Itzelberg/Dischingen Sind die Seen im Hitze-Stress?

Im Rötlenstausee bei Ellwangen verendeten massenhaft Fische an Sauerstoffmangel. Diese Gefahr droht derzeit weder im Itzelberger See noch im Härtsfeldsee.
Im Rötlenstausee bei Ellwangen verendeten massenhaft Fische an Sauerstoffmangel. Diese Gefahr droht derzeit weder im Itzelberger See noch im Härtsfeldsee. © Foto: Markus Brandhuber/Frank Rathgeb
Itzelberg/Dischingen / Christine Weinschenk 09.08.2018
Im Rötlenstausee bei Ellwangen verendeten massenhaft Fische an Sauerstoffmangel. Wie stark hat das Wetter der vergangenen Wochen den Seen im Landkreis zugesetzt?

Hohe Wassertemperaturen und niedriger Sauerstoffgehalt – das waren die Gründe für das massenhafte Fischsterben im Rötlen-stausee bei Ellwangen Ende vergangener Woche. Der Angelsportverein Ostalb hat das 13 Hektar große Gewässer gepachtet. Laut Voin Stojanovic, Vorsitzender des Vereins, sind etwa fünf Tonnen Fisch im Wert von geschätzt 45 000 Euro verendet. Darunter viele Zander, Karpfen, Weißfische und Waller. Das relativ flache Wasser (etwa 1,5 Meter) war aufgrund der anhaltenden Hitze auf 27 Grad gestiegen. Auch nachfließende Gewässer, etwa der 20 Grad warme Haselbach, konnten den Rötlenstausee nicht abkühlen.

Schuld am Fischsterben war nicht unbedingt die Wassertemperatur, sondern der extreme Mangel an Sauerstoff. Die Fische sind erstickt. „Je wärmer das Wasser desto weniger Sauerstoff“, erklärt Stojanovic. Durch die Wetterlage hatten sich Algen außergewöhnlich stark vermehrt, die dem See nachts zusätzlich Sauerstoff entziehen. „Das Wasser war schon im Vorfeld recht trüb und grünlich“, sagt Stojanovic. „So hat die Katastrophe ihren Lauf genommen. Vergangene Woche ging die Sauerstoffkonzentration dann gegen Null.“

Itzelberger See bleibt kalt

Um kühleres und sauerstoffhaltigeres Wasser in den Rötlensee zu leiten, sind nun die Abflüsse von umliegenden Gewässern weiter geöffnet worden. Außerdem wird ein spezieller Belüfter eingesetzt, der Sauerstoff ins Wasser bringen soll.

Und wie ist die Lage der Seen im Landkreis? Den 8,4 Hektar großen und rund 1,5 Meter tiefen Itzelberger See lässt die Hitze der vergangenen Wochen fast völlig kalt. 12,5 Grad misst er momentan. „Der See wird von frischem Wasser aus Brenz und Pfeffer gespeist und ist daher immer schön kühl“, sagt Torsten Fröhle, Betriebsleiter des Wasserwerks der Härtsfeld-Albuch-Wasserversorgung in Itzelberg.

Wärmer als im Frühjahr sei der See zwar, „aber solche Probleme wie in Ellwangen gibt es bei uns nicht.“ Dafür sorgen rund 300 Liter Karstwasser, die momentan pro Sekunde in den See fließen. „Solange der Zulauf so bleibt, besteht für die Fische keine Gefahr und der Wasserstand bleibt stabil“, ergänzt Rainer Junginger, Gewässerführer und ehemaliger Wasserwerk-Betriebsleiter.

Was am Itzelberger See allerdings auffällt, ist der starke Algenbefall. „Das ist jeden Sommer bei starker Sonneneinstrahlung der Fall und gilt für die gesamte Brenz“, sagt Fröhle. Auch Junginger sieht keinen Unterschied zu den Vorjahren. „Diese Fladen bestehen aus Grünalgen und Fadenalgen. Wenn es heiß ist, lösen die sich vom Seegrund.“ Beim Thema Seegrund kommen Erinnerungen hoch: 2001 wurde das Seebecken mittels Schwimmbagger und Absaugeinrichtung entschlammt, weil der Bodensatz Fauna und Flora zu ersticken drohte. 2004 wurde das Wasser abgelassen; diese „Winterrung“ sollte das Schlammvolumen noch reduzieren. Laut Junginger ist der Schlamm im See allerdings wieder ein zunehmendes Problem.

Und wie geht es dem Härtsfeldsee? Laut Martha Kragler vom Wasserverband Egau ist der Wasserstand im 11,5 Hektar großen und bis zu vier Meter tiefen See aufgrund der Hitze sinkend, allerdings bislang nicht unter dem Niveau der Vorjahre. „Wir hatten im August schon deutlich weniger Wasser. Es gab Sommer, in denen man zur Insel laufen konnte. Davon sind wir noch weit entfernt.“

Derzeit keine Gefahr für Fische

In zwei Metern Tiefe misst der Härtsfeldsee derzeit 20 Grad. Positiv wirke sich der noch bestehende Zufluss von der Egau in den Härtsfeldsee aus, so Kragler. „Allerdings wird dieser bald versiegen, wenn es nicht bald Regen gibt.“ Die Algenbildung sei im Vergleich zum vergangenen Jahr sehr gering. Aktuell liege der Sauerstoffgehalt im See bei 15,2 Milligramm pro Liter. Eine Gefahr für die Fische bestehe erst ab etwa vier Milligramm pro Liter – der Wert variiere allerdings von Fischart zu Fischart.

„Durch den ausreichenden Wasserstand gibt es aktuell jedenfalls keine Hitzeauswirkungen für die Fische“, so Kragler. „Aber das ist nur eine Momentaufnahme. Nächste Woche kann das schon ganz anders aussehen.“

Wie auch der Itzelberger See, ist der Härtsfeldsee kein ausgewiesener Badesee. „Die Qualität des Wassers ist aber nicht schlecht“, so Kragler. Bis vor etwa zehn Jahren sei der Härtsfeldsee noch offizieller Badesee gewesen. „Allerdings wurde er nicht besonders gut angenommen und dann wollte man sich die hohen Kosten, die die Gemeinde für die für Badeseen vorgeschriebenen Wasser-Untersuchungen aufbringen musste, sparen.“

Der Zustand der Brenz wird von der Unteren Wasserschutzbehörde übrigens ebenfalls als unkritisch eingeschätzt. Durch die Renaturierungsmaßnahmen finde ein Sauerstoffeintrag statt und der Wasserpegel sei nur 10 bis 20 Zentimeter niedriger als bei Normalstand. Das Regierungspräsidium Stuttgart konstatiert ebenso ein gutes Wasserstandsniveau. Zur aktuellen Temperatur der Brenz liegen dem RP allerdings keine Daten vor.

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