Königsbronn SHW: Ausschuss stimmt für die Schließung

Protest bei SHW HPCT gegen die Schließung des Königsbronner Werks und den Verlust von 162 Arbeitsplätzen.
Protest bei SHW HPCT gegen die Schließung des Königsbronner Werks und den Verlust von 162 Arbeitsplätzen. © Foto: Markus Brandhuber
Königsbronn / Klaus Dammann 13.02.2019
Der Beschluss bedeutet für das Traditionsunternehmen in Königsbronn das Betriebsende nach 653 Jahren und das Aus für die 162 Mitarbeiter.

Die vom vorläufigen Insolvenzverwalter Martin Mucha Ende voriger Woche angekündigte Hiobsbotschaft für die SHW High Precision Casting Technology GmbH (SHW HPCT) hat sich bestätigt: das Aus bei dem Königsbronner Traditionsbetrieb. Der Gläubigerausschuss hatte am Montag per Telefonkonferenz getagt und mit kurzer Verzögerung der Schließung des Unternehmens zugestimmt.

Wie Mucha am Mittwoch schilderte, hatte er die Ausschussmitglieder über die wirtschaftliche Lage der SHW HPCT informiert. Nachdem keine Lösung für die Situation gefunden worden sei, habe sich daraus die Schließung ergeben. Mit welcher Mehrheit der aus fünf Personen bestehende Gläubigerausschuss abgestimmt hat, teilte der Insolvenzverwalter nicht mit: „Darüber darf man keine Auskunft geben. Es ist vertraulich.“

Die Stilllegung des Werks könnte nach Muchas Einschätzung im März oder April erfolgen. Zuvor ständen jetzt unter Beteiligung von Arbeitsrechtlern seine Gespräche mit dem Betriebsrat über den Interessenausgleich und einen Sozialplan an.

Für die 162 Mitarbeiter, die danach ihre Kündigung erhalten werden, ist es die dritte Insolvenz bei SHW CT seit 2013. Sie alle hatten bis zuletzt gehofft und um ihre Arbeitsplätze gekämpft – und dies vor dem Hintergrund, dass sie in den vergangenen fünf Jahren schon vielerlei Belastungen wie Lohn-Einschnitte, Überstunden oder verschobenen Urlaub in Kauf nahmen.

Wut bei der Gewerkschaft

Auch seitens der Gewerkschaft IG Metall ist man über das Ende der SHW „schockiert“ und „wütend über das Versagen der Geschäftsführung“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Man höre „auf keinen erfahrenen Betriebsrat“, nutze das Wissen und die Erfahrung der Belegschaft nicht „und die Warnhinweise der IG Metall ignorieren die Herren sowieso“, so Ralf Willeck, der Erste Bevollmächtigte der IGM Heidenheim. „Die Investoren ziehen weiter, der Insolvenzverwalter bekommt seine Gebühren. Alle sind versorgt und müssen sich keine Sorgen machen. Zurück bleibt die Mannschaft.“

Bei SHW habe er wie in vielen anderen Betrieben Manager erlebt, die die Gewinne zulasten nachhaltiger Entwicklungen und der Beschäftigten maximierten und dabei bewusst hohe Risiken in Kauf nahmen, schilderte Willeck. Er erlebe „echte Unternehmer, die einen Betrieb kreativ und nachhaltig durch Krisen führen und die Belegschaft als wichtigstes Kapital Wert schätzen als aussterbende Art“.

In der Stellungnahme der Gewerkschaft heißt es weiter: „Mit mangelnder Auftragslage, schlechter Qualität oder unmotivierten Beschäftigten hat die Schließung nichts zu tun.“ Vielmehr hätten „größenwahnsinnige Unternehmer, gierige Investoren und planlose Insolvenzverwalter“ die Firma „dahingerafft“.

Willeck im Hinblick auf die drei Insolvenzen bei SHW: „Ich habe noch nie eine Belegschaft erlebt, die trotz ständiger Tiefschläge so zusammengehalten und gekämpft hat.“ Man habe alles versucht, um die Schließung aufzuhalten. Zusammen mit dem Betriebsrat habe die IG Metall „unzählige Gespräche mit Kunden, potenziellen Investoren, dem Insolvenzverwalter, Banken und der Landespolitik geführt – leider vergeblich“.

Schwerer Schlag für die Region

Bei der Gewerkschaft sieht man auch einen schweren Schlag für die Region Heidenheim, denn nach Sconvey in Giengen und der Heidenheimer Gießerei verschwinde wieder ein Traditionsbetrieb. „Mit weitsichtigerem und unternehmerischem Handeln hätte jede dieser jüngsten Pleiten abgewendet werden können“, sagte Willeck.

Ein jeder Arbeitgeber könnte stolz auf so eine Mannschaft sein, meinte der Gewerkschafter in Bezug auf die 162 Mitarbeiter bei SHW HPCT in Königsbronn. „Hoffentlich denken die Personalchefs daran, wenn sie demnächst eine Bewerbung eines SHWlers auf den Tisch bekommen.“

SHW: eine Petition und ein neuer Verein

„653 Jahre SHW Königsbronn – Tradition darf nicht sterben“ heißt eine Petition an Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, die vom Betriebsrat der SHW HPCT auf der Internetseite „change.org“ gestartet wurde.

Geschildert wird darin, dass das Land bis 2003 an der SHW 50 Prozent der Anteile hielt, diese dann aber an einen Investor verkauft wurden. Weiter wird aufgezeigt, wie es danach zu den drei Insolvenzen bei SHW CT in Königsbronn kam, für die in der Petition die jeweiligen Investoren verantwortlich gemacht werden.

Versuche, das Land zur Unterstützung der SHW zu bewegen, seien fehlgeschlagen. Ebenso erfolglos seien Anstrengungen der Kommunalpolitik geblieben. Wörtlich heißt es dann: „Wir sagen: Das Land Baden-Württemberg hat uns in diese Situation gebracht. Jetzt dürfen diese Politiker sich nicht vor der Verantwortung drücken.“

Bis Mittwochnachmittag hatte die Online-Petition mehr als 900 Unterzeichner.

Der komplette SHW-Betriebsrat hat darüber hinaus jetzt einen neuen Verein gegründet, der den Namen „Verein zur Rettung von Arbeitsplätzen“ trägt und seinen Sitz in Königsbronn hat. Vorsitzender ist der Betriebsratsvorsitzende Fred Behr.

Der Verein, der mit Anerkennung der Gemeinnützigkeit auch „e. V.“ werden soll, wolle sich nicht speziell für Königsbronn und die SHW einsetzen, so Behr. Ziel sei, ein Signal zu geben, dass die Menschen nicht alleine sind, wenn ihre Firmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind.

Spendengelder und Vereinsbeiträge sollen angespart werden, um Betroffenen juristische und finanzielle Hilfe zu ermöglichen.

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