant für unbedenkliche Produktion. Wie kauft man ökologisch ein?

Wenn es in der Region Biobauern gibt, sollte man dort hingehen. Man kann dem Landwirt in die Augen schauen und viel leichter darauf vertrauen, dass seine Produkte unbedenklich sind. Wenn man Bioprodukte im Supermarkt kauft, die aus Spanien oder sogar Afrika kommen, hat man keine Möglichkeit zur Kontrolle. Man sollte auch beim Einkaufen von Wasser und anderen Artikeln darauf achten, dass es nicht über weite Strecken hertransportiert wurde.

Spüren Sie in der Bevölkerung ein Umdenken? Wird das Naturbewusstsein wieder größer?

Nicht wirklich. Auch öffentliche Flächen werden immer öfter bis in den Straßengraben gemäht oder gemulcht, also geschnitten und liegen gelassen. In der Landwirtschaft werden immer mehr Äcker mit Spritzmitteln vergiftet oder jahrelang nur mit Mais bepflanzt und die Artenvielfalt kaputt gemacht.

Sind die Schäden, die entstehen, reparabel?

Die sind garantiert nicht voll reparabel, wenn man so weitermacht. Bis das Gift, das auf Äckern gesprizt wurde, aus dem Boden ist, dauert es länger und solang wächst nichts Neues. Wenn solche Flächen liegen gelassen werden, wächst kein Gänseblümchen oder Löwenzahn mehr.

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